Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, übergibt am Donnerstag, 11. November 2010, die LOEWE-Bewilligungsbescheide an Prof Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Die Universität hatte sich im Rahmen der dritten Staffel der hessischen Exzellenzinitiative LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) mit zwei Großprojekten beworben: 1. Schwerpunkt „Insektenbiotechnologie“ und 2. „Männliche Infertilität bei Infektion & Entzündung“ (MIBIE). Beide Projekte sind für die zukünftige Profilentwicklung der JLU von herausragender Bedeutung. Mit der Bewilligung sind Fördergelder in Höhe von insgesamt rund neun Millionen Euro verbunden. Damit will die JLU die Kooperation mit Forscherteams der Universitäten Marburg und Frankfurt, der Fachhochschule Gießen-Friedberg und weiteren Einrichtungen nachhaltig ausbauen.
 
Präsident Mukherjee freut sich, dass das lebenswissenschaftliche Profil der Universität Gießen durch die Zuwendungen noch einmal erheblich geschärft werden kann. Es habe sich gezeigt, dass die enge Vernetzung der Medizin mit den anderen lebenswissenschaftlichen Fächern der Schlüssel zum Erfolg bei großen interdisziplinären Verbundprojekten ist. Die JLU betreibe exzellente Grundlagenforschung mit starken Partnern und habe dabei stets konkrete innovative Anwendungsgebiete im Blick.
 
Schwerpunkt „Insektenbiotechnologie“
(Sprecher: Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der JLU) 
 An der JLU erforschen Wissenschaftlerteams, mit welchen „Erfindungen“ Insekten so erfolgreich geworden sind. Der Gießener Entomologe Prof. Dr. Andreas Vilcinskas ist davon überzeugt, dass Insekten aufgrund ihrer vielfältigen Überlebensstrategien über einen Schatz an bisher unentdeckten Substanzen verfügen, den es zum Wohle der Menschen zu heben gilt. Das junge Forschungsgebiet Insektenbiotechnologie zielt darauf ab, die von Insekten produzierte Vielfalt an Substanzen systematisch zu erforschen, um mit Hilfe von biotechnologischen Methoden neue Medikamente für die Medizin, innovative Strategien im Pflanzenschutz und Enzyme für industrielle Anwendungen zu entwickeln.
 
Um erstmalig in Deutschland eine operative Einheit auf dem Gebiet der Insektenbiotechnologie aufbauen zu können, die international wettbewerbsfähig ist, beinhaltet die Förderung strukturelle Maßnahmen: Dazu zählen die Implementierung einer Fraunhofer-Projektgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Aachener Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME), der Ausbau der Kooperation zwischen der JLU, der Fachhochschule Gießen-Friedberg und den Universitäten Frankfurt und Marburg sowie der weitere Ausbau der translationalen Lebenswissenschaften an der JLU. Gleichzeitig werden Voraussetzungen geschaffen, unter denen die JLU gemeinsam mit dem IME die Ansiedlung eines Fraunhofer-Teilinstituts in Mittelhessen realisieren kann.
 
Schwerpunkt „Männliche Infertilität bei Infektion & Entzündung“ (MIBIE)
(Sprecher: Prof. Dr. Wolfgang Weidner, JLU. Ko-Koordinatoren : Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Prof. Dr. Andreas Meinhardt, Dr. Hamid Hossain, Dr. Monika Fijak (alle JLU) sowie Mitantragsteller Prof. Dr. Harald Renz (Philipps-Universität Marburg)). Assoziierte Einrichtungen sind die Fachhochschule Gießen-Friedberg, die TransMit-GmbH, das Kinderwunschzentrum Mittelhessen (Wetzlar), die School of Veterinary Medicine Pennsylvania, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen und die Tiermedizinische Hochschule Hannover.
 
MIBIE zeigt exemplarisch, welche Chancen in der Zusammenführung von Grundlagenforschung und translationaler Forschung liegen: Ziele sind eine verbesserte Diagnostik und Therapie der infektiös-entzündlichen Ursachen männlicher Infertilität, die einen wesentlichen Faktor bei ungewollter Kinderlosigkeit darstellt. MIBIE soll auch als Anschub für die Beantragung eines DFG-Sonderforschungsbereichs dienen, der neben Gießener Gruppen auch Forscher an anderen Universitäten einbinden soll.
 
Der LOEWE-Schwerpunkt MIBIE untersucht die Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit: In Deutschland ist ca. eines von sechs Paaren von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Das Problem der Infertilität verteilt sich etwa zur Hälfte auf Mann und Frau, wobei Infektionen und Entzündungen des männlichen Reproduktionstraktes etwa 20 Prozent der Ursachen auf der männlichen Seite der Fertilitätsstörungen ausmachen. MIBIE untersucht die Initiierung und Modulierung des chronischen Entzündungsprozesses durch Erreger sowie autoimmune Ursachen. 
 

05.11.2010 
Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen