Umweltbibliothek von Frau Dr. Virpi Nurmi an Stadtbibliothek übergeben

Am 22. Mai 2010 erhielt die Stadtbibliothek eine Buchspende der besonderen Art:

Die Biologin und Pädagogin Dr. Virpi Nurmi übergab eine Spende von 55 umweltpädagogischen Büchern an die Stadtbibliothek. Dr. Nurmi erhielt im vergangenen Jahr den Umweltpreis der Stadt Gießen für ihre Initiative des "Internationalen Gartens". Das hierfür vorgesehen Preisgeld investierte sie in die Bücher, die ab sofort allen Nutzern der Gießener Stadtbibliothek zur Verfügung stehen.

Eine Literaturliste erhalten Sie über den Online-Katalog der Stadtbibliothek. Hierzu geben Sie einfach den Suchbegriff "Umweltbibliothek" ein.

Die Bücher sind zudem mit folgender Widmung von Frau Dr. Nurmi versehen:

"Weltweit sind mehr als 1,8 Millionen verschiedene Arten erfasst. Doch niemand weiß genau, wie viele Tiere und Pflanzen es tatsächlich gibt. Sicher ist nur, dass die Anzahl der Arten auf der Erde abnimmt. Etwas, was einmal ausgestorben ist, kann nicht wiederauferstehen. Es hat schon immer Artensterben auf der Erde gegeben, ausgelöst durch Warm- und Kaltzeiten und gewaltsame Einflüsse aus dem Weltraum. Unser Ökosystem ist ein bewegliches System mit Gewinnern und Verlierern. Neu ist das Tempo. Die WWF (World Wildlife Foundation) nimmt an, dass in den letzten 25 Jahren die Artenvielfalt um mehr als ein Viertel abgenommen hat. Die Ursache des Artenschwundes ist der Mensch. Er raubt Pflanzen und Tieren den Lebensraum, verändert ihn und verschwendet Ressourcen der Erde. Erstmals ist es eine einzige Art, die in der Lage ist, einen so verheerenden  Schaden auszurichten. Die größte Gefährdung geht eindeutig von der intensiv betriebenen Landwirtschaft aus, von überdüngten Wiesen und Feldern, der Zerstörung der Futterquellen, Nistplätze und Ruheräume. Viele Vogelarten z.B. finden Schutz in den Städten.

Das Projekt 'Internationaler Garten' gehört zu den ersten in der ganzen Bundesrepublik, wo seit 2003 eine interkulturelle Natur- und Umweltbildung von einer Migrantin an Kinder und Jugendliche, Migranten und deutsche Bevölkerung gegeben wurde. Gemeinsam mit Kindern aus über 20 Nationen habe ich in Gießen einen neuen Weg beschritten. Der erste Interkulturelle Garten in den ehemaligen Pendelton Barracks bedeutet gelungene Freiraum-Entwicklung im städtischen Raum.

Teilhabe an Natur ist ein alltäglicher Luxus auf den wir alle ein Recht haben. Natur und Umwelt schützen ist nichts Elitäres. Jeder kann es lernen. Unsere Bildungswege leben es noch nicht aus, obwohl wir alle seit unserer frühesten Kindheit immer wieder lernen, wie gewaltig die menschliche Zerstörungskraft ist.
In keinem Zeitalter haben wir so viel Detailwissen über das Zusammenleben der Spezies gehabt wie heute. Jeder kann sich selbst verändern und einen bewussten Weg Richtung Bewahrung der Natur und Umwelt nehmen.

Ganzheitliche wohnnahe Projekte können das Begreifen von Zusammenhängen in der Natur durch Gärten fördern. Mein Dank geht an alle Kinder und Jugendliche, die ihr eigenes Wohn- und Lernumfeld gemeinsam verbessert haben, jahrelange Bodenverbesserung betrieben haben und den Aufbau von Futterquellen für verschiedene Tiere ermöglicht haben. Ohne die Begeisterung, die ich von meinen Schülerinnen und Schülern erlebt habe, wäre ich nicht in der Lage gewesen meine Konzepte so ganzheitlich zu gestalten, wie wir sie heute erleben und praktizieren. Ich spreche der Stadt Gießen meinen Dank für den Umweltpreis des Jahres 2009 aus. Mit diesem Preis wurden die ersten Bücher für die Umweltbibliothek von mir ausgesucht und finanziert, um allen Gießenern einen Zugang zu Natur und Umweltliteratur in der Stadtbibliothek zu ermöglichen. Ich hoffe, dass viele Gefallen an dieser Idee finden werden und weiterhin unsere Bibliothek durch gespendetes Geld oder neue Bücher wachsen lassen.
 
Gießen, 2. April 2010
Dr. Virpi Nurmi"