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Grandioser Erfolg in der hessischen Exzellenzinitiative LOEWE: Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) konnte sich mit gleich zwei Schwerpunkt-Anträgen in der vierten LOEWE-Staffel durchsetzen. „Wir freuen uns sehr über diesen herausragenden Mehrfach-Erfolg“, sagte JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee nach Bekanntgabe der Ergebnisse. „Er bestätigt unsere Bemühungen, das LOEWE-Programm in den verschiedenen Profilbereichen der JLU zur Exzellenzbildung zu nutzen.“ So fördert die Landesexzellenzinitiative im Schwerpunkt „RITSAT – Raumfahrt-Ionenantriebe“ Aktivitäten im Bereich der Elektrischen Raumfahrtantriebe und der Nachwuchsförderung mit rund 3,8 Millionen Euro über drei Jahre. In der Medizin kann der Schwerpunkt „Non-neuronale cholinerge System“ in den kommenden drei Jahren über rund 3,7 Millionen Euro verfügen. Von zehn eingereichten Vollanträgen wurden hessenweit fünf bewilligt. Gleichzeitig wurde der Antrag auf Auslauffinanzierung des LOEWE-Schwerpunkts „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ bewilligt.

Damit erhöht sich die Zahl der LOEWE-Projekte, bei denen die Justus-Liebig-Universität Gießen die Federführung hat, auf insgesamt sieben. „Mit diesem Erfolg wird es möglich, Grundlagen für weitere große Verbundprojekte in der Zukunft zu legen“, betonte Prof. Mukherjee.

Die JLU ist zudem beteiligt am LOEWE-Zentrum „HIC für FAIR – Helmholtz International Center für FAIR“ (Federführung: Goethe-Universität Frankfurt), das in der zweiten Förderphase der ersten LOEWE-Staffel bis 2014 mit rund 19,4 Millionen Euro gefördert wird sowie am LOEWE-Schwerpunkt „Tumor und Entzündung“ (Federführung: Philipps-Universität Marburg), das im Rahmen der ersten LOEWE-Staffel bis 2012 eine Auslauffinanzierung von rund 1,4 Millionen Euro bekommt.

Non-neuronale cholinerge Systeme

Im LOEWE-Schwerpunkt „Non-neuronale cholinerge Systeme“ (Prof. Dr. Wolfgang Kummer, Institut für Anatomie und Zellbiologie) geht es um Mechanismen der Aufrechterhaltung der Körperbarriere und -integrität, die bisher nur in Teilen verstanden sind: Acetylcholin (ACh) ist Überträgerstoff im Nervensystem und als Signalmolekül in Bakterien, Einzellern, Pflanzen und vielen Säugerzellen außerhalb des Nervensystems vorhanden, insbesondere an Körperoberflächen und im Abwehrsystem („non-neuronales cholinerges System“). Störungen dieses Systems führen zu Erkrankungen. Ziel des LOEWE-Schwerpunkts ist es, die molekularen und zellulären Komponenten dieses Regulationssystems unter gesunden und krankhaften Bedingungen zu entschlüsseln und daraus therapeutische Nutzungen zu ermöglichen. Die Spanne der relevanten Krankheitsbilder erstreckt sich über mehrere Organsysteme und reicht von der Haut (Neurodermitis, Blasen bildende Erkrankungen) über die Transplantatabstoßung bis zur häufig tödlich endenden Sepsis. An diesem geplanten Schwerpunkt unter Federführung der JLU sind die Universitäten Marburg und Frankfurt beteiligt.

RITSAT Raumfahrt-Ionenantriebe

Die Gießener Raumfahrt-Aktivitäten im Bereich der Ionentriebwerke für Satelliten und Raumfahrzeuge haben eine 40 Jahre lange Tradition und sind in den letzten Jahren gezielt ausgebaut worden, unter anderem durch Kooperationen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Einführung des in Deutschland einzigartigen Zweigs „Atom-, Plasma- und Raumfahrtphysik“ im Masterstudiengang Physik. Diese Aktivitäten konnten nun wesentliche Grundlagen zur erfolgreichen Etablierung des LOEWE-Schwerpunkts RITSAT (Sprecher: Prof. Dr. Bruno K. Meyer, 1. Physikalisches Institut) legen, wodurch am Standort Gießen ein international konkurrenzfähiges Zentrum für Elektrische Raumfahrtantriebe entstehen soll, in dem Lehre, Forschung, Entwicklung und Vermarktung unter einem Dach vereint sind. So sollen die Gießener Wissenschaftler nachhaltig zur Neu- und Weiterentwicklung von Raumfahrtantrieben für die anstehenden wissenschaftlichen Missionen vom DLR und der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) beitragen. Erwartet wird auch ein wesentlicher Beitrag zu Missionen wie der Suche nach extraterrestrischem Leben oder dem Versuch, Gravitationswellen nachzuweisen und so Einstein allgemeine Relativitätstheorie zu überprüfen. Bei diesem Projekt wird die JLU mit der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung Darmstadt und der Technischen Hochschule Mittelhessen zusammenarbeiten.

„Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ (Auslauffinanzierung)

Der LOEWE-Schwerpunkt „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ ist der erste geisteswissenschaftliche Forschungsverbund, der im Rahmen der Hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) seit 2008 gefördert wird. Die Federführung obliegt dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität Gießen, das Herder-Institut Marburg ist Mitantragssteller, die Technische Hochschule Mittelhessen assoziierter Partner. Der Fokus der insgesamt elf Teilprojekte richtet sich auf kommunikative Kulturtechniken, im Speziellen auf das Lesen und Schreiben, das Recherchieren und das Archivieren, und deren Veränderung durch unterschiedliche Medialisierungstendenzen. Für den LOEWE-Schwerpunkt wurde jetzt die Auslauffinanzierung in Höhe von rund 895.000 Euro für den Zeitraum 2011 bis 2012 bewilligt. Damit wurde zudem eine weitere gute Basis gelegt für den demnächst anstehenden Fortsetzungsantrag für das Graduate Center for the Study of Culture (GCSC), das bereits seit dem Jahr 2006 in der Exzellenzinitiative I gefördert wird.

27.06.2011 
Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen