Bericht von Alexandra Wening

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Gießener Liebig-Stipendiatin 2008/2009, Studienrichtung Agrarwissenschaften
   
"Das letzte Jahr meines Studiums neigt sich dem Ende entgegen und damit auch die Zeit, in der ich durch das Liebig-Stipendium gefördert wurde. Wie schnell die Zeit vergeht …
 
Ich weiß noch genau, wie ich zur Einschreibung im September 2004 im Studierendensekretariat stand und mir bewusst wurde, es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ich hatte mich für das Studium der Agrarwissenschaften entschieden, da ich mich schon immer für Biologie und die Natur begeistern konnte. Die Wahl fiel auf Gießen, da es eine der Universitäten war, die schon das Bachelor-Master System anbot und außerdem eine überschaubare Stadt ist, in der sich ein „Kind vom Lande“ wohlfühlen kann.
 
Nach der Einführungswoche begann das erste Semester, dass vor allem für Grundlagenfächer vorgesehen ist. Ich biss mich durch dieses Semester durch, auch wenn ich mich manchmal fragte, was das alles mit Landwirtschaft zu tun hat. Es könnte die Studenten mehr motivieren, wenn diese Fächer zwar Grundlagen vermitteln, aber Beispiele und Anwendungen einen Bezug zur Landwirtschaft herstellten. Nach diesem Semester wurde es besser. Man konnte die unterschiedlichsten Profilmodule wählen und sich mehr und mehr den eigenen Interessen zuwenden. Ich zog es jedoch vor, mir eine breite Basis aufzubauen und mich im Grundstudium nicht zu sehr zu spezialisieren.
 
Meine Bachelorarbeit schrieb ich an der Professur für Organischen Landbau über die Möglichkeiten der biologischen Unkrautbekämpfung. Es ist die Anwendung von tierischen oder mikrobiellen Gegenspielern der Unkräuter, die im Bestand ausgebracht werden, um die Unkräuter unter die ökonomische und/oder ökologische Schadensschwelle zu bringen. Nach Abgabe und Verteidigung dieser Arbeit begann mein Auslandsstudium in Polen.
 
Ich hatte mich dazu entschlossen, an der Universität Ermland-Masuren (Uniwersytet Warmińsko-Mazurski) in Olsztyn für ein Semester zu studieren, um die polnische Sprache besser zu erlernen, eine andere agrarwissenschaftliche Universität kennenzulernen und die Erfahrung zu machen, als Ausländer in einem anderen Land zu leben und Deutschland aus einem anderen Blickwinkel zu erfahren. Außerdem wollte ich kein Semester deswegen verlieren und so besuchte ich elf verschiedene Fächer, da dort nicht jedes Fach 6 ECTS-Punkte besaß, wie an der Gießener Universität, sondern mal 2, 3 oder 4. Es war dementsprechend anstrengend in einer fremden Sprache zu studieren, aber es machte auch sehr viel Spaß. Neben dem Studium lernte ich Land und Leute kennen, u. a. durch die verschiedenen Treffen mit und um das Erasmus-Student-Network (ESN) Olsztyn. Aus dieser Erfahrung heraus würde ich jedem, der die Möglichkeit dazu hat, zu so einem Auslandsaufenthalt raten.
 
Nach meiner Rückkehr traf ich die Entscheidung, mein Studium an der Justus-Liebig-Universität Gießen fortzusetzen. Ich wählte den Master-Studiengang Pflanzenproduktion, da sich im Laufe meines Studiums diese Fachrichtung als interessanteste für mich herauskristallisiert hatte. Als ich vom Dekanat Bescheid bekam, dass ich für das Gießener Liebig-Stipendium vorgeschlagen worden war, war ich sehr überrascht, da ich bisher von diesem Stipendium nichts gehört hatte. Umso mehr freute es mich, als mir im August Professor Dr. Leithold vorab mitteilte, dass mir das Liebig-Stipendium zuerkannt worden war. So konnte mein Vater, der kurz darauf auf Grund seines schweren Krebsleidens verstarb, noch diese Freude mit uns teilen.
 
Nach dieser schweren Zeit war die feierliche Übergabe des Stipendiums im Oktober ein schönes Ereignis. Durch die Unterstützung des Stipendiums war es mir möglich, mich weiterhin auf das Studium zu konzentrieren und ich brauchte mir keine Gedanken zu machen, wie ich das letzte Jahr meines Studiums finanzieren sollte. Dafür bedanke ich mich schon einmal recht herzlich bei der Stadt Gießen.
 
Wie ich anfangs schon schrieb, verging das letzte Jahr recht schnell. Das Wintersemester war vollgepackt mit interessanten, wie auch anspruchsvollen Modulen und im Sommersemester begann ich meine Masterarbeit zu verfassen, die mittlerweile abgegeben und verteidigt ist. Neben all dem ganzen Studieren hatte ich dennoch genug Freizeit, um in Gießen und Umgebung vieles kennen und lieben zu lernen. So würde ich Gießen nicht als hässlich bezeichnen, wie es von vielen immer beschimpft wird. Es ist eine, wie ich immer sage, „praktische“ Stadt, in der man sich schnell zurechtfindet und so ziemlich alles bekommt, was man braucht. Und sie hat zudem auch noch ein paar schöne Ecken, die überall zu finden sind, wenn man auf „Entdeckungstour“ geht.
Der Botanische Garten oder der Alte Friedhof, die zum Spazierengehen, das Stadttheater oder die Gießener Kinos, die zu verschiedenen Vorstellungen, aber auch die Gießener „Shoppingmeile“ – der Seltersweg – oder das Neustädter Tor, die zum Bummeln einladen. Natürlich sind die vielen Restaurants, Cafés und Kneipen nicht zu vergessen, in denen ich mich regelmäßig mit Freunden und Bekannten traf. Auch die weitere Freizeitgestaltung lässt in Gießen nicht zu wünschen übrig. So bietet die Uni ein breites Sport- wie auch Fremdsprachenangebot, das ich häufig nutzte. Außerdem ist im Sommer ein Besuch im Gießener Freibad genauso wenig zu verachten, wie die Möglichkeit sich am Lahnufer zu erholen. Überhaupt gefällt mir das Stadtbild durch die zwei Flüsse – die Lahn und die Wieseck – aber auch durch den weitestgehenden Verzicht auf Hochhäuser und allzu enge Wohnbausiedlungen recht gut. Letztendlich sind auch die Museen, wie das anschauliche Mathematikum oder das Liebig-Museum, das einen gut in die damalige Zeit versetzt, nicht zu unterschlagen.
 
Mit Gießen verbinde ich eine sehr schöne Studienzeit, in der ich viele neue Leute kennen lernte, von denen einige auch zu guten Freunden geworden sind, in der ich mein Fachwissen aufbaute und vertiefte und in der ich um viele Erfahrungen reicher wurde.
Zum Schluss möchte ich mich noch einmal herzlich bei all denen bedanken, die es ermöglicht haben, dass mir das Stipendium zugesprochen wurde und die es finanziert haben.
 
Vielen Dank!
 
Alexandra Wening, September 2009" 
  
   

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