Angelika Berbuir, Jens Ihle und Klaus RohletterStrukturen und Ziele für die nächsten zehn Jahre - Die zukünftige Energieversorgung nach der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende und konkrete Ziele des Regionalmanagements Mittelhessen bis zum Jahr 2020 standen im Fokus der jüngsten Sitzung des „Netzwerk Wirtschaft“ im Verein MitteHessen e.V. Dazu begrüßte Vorsitzender Klaus Rohletter, Vorstandsvorsitzender der Albert Weil AG aus Limburg, bei seinem „Heimspiel“ in der Limburger WERKStadt Mark Weinmeister, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum Gedankenaustausch.

Rund 30 Mitglieder des Ende 2009 etablierten Gremiums aus Vertretern von Unternehmen, Wissenschaft und Politik aus Mittelhessen waren in die WERKstadt-Lounge auf dem Gelände des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerks am Limburger Bahnhof gekommen, das von 2007 bis 2009 zu einem Einkaufs- und Gewerbezentrum umgebaut worden war. Limburgs Bürgermeister Martin Richard erinnerte in seinem Grußwort denn auch an die Geschichte des unter Denkmalschutz stehenden Industrieareals, in dem in früheren Zeiten mit dem Bahnausbesserungswerk der größte Arbeitgeber in der Region um Limburg untergebracht war. Richard gehört als Vertreter für die Mittel- und Grundzentren in Mittelhessen auch zum Vorstand des Regionalmanagementvereins MitteHessen.

Nach Ansicht des hessischen Energiestaatssekretärs Mark Weinmeister spielt die Biomasse bei der künftigen Energieversorgung des Landes Hessen eine bedeutende Rolle. „Biomasse ist grundlastfähig und steht im Gegensatz zu Wind, Sonne und Wasser rund um die Uhr zur Verfügung“, erläuterte Weinmeister den Mitgliedern des Netzwerks. Im Energiekonzept der Hessischen Landesregierung werde der Biomasse mit Recht eine große Bedeutung eingeräumt. „Hauptlieferant der Erneuerbaren Energien in Hessen ist und bleibt für die nächsten 10 Jahre die Biomasse. Von den jährlich 21 Milliarden Kilowattstunden an Erneuerbaren Energien, die die Landesregierung bis 2020 erreichen will, soll der Anteil der Biomasse 9,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr betragen“, unterstrich Weinmeister.

Weinmeister beschrieb das Konzept der Landesregierung für die künftige Energieversorgung als ein Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Umweltfreundlichkeit und Bezahlbarkeit. Bis zum Jahr 2020 solle der Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent erhöht werden. Sich landesweit höhere Ziele zu stecken sei unrealistisch, sagte Weinmeister: Dabei seien nicht die technischen Möglichkeiten das Problem, sondern „die gesellschaftliche Akzeptanz und daran habe ich angesichts der weit verbreiteten Technik-Skepsis in Deutschland ernsthafte Zweifel.“ Auch dem Rohstoff Holz attestierte der hessische Energiestaatssekretär eine wichtige Rolle in der zukünftigen Energieversorgung des Landes: „Während die Vorräte an fossilen Energieträgern zur Neige gehen, gehört Holz zu den Rohstoffen, die nachwachsen. Es ist Energie, die Versorgungssicherheit bietet und naturnah gewonnen werden kann“. Im waldreichsten Bundesland Hessen auf den Brennstoff Holz zu setzen, mache Sinn, denn „durch die ortsnahe Verfügbarkeit entfallen weite Transportwege und die regionalen Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt“, unterstrich der Staatssekretär. Aus den von Hessen-Forst betreuten Wäldern würden jährlich rund eine halbe Million Kubikmeter Holz allein als Energie- oder Brennholz bereitgestellt.

Breiter gesellschaftlicher Konsens notwendig

Sehr deutlich wies Weinmeister darauf hin, dass die Energiepolitik von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden muss: „Wir brauchen die Akzeptanz vor Ort, denn vor Ort treffen wir oftmals auf kritische bis ablehnende Haltungen.“ Dem neuen MitteHessen-Vorsitzenden, Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, attestierte Weinmeister, sich am vehementesten für eine höhere Quote der regenerativen Energien im künftigen Energiemix einzusetzen. Der von ihm angestrebte Anteil von 30 Prozent sei zwar ambitioniert, aber für Mittelhessen mit seinem niedrigeren Anteil an energieintensiven Branchen und der Flächenverfügbarkeit „durchaus möglich“.

Auch auf einer weiteren Ebene beschäftigte sich das Netzwerk mit der Zukunft der Region. Mit großer Zustimmung nahmen die Mitglieder von Unternehmen, Wissenschaft und Politik aus Mittelhessen das neu erarbeitete Leitbild des Regionalmanagements zur Kenntnis: Es ist in den vergangenen zwei Jahren in einem intensiven Arbeitsprozess von Mitgliedern des Regionalmanagementvereins MitteHessen e.V. erarbeitet worden. Darin ist unter anderem festgeschrieben, dass die Region um die Zentren Wetzlar, Marburg und Gießen bis 2020 seine Position als Hessens stärkster Industriestandort ausbauen und bundesweit an die Spitze will. Auch weitere Ziele sind anspruchsvoll: So soll Mittelhessen die Region mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland werden und die höchste Patentverwertungsrate haben. Mit viel Applaus würdigten sie die filmische Umsetzung des Leitbildes. Regionalmanager Jens Ihle wies darauf hin, dass es mittlerweile eine englischsprachige Fassung des Films gebe und dieser auf der Homepage des Regionalmanagements www.region-mittelhessen.de angesehen werden könne sowie auf DVD den Vereinsmitgliedern zur weiteren Verwendung zur Verfügung stehe.

Die Berichte aus den Arbeitskreisen spiegelten die Vielfalt der Aktivitäten, mit denen sich die Mitglieder des „Netzwerk Wirtschaft“ für die Region einsetzen. Martin Rudersdorf von der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez beschrieb für den Arbeitskreis „Beziehungen zu den Nachbarregionen“ eine verbesserte Zusammenarbeit mit der Metropolregion FrankfurtRheinMain als Arbeitsschwerpunkt. Jens Ihle berichtete aus den Arbeitskreisen Fachkräftemarketing und Standortmarketing. Im Bereich Fachkräftemarketing präsentierte er die geplanten Aktivitäten rund um das geplante Online-Karriere-Portal des Regionalmanagements und sprach sich für „einen intelligenten Mix aus Regionalmarketing und Arbeitgebermarkenbildung (Employer Branding)“ aus. Der Arbeitskreis Standortmarketing beschäftige sich derzeit intensiv mit der Erarbeitung von Kriterien, die sicherstellten, dass potenzielle Investoren zielgerichtet und punktgenau die Daten bekämen, die sie für ihre Entscheidungen benötigten.

Nach dem Bericht des Gießener Stadtrats Harald Scherer über das umfangreiche Arbeitsprogramm des analog organisierten Gremiums „Netzwerk Bildung“ im Verein MitteHessen, stellte Angelika Berbuir, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wetzlarer Arbeitsagentur, den regionalen Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit für ihren Bezirk vor. Wetzlar ist neben Lüneburg und Offenburg eine von bundesweit drei "Monitoring-Agenturen", in denen das neue Analyse-Instrument erprobt wird. Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Lahn-Dill-Kreis? In welchen Branchen droht Stellenabbau und wo ist mit zusätzlichem Kräftebedarf zu rechnen? Wie steht es um die Beschäftigungsquote von Frauen, die Qualifikation der Arbeitnehmer und den Wanderungssaldo junger Menschen in und um Wetzlar? - „Auf solche Fragen wird der Regionale Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit künftig verlässliche Antworten geben“, sagte Berbuir. Mit Hilfe des Monitors mache die Arbeitsagentur die Dynamik und Entwicklung regionaler Arbeitsmärkte für lokale Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik transparenter. Dazu seien Kennzahlen aus 88 Branchen zusammengetragen und miteinander verknüpft worden. „Die Informationen stehen den Arbeitsmarktakteuren auf einer Internetplattform zur Verfügung und können zielgerichtet miteinander kombiniert werden“, sagte Berbuir. Auf diese Weise entstehe ein differenziertes Bild des lokalen Wirtschaftsraums, das helfe, Zusammenhänge schneller und konkreter zu erkennen und wirksame Strategien abzuleiten. Das Programm biete Interpretationshilfen und aussagekräftige Vergleiche mit jeder anderen Region in Deutschland. Durch das Zusammenlegen der Daten der vier weiteren Arbeitsagenturen in Mittelhessen erreiche man ein Ziel, dass hervorragend zu den Leitlinien des Regionalmanagements passe, so Berbuir: „die Zusammenarbeit in der Region weiter stärken.“

24.06.2011 
Quelle: Regionalmanagementverein MitteHessen e. V.