Universität Gießen als Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung ausgewählt – Gießener Federführung bei beiden Projekten; Kooperationen mit Universität Marburg und weiteren Partnern

Der Anteil alter Menschen an der Bevölkerung steigt stetig; chronische Erkrankungen nehmen zu. Das Gesundheitssystem steht vor immensen Herausforderungen. Antworten zur Prävention und zu Therapiekonzepten werden von der Wissenschaft erwartet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will mit den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung Kompetenzen bündeln und translationale Forschung stärken, um somit einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung bedeutender Volkskrankheiten zu leisten. Die Justus-Liebig-Universität Gießen wurde jetzt ausgewählt, gleich in zwei Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung einen wesentlichen Beitrag zu leisten: im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZI). In beiden Fällen ist neben weiteren Partnern die Philipps-Universität Marburg beteiligt.

Die Entscheidung, die das BMBF heute bekannt gegeben hat, bedeutet einen weiteren immensen Erfolg für die JLU, insbesondere für ihren Fachbereich Medizin, aber auch das gesamte lebenswissenschaftliche Umfeld an der JLU. Der Doppelerfolg ist zugleich aber eine Bestätigung für die herausragende Bedeutung des Medizinstandortes Mittelhessen. „Am drittgrößten Medizinstandort in Deutschland zahlen sich Innovation und Kooperation in exzellenter Forschung aus“, ist JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee überzeugt: „In der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität Marburg unter Einbeziehung aller weiteren Akteure in der mittelhessischen Medizin, insbesondere das privatisierte Universitätsklinikum Gießen und Marburg, liegt der Schlüssel zu Erfolgen in der universitätsmedizinischen Spitzenforschung.“ Gemeinsam mit der für Forschungsangelegenheiten zuständigen Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Becker beglückwünscht er Gießener Koordinatoren zu ihren Erfolgen: Prof. Dr. Werner Seeger und Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, Sprecher des „UGMLC – Universities of Giessen and Marburg Lung Center“ (DZL) sowie Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs 11 – Medizin und Direktor des Zentrums für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der JLU (DZI).

Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL)
Ausgewählter Standort: Gießen/Marburg
(gemeinsamer Antrag des „UGMLC – Universities of Giessen and Marburg Lung Center“ der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim)
Lungenerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Zurzeit existieren noch immer kaum effektive Therapiemöglichkeiten für die meisten chronischen Lungenerkrankungen. Damit Lungenerkrankungen dauerhaft erfolgreicher behandelt werden können, sollen in einem „Deutschen Zentrum für Lungenforschung“ die besten pneumologischen Forschungseinrichtungen zusammengeführt werden. Die grundlagen-, krankheits- und patientenorientierte Forschung soll zentrumsbezogen koordiniert und auf internationalem Spitzenniveau durchgeführt werden, damit die Translation grundlegender wissenschaftlicher Erkenntnisse in neue klinische Konzepte zur Verbesserung der Patientenversorgung möglichst effektiv gelingt. Der gemeinsame Antrag des „UGMLC – Universities of Giessen and Marburg Lung Center unter Gießener Federführung wurde von den Gutachtern nun besonders positiv begutachtet.
Weitere Informationen: http://www.ugmlc.de/

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZI)
Ausgewählter Standort: Gießen
(gemeinsamer Antrag der JLU Gießen, der Philipps-Universität Marburg, des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen und der Fachhochschule Gießen-Friedberg)
Die Bundesregierung gründet ein „Deutsches Zentrum für Infektionsforschung“. Die Region Mittelhessen ist mit dem HEAL-EMERGE-Konzept (Hessian Alliance of Exzellence in Emerging and Emergency Infections) vom Gutachtergremium sehr positiv beurteilt worden und der Verbund als Partnerstandort für die Erstellung des Gesamtkonzepts zum Deutschen Zentrum für Infektionsforschung ausgewählt worden. „Impfstoffe und Antibiotika haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesundheit der Weltbevölkerung, indem sie die Kontrolle schwerer, oft tödlicher Infektionskrankheiten ermöglichen. Während wir jedoch heute viele der bekannten Infektionskrankheiten in Schach halten und einige sogar ganz ausrotten konnten, treten paradoxerweise neue Infektionskrankheiten auf, die in Form von isolierten Ausbrüchen, Epidemien und Pandemien für die medizinische Forschung eine dramatische Herausforderung darstellen“, erklärt Koordinator Prof. Chakraborty. Ziel der HEAL-EMERGE-Allianz ist es, eine strukturierte schnelle Reaktion bei aufkommenden biologischen Bedrohungen durch Infektionserreger zu ermöglichen, indem sie die Expertise der entsprechenden Forschergruppen an den Universitäten Gießen und Marburg sowie der Fachhochschule Gießen-Friedberg mit der des Paul-Ehrlich-Institutes in Langen auf dem Gebiet der Impfstoffe und Antiinfektiva verbindet. Hierzu werden neueste Ansätze der Genomforschung an Mikroorganismen und ihren Wirtszellen sowie der synthetischen Biologie genutzt.

27 Standorte hatten sich beim Wettbewerb für den Aufbau von vier weiteren Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung qualifiziert, heißt es in einer Pressemitteilung des BMBF. Es waren insgesamt 77 Anträge von Universitäten, Universitätsklinika und außeruniversitären Forschungseinrichtungen eingegangen. Die Anträge wurden durch international besetzte Expertengremien begutachtet. Nach einer Vorauswahl waren 39 Antragsteller eingeladen, ihre Konzepte der Jury zu präsentieren. Die ausgewählten Partnerstandorte sollen nun ein Gesamtkonzept für die Zentren erstellen, das wiederum von den Gutachtergremien abschließend bewertet werden wird. 



09.11.2010 
Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen