Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Gießen

Doppel-Erfolg beim LOEWE-Programm

JLU bei der zweiten Staffel der hessischen Exzellenz-Initiative überaus erfolgreich – Zuschlag für ein Zentrum und einen Schwerpunkt


Überragender Doppelerfolg für die Justus-Liebig-Universität Gießen: Sie kann einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur weiteren Vernetzung und Profilierung verbuchen. Die JLU war bei der zweiten Staffel der „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (LOEWE) überaus erfolgreich und erhält den Zuschlag für zwei Großprojekte: erstmalig ein Zentrum sowie einen Schwerpunkt. Mit der Bewilligung für ein herausragendes Lungen-Forschungszentrum (UGLMC – Universities of Giessen and Marburg Lung Center: Entzündliche und hyperproliferative Erkrankungen der Lunge und der Atemwege) sowie einen neuen Forschungsschwerpunkt zur Massenspektrometrischen in-situ-Analytik für die Problembereiche Gesundheit, Umwelt, Klima und Sicherheit (AmbiProbe) geht für die JLU eine Förderung von insgesamt fast 20 Millionen Euro bis 2012 einher. In der zweiten LOEWE-Staffel war die Universität Gießen mit diesen beiden Verbundprojekten im Rennen.

Große Freude herrschte dementsprechend sowohl beim Präsidium als auch bei den beteiligten Wissenschaftlern über die Entscheidung aus Wiesbaden: „Die Justus-Liebig-Universität sieht sich aufgrund dieses Doppelerfolges in ihrer Strategie bestätigt, zum einen bestehende Exzellenzbereiche wie die Lungenforschung weiter zu diversifizieren und zum anderen neue Potentialbereiche zielgerichtet zu unterstützen und zu Profilbereichen mit Exzellenzpotential auszubauen“, betonte JLU-Vize­präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee unmittelbar nach Bekanntgabe des Gießener Erfolgs am 8. Juli 2009: „Der erfolgreiche UGMLC-Zentrumsantrag und der erfolgreiche AmbiProbe-Schwerpunkt-Antrag zeigen beispielartig, wie die JLU das LOEWE-Programm des Landes zukunftsweisend nutzt und auf diese Weise ihr natur- und lebenswissenschaftliches Profil – auch in der interdisziplinären und fachbereichsübergreifenden Vernetzung – weiter stärkt.“ Das UGLMC erhält ca. 15,1 Millionen Euro, der Schwerpunkt AmbiProbe ca. 4,5 Millionen Euro für die Jahre 2010 bis 2012.

UGLMC - Universities of Giessen and Marburg Lung Center: Entzündliche und hyperproliferative Erkrankungen der Lunge und der Atemwege
Justus-Liebig-Universität Gießen, Philipps-Universität Marburg, Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim

In dem geplanten „UGLMC – Universities of Giessen and Marburg Lung Center: Entzündliche und hyperproliferative Erkrankungen der Lunge und der Atemwege“, an dem die Philipps-Universität Marburg und das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung (MPI) Bad Nauheim beteiligt sind, übernimmt die JLU die Federführung. „Unser Ziel ist es, durch Bündelung der experimentellen und klinischen Lungenforschung in Gießen, Marburg und Bad Nauheim zu einem international führenden Zentrum auf dem Gebiet der Erkrankungen der Lunge und der Atemwege zu werden“, nennt Sprecher Prof. Dr. Werner Seeger (Gießen) das ehrgeizige Ziel. Koordinatoren sind zudem Prof. Dr. Friedrich Grimminger (Gießen) und Prof. Dr. Harald Renz (Marburg). Rund 70 Wissenschaftler aus den drei Standorten sind beteiligt.

Im UGLMC werden die wissenschaftlichen und klinischen Kompetenzen der universitätsmedizinischen Standorte Gießen und Marburg und des MPI Bad Nauheim auf dem Gebiet der entzündlichen Erkrankungen (Pneumonie, akutes und chronisches Lungenversagen, Asthma bronchiale, chronische Bronchitis) und hyperproliferativen Erkrankungen (Lungenkarzinom, Lungenfibrose, Lungengefäßveränderungen) der Lunge und Atemwege zusammengeführt und fortentwickelt. Die Entschlüsselung der diesen Krankheitsgruppen zugrundeliegenden molekularen Signalpfade, die vielfache Bezüge zueinander sowie zu den Signalmustern der embryonalen Lungenentwicklung aufweisen, steht im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Konzeption. Auf dieser Basis sollen neue Behandlungskonzepte entwickelt und in experimentellen und klinischen Studien überprüft werden. Übergeordnetes Ziel ist es, Grundlagenforschung mit krankheits- und patientenorientierter Forschung zur Erarbeitung verbesserter diagnostischer und therapeutischer Konzepte bei lungenerkrankten Patienten zu verbinden.

AmbiProbe – Massenspektrometrische in-situ-Analytik für die Problembereiche Gesundheit, Umwelt, Klima und Sicherheit
Justus-Liebig-Universität Gießen (Antragsteller), Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Mitantragsteller), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg und Gesellschaft für Schwerionenforschung Darmstadt (beide assoziiert)

„Ich bin hocherfreut, dass es gelungen ist, einen Hochtechnologieschwerpunkt für chemische Nachweismethoden in den Lebenswissenschaften an der JLU anzusiedeln“, betonte der Sprecher des neuen Schwerpunkts, Prof. Dr. Bernhard Spengler. „Die Förderung des LOEWE-Schwerpunktes AmbiProbe ist ein Meilenstein für den Ausbau lebenswissenschaftlicher Forschung an der JLU. Die Universität erringt damit ein internationales Alleinstellungsmerkmal in der Analytischen Chemie und Methodenentwicklung. Damit sind hervorragende Grundlagen geschaffen für die geplante Ansiedelung eines Fraunhofer-Institutes für Insektenbiotechnologie in Gießen, für die nächste Antragsrunde im Exzellenzprogramm des Bundes sowie für den Aufbau eines lebenswissenschaftlichen Sonderforschungsbereiches“.

Die JLU verfügt über ein hohes Potenzial auf dem Gebiet der Entwicklung analytischer Techniken, Instrumente und Methoden, das im Rahmen einer Schwerpunktbildung gebündelt und ausgebaut werden soll. Die Projektleiter sind Prof. Dr. Bernhard Spengler (Sprecher), Dr. Zoltan Takats, Dr. Klaus-Peter Hinz, Dr. Andreas Römpp, Dr. Bernd Commerscheidt, Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, PD Dr. Rolf-Alexander Düring, Dr. Wolfgang Plaß (alle JLU), Prof. Christoph Scheidenberger (JLU/GSI Darmstadt), Prof. Dr. Michael Karas (Frankfurt) und Prof. Dr. Wolf Dieter Lehmann (DKFZ Heidelberg).

Mit „AmbiProbe“ soll ein Hochtechnologieschwerpunkt zur Entwicklung von chemischen Nachweismethoden und Geräten für die Bereiche Gesundheit, Umwelt, Klima und Sicherheit (GUKS) entstehen. Diese Geräte und Methoden werden miniaturisiert, mobil und unmittelbar vor Ort einsetzbar sein. Als selbständige Einheit soll dieser Schwerpunkt neue, dringend benötigte Verfahren entwickeln, die sich an aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen der allgemeinen chemischen Sicherheit orientieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf analytisch-chemischer Grundlagenforschung.

Im GUKS-Bereich sind vor Ort neue Methoden erforderlich, die sich nicht auf teils schwerfällige Labor- und Probengewinnungsverfahren stützen müssen. Dies bedingt einerseits geringe Abmessungen, geringes Gewicht und weitgehende Infrastrukturunabhängigkeit der einzusetzenden technischen Systeme. Solche sogenannten in-situ-Methoden sollen entwickelt werden für verschiedene Anwendungsfelder, wie die Identifizierung von Mykotoxinen (Pilzgiften) auf Pflanzen, in Lebensmitteln und In­nenraum-Aerosolen, die automatisierte Erkennung unterschiedlicher Körpergewebe während eines chirurgischen Eingriffes, für den Nachweis und die Zurückverfolgung von Umweltgift-Einträgen, für den Bereich der Terrorabwehr an Flughäfen oder die Aufklärung molekularbiologischer Kommunikationssysteme und chemischer Abbauprodukte (Biomarker und Metabolite). Hierzu sind mobile Analysemethoden zu entwickeln.

Weitere Informationen www.hmwk.hessen.de.