Pressemitteilung der IHK Gießen-Friedberg

Die Konjunktur hat sich weiter erholt. In nahezu allen Bereichen hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage verbessert. Auch in die nahe Zukunft blicken die Betriebe wieder optimistischer. Die jetzt vorliegende Frühjahrsumfrage der IHK Gießen-Friedberg zeigt damit deutliche Verbesserungen: Sowohl gegenüber dem Jahreswechsel, als auch gegenüber der Umfrage im Vorjahr. Damals lag die Stimmung auf einem historischen Tiefpunkt. „Die regionale Wirtschaft zeigt im Vergleich zum Vorjahr sehr viel mehr begründete Zuversicht“ freut sich IHK Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. Von einer zunehmenden Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Euro und über die Konsolidierungspolitik der Öffentlichen Haushalte ist noch nichts zu spüren. Nach der halbwegs überstandenen Finanzkrise ist allerdings davon auszugehen, dass die Euro-Schwäche und die horrende Verschuldung in einigen EU-Staaten fühlbare Auswirkungen auf die reale Wirtschaft haben werden.
 
Erfreuliche Steigerung
Die Umfrage der IHK Gießen-Friedberg in den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau unter rund 1.200 Mitgliedsbetrieben fand von Anfang April bis Mitte Mai diesen Jahres statt. Aus den Ergebnissen dieser Umfrage wird der IHK-Klimaindex ermittelt. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Bei der aktuellen Befragung wurde ein Klimaindex von 102,5 errechnet. Der Vergleichswert der Umfrage zu Jahresbeginn lag bei 91,8 und der im Frühjahr 2009 ermittelte Wert lag bei 62,9. Damit kommt wird eine Steigerung um fast genau 40 Punkte erreicht. „Eine erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Matthias Leder.
 
Verbesserung überall
Die Erholung der Konjunktur zeigt sich in allen drei Landkreisen. Klar in Führung liegt dabei der Landkreis Gießen. Die dortige Wirtschaft kommt auf einen Klimaindex von 108,0. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um knapp 45 Punkte und im Vergleich zum Vorquartal ist der Wert um annähernd zehn Punkte gestiegen. Gute Werte werden im Landkreis Gießen insbesondere aus dem Bereich der Kreditinstitute und der Dienstleistungsbranche vermeldet. Der Wetteraukreis kommt auf einen Klimaindex von 99,4 und liegt damit um rund 38 Punkte besser als im Vorjahr und um gut sieben Punkte besser als zu Jahresbeginn. Die besten Ergebnisse aus der Wetterau kommen aus dem Industriesektor. Dort wurde ein Klimaindex von 123,0 ermittelt. Der Vogelsbergkreis schließlich erreicht einen Klimawert von 96,6. Das sind 34,6 Punkte mehr als im Vorjahr und 17,8 Punkte mehr als bei der Umfrage zum Jahreswechsel. Damit verbessert sich der Landkreis Gießen am deutlichsten im Vergleich zum Vorjahr, während der Vogelsbergkreis die höchste Steigerung im Vergleich zur letzten Umfrage aufweist.
 
Industrie: Doppelt so gut wie im Vorjahr
Die gesamte Industrie im IHK-Bezirk kommt auf einen Klimaindex von 110,0, gegenüber 55,6 im Vorjahr und 95,0 im Vorquartal. Beim Vergleich zum Vorjahr ist eine Verdoppelung des Wertes feststellbar. Damit wird einmal mehr klar, wie fundamental schlecht die wirtschaftliche Lage im Frühjahr 2009 war. Die guten Werte kommen maßgeblich von den Betrieben aus der Vorleistungs- und der Investitionsgüterindustrie. Ganz vorn liegen die Chemie- und Pharmaunternehmen mit einem Klimawert von über 180. Gut dabei, wenn auch etwas dahinter folgen die Hersteller von Papier, Holz und Glas. Der Maschinenbau, die größte Industriebranche des IHK-Bezirkes und stark exportlastig, kommt auf einen Klimaindex von 105,4 und liegt damit mehr als doppelt so gut als im Vorjahr. Ebenfalls mehr als verdoppelt hat sich der Klimaindex in der Elektrotechnik. Mit einem Klimawert von 87,5 liegen die Betriebe hier allerdings noch deutlich unter der Zufriedenheitsschwelle des Klimaindex von 100.
Die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im industriellen Bereich hat vornehmlich mit den wieder verbesserten Exportaussichten zu tun. Nach dem starken Rückgang der Ausfuhren zu Jahresbeginn 2009 hat sich die exportierende Wirtschaft wieder gefangen. So gab es im März 2010 das beste Exportergebnis seit 18 Jahren. Überdurchschnittlich stiegen dabei die Ausfuhren nach außerhalb Europas: Während hier ein Plus von rund 35 Prozent gezählt wurden, kamen die Exporte innerhalb Europas lediglich auf eine Steigerung um knapp 17 Prozent.
 
Bau: Unterstützung läuft aus
Das Baugewerbe kommt auf einen Klimaindex von 111,8, gegenüber 89,4 im Vorjahr und 122,5 im Vorquartal. Bei der Einschätzung der gegenwärtigen Lage überwiegen die zufriedenen Stimmen, doch beim Blick in die nahe Zukunft wird einiges an Zurückhaltung deutlich. Alle Betriebe der Baubranche gehen davon aus, dass sich die Situation im Laufe des Jahres nicht verbessert – allerdings auch nicht verschlechtert. Während sich der von der Rezession am meisten betroffene Wirtschaftsbau langsam erholt, ist der Wohnungsbau wohl im Tal angekommen. Der öffentliche Bau profitiert nach wie vor von den Konjunkturprogrammen des Bundes und der Länder. Dabei wird die höchst angespannte Finanzsituation, gerade bei den Städten und Gemeinden, dafür sorgen, dass einige kommunale Bauprojekte und Investitionspläne gestrichen werden.
 
Einzelhandel: Ängste vor Inflation und Staatsverschuldung
Der Klimaindex im Einzelhandel liegt bei 77,1, gegenüber 51,1 im Vorjahr und 68,0 zu Jahresbeginn. Der negative Stimmensaldo, sowohl bei der Einschätzung der Gegenwart, als auch bei der Vorhersage der zukünftigen Entwicklung, ist zwar geschrumpft. Nach wie vor jedoch steckt die Branche im Stimmungstief und kommt auch nicht annähernd an die Zufriedenheitsschwelle. Der Verbraucher wird seine Sorgen und Ängste, die ihn von einer nachhaltigen Konsumfreude abhalten einfach nicht los: Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten, die Finanzkrise, die überbordende Staatsverschuldung und nun auch noch die diffusen Ängste vor Inflation und Steuererhöhungen wegen der Euro-Stützungen.