Der heimische Fernseher wird zum Media-Center. Mit modernen Systemen kann man Fotos und Videos ansehen, Musik hören, E-Mails schreiben oder im Internet surfen. Die alte Fernbedienung reicht nicht mehr aus, um die vielen Funktionen zu steuern. Und eine herkömmliche Computertastatur lässt sich nicht bequem auf der Couch nutzen. Mittlerweile gibt es handliche Tastaturen, deren Schwachstelle allerdings die integrierte mechanische Maus ist. Staub und Schmutz beeinträchtigen nach einer Weile die Funktionsfähigkeit, und die Steuerung mit dieser Technik ist nicht präzise genug.

Gerrit Rindermann hat deshalb in seiner Bachelorarbeit an der Fachhochschule Gießen-Friedberg eine Maus entwickelt, die im Prinzip berührungsfrei optisch gesteuert wird. Basis ist ein auf dem Markt befindlicher optischer Sensor, der mit Infrarotlicht arbeitet und dreidimensionale Bewegungen erkennt. Bisher wurde das Bauteil in der Automobilindustrie verwendet, zum Beispiel als Regensensor in der Frontscheibe, der automatisch den Scheibenwischer aktiviert, oder als Warnsystem, das Signale gibt, wenn das Fahrzeug die Spur verlässt.

Kooperationspartner des Projekts ist die in Gießen ansässige Ecomal Deutschland GmbH, die europaweit elektronische und elektrotechnische Bauelemente vertreibt. Gerrit Rindermann konzentrierte sich in seiner Arbeit, die am Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung mit der Note sehr gut bewertet wurde, auf die Erstellung der Software, durch die der Sensor die Gesten des Benutzers in Steuerungssignale für die Maus übersetzt. Mit Kreisbewegungen des Daumens lässt sich so zum Beispiel die Lautstärke regulieren, mit Wischbewegungen kann die Musik- oder Filmsammlung durchgeblättert werden. Bildausschnitte lassen sich durch den Abstand des Daumens von der Sensoroberfläche vergrößern oder verkleinern, berichtet der 23-jährige Informatiker.

Das Sensorsystem arbeitet ohne jegliche Mechanik und ist daher verschleißfrei. Es erkennt Bewegungen durch geschlossene infrarotdurchlässige Oberflächen hindurch. Auf Fremdlicht wie zum Beispiel eine starke Sonneneinstrahlung reagiert es nicht.

Verschiedene Unternehmen, so Rindermann, hätten bereits Interesse gezeigt, den von ihm entwickelten Prototypen zu testen. Darunter sei eine Firma aus der Medizintechnik, für die eine berührungslose Steuerung nützlich ist, weil sie so Sterilitätsanforderungen erfüllen könne. Ein weiterer Interessent wolle das System für eine vandalismussichere Steuerung einsetzen.

Gerrit Rindermann, dessen Arbeit von Prof. Dr. Klaus Wüst und Michael Kreutzer am FH-Institut für Technik & Informatik betreut wurde, hat mittlerweile ein Masterstudium der Informatik an der Freien Universität Berlin begonnen.

01.02.2011 
Quelle: Fachhochschule Gießen-Friedberg