Bericht von Corinna Zensi

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Gießener Liebig-Stipendiatin 2008/2009, Studienrichtung Ernährungswissenschaft/Ökotrophologie

"Menschenüberfüllt, kalt, verregnet, fremd. Aber vor allem: eine Stadt, die mir fast unfassbare Möglichkeiten eröffnete. An meinem ersten Tag in Gießen durchströmten mich unzählige Emotionen: Neugier, Aufregung, Staunen und natürlich die Angst einer 18-Jährigen vor dem neuen Leben, das hier in dieser fremden Stadt, in diesem fremden Land auf mich wartete.
Da es für mich weder in Namibia noch im Nachbarland Südafrika die Möglichkeit gab Ökotrophologie zu studieren, entschied ich mich dafür, nach Deutschland zu kommen. Nur wenige Universitäten boten im Jahr 2005 dieses Studium zum Sommersemester auf Bachelor und Master an. Ich entschied mich für die Justus-Liebig-Universität in einer mir völlig unbekannten Stadt namens Gießen. Für mich war damals nur klar: in Kiel ist es mir bestimmt zu kalt und München ist zu groß. Für mein Studium tauschte ich also die Sonne Namibias gegen Regen, die Weite der Natur gegen enge Straßen und friedliche Stille gegen das aufgeregte Gebabbel der Gießener. Ein Tausch, den ich nie bereut habe. Es dauerte nicht lange, bis ich mich in dieser Stadt zu Hause gefühlt habe, und wenn ich heute auf die fünf Jahre in Gießen zurückblicke, kann ich mit Überzeugung sagen, dass es die spannendste, erfolgreichste und spaßigste Zeit war, die ich bisher erleben durfte.

Vor allem im letzten Jahr habe ich als mittlerweile „Insider“ viele schöne Erfahrungen gemacht in dieser Stadt, die (zumindest im Vergleich zu der Stadt, in der ich in Namibia meine frühe Jugend verbracht habe) so viel zu bieten hat. Wenn ich an meine Studienzeit denke, fallen mir natürlich Vorlesungen, meist interessanter Stoff und anstrengende Lernphasen vor den Klausuren ein, aber viel deutlicher erinnere ich mich an das Studentenleben außerhalb der Uni. Ich denke da z.B. an Gießens Ausgeh-Szene, an die Kneipen und Tanzkeller, die ich mit den Mädels, mit denen ich in der Einführungswoche zusammengewürfelt wurde und die ich nach all dieser Zeit zu den für mich wichtigsten Menschen zähle, unsicher gemacht habe. Ich denke an die WG- und Uniparties und an die Dönerbuden im Dönerdreieck, in denen man einen gelungenen Abend ausklingen ließ. Oder die heiße Schokolade, die es im News Cafe gibt, unschlagbar!
Auch kulturell haben wir in Gießen einiges unternommen. Besonders gut kamen bei uns die Studentenwochen des Stadttheaters an, während derer man sich für wenig Geld gute Stücke ansehen kann. Auch die TIL Studiobühne ist sehr zu empfehlen. Das Mathematikum hat mich begeistert und frustriert, nicht alle spielerischen Aufgaben sind einfach zu lösen!

Besonders an den Sommer in Gießen werde ich immer wieder gerne zurückdenken. Man sucht sich ein schönes Fleckchen zum Sonnen und Federballspielen am Schwanenteich oder legt sich mit Kniffel bewaffnet ins Freibad. Auf der Lahn hat man die Wahl zwischen Paddeln und Tretbootfahren (bei Beidem muss man ungeheuer aufpassen, nicht von den Ruderern überrollt zu werden) und der Seltersweg lädt zum Bummeln und Eisessen ein. Bei schönem Wetter lohnt sich ein Ausflug auf den Schiffenberg.

Ein besonderes Ereignis im letzten Jahr war für mich natürlich die überraschende und erfreuliche Nachricht, dass mir das Gießener Liebig-Stipendium verliehen werden sollte. Ich fühle mich heute wie damals geehrt, diese Auszeichnung erhalten zu haben und bedanke mich nochmals herzlich bei der Stadt Gießen und allen Beteiligten für die Anerkennung meiner Leistungen und die großzügige Unterstützung, die mir das Studium im letzten Jahr sehr erleichtert hat. Des Weiteren gilt mein Dank all denjenigen, die mir durch Gutachten oder gute Ratschläge zu diesem Stipendium verholfen haben. Auch bei meiner Familie möchte ich mich an dieser Stelle bedanken, die mir mein erfolgreiches Studium erst ermöglichte und mich immer unterstützt hat.

Wohl oder übel muss ich mich irgendwann von Gießen trennen und das wahrscheinlich schneller, als mir lieb ist. Zwischen mir und dem Ende meines Studiums liegt nur noch meine experimentelle Masterarbeit. Was danach kommt, wird sich noch entscheiden, entweder eine Promotion oder der Einstieg ins Berufsleben. Ich werde sie vermissen, diese Stadt mit ihren skurrilen Gestalten, ewigen Baustellen, tausenden Studenten und den vielen schönen Erinnerungen, die um jede Ecke warten. Und ich werde sie immer wieder besuchen, diese Stadt, die mich mit offenen Armen empfangen hat und in Deutschland mein zu Hause geworden ist. Aber bis dahin werde ich meine verbleibende Zeit in Gießen nach dem Motto verbringen, das für mich von Anfang an gegolten hat: Gießen genießen!" 

 

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