Pressemitteilung der Stadt Gießen

Der Spagat zwischen künstlerischem Anspruch auf der einen und der unternehmerischen Weiterentwicklung auf der anderen Seite stellt für Kulturunternehmen und freie Künstler eine echte Herausforderung dar.
Kunst und Kultur sind nicht allein als „weicher Standortfaktor“ von wirtschaftlicher Bedeutung. Im 2. Hessischen Kulturwirtschaftsbericht „Kultursponsoring und Mäzenatentum in Hessen“ heißt es: „Zählt man alle öffentlichen, privatwirtschaftlichen und gemeinnützigen Aktivitäten insgesamt zusammen, so erzielt der Kultursektor im weiteren Sinne pro Jahr eine Wertschöpfung von deutlich über 30 Mrd. Euro.“ Wirtschaftliches und strategisches Handeln gehören heute zum Alltag der Unternehmen in der Kunst- und Kulturwirtschaft.

Im Dezember 2007 startete in Gießen unter Federführung des RKW Hessen ein vierter Projektdurchlauf, der darauf abzielt, Unternehmen und freiberuflich Tätige aus der Kulturwirtschaft zusammenzubringen und umfassend und nachhaltig zu unterstützen. Verschiedene Aspekte der Unternehmensführung werden analysiert, diskutiert und in konkrete Maßnahmen überführt. Gemeinsam mit der bona fide GmbH aus Kassel und dem büro:abel Unternehmensberatung aus Essen entwickelte die RKW ein Konzept, das auf drei Säulen basiert:

  • Eine fundierte Analyse beleuchtet die wirtschaftliche Situation des Unternehmens oder der Institution.
  • Im individuellen Einzelcoaching werden gezielt die Themen bearbeitet, die den Erfolg der Unternehmen unterstützen und langfristig sichern.
  • In Workshops werden sowohl betriebswirtschaftliche als auch marketingstrategische Grundlagen praxisnah vermittelt.

Neben der Förderung durch das Land Hessen und den Europäischen Sozialfonds hat zudem die Wirtschaftsförderung der Stadt Gießen erheblich zum Projektstart in Gießen beigetragen. So kommen 11 der 13 teilnehmenden Kulturschaffenden aus der Stadt Gießen.
Die am Projekt beteiligten Unternehmen und Institutionen kommen u.a. aus folgenden Bereichen: Veranstaltungsmanagement, soziokulturelle Zentren, Kindertheater, Mediengestaltung, Illustration, bildende Kunst, Konzeptkunst, interkulturelles Begegnungs- und Bildungszentrum

Oliver Behnecke (Stadt Raum Inszenierung, Gießen) kommentiert: „Im Rahmen der Workshops werden ökonomische Modelle und Rahmenbedingungen dargestellt, die auch im Kunstbetrieb eine hohe Relevanz haben. Für mich ist die Verzahnung mit dem Einzelcoaching sehr effektiv, gerade weil hier die Fragen gestellt werden, deren Beantwortung manchmal weh tut, die mich aber sehr viel weiterbringen.“

Die Abschlussveranstaltung am 9. Juli 2008 im Zentrum für Interkulturelle Bildung und Begegnung erbrachte jede Menge positives Feed-Back. Seitens der RKW wird daran gedacht, die Maßnahme zum Kulturcoaching fortzuführen und Folgeprojekte zu erarbeiten. Die Kulturwirtschaft in Gießen zu stärken und nachhaltig zu unterstützen, ist auch Anliegen eines weiteren Projekts der Stadt Gießen: So erarbeiten derzeit unter Federführung des Kulturdezernats das Kulturamt, die Wirtschaftsförderung und die Stadtplanung gemeinsam mit Kulturschaffenden an einem Konzept zur Entwicklung einer „Kümmerei“ als Keimzelle eines zukünftigen Kulturgewerbehofes in Gießen.
Bei Interesse an Folgeprojekten des Kultur-Coaching können sich Kulturschaffende aus allen Bereichen bei der städtischen Wirtschaftsförderung melden. Kontakt: Petra Stuhlmann, Tel. 0641 306-1060, pstuhlmann@giessen.de