Sie haben ein "Knöllchen" an der Windschutzscheibe vorgefunden? Das Ordnungsamt schreibt Ihnen, dass Sie statt der erlaubten 30 km/h mit 42 km/h unterwegs waren? Ist das auch für Sie - wie für viele andere Verkehrsteilnehmer - ein absolut "rotes Tuch" und Grund, mal wieder so richtig sauer auf die Stadtverwaltung zu sein?

Bei allem durchaus verständlichen Ärger gilt: Die Stadt Gießen saniert mit den Verwarnungsgeldern keinesfalls ihren Haushalt. Nach Abzug der Personal- und Sachkosten bleibt nur ein relativ kleiner Betrag übrig, der in die allgemeinen Deckungsmittel einfließt.

Nun kann man fragen, warum der ganze Aufwand denn überhaupt getrieben wird. Die Antwort ist einfach: Es geht vor allen Dingen um die Verkehrssicherheit.

Wenn z. B.

  • auf dem Gehweg so geparkt wird, dass kein Fußgänger mehr passieren kann,
  • Zebrastreifen gnadenlos zugeparkt werden,
  • Dauerparker die knappen Flächen in der Innenstadt blockieren,
  • man im Selterweg mal wieder den Eindruck hat, dass der Begriff "Fußgängerzone" vielleicht doch etwas weit hergeholt ist,
  • selbst Rettungswege so zugestellt werden, dass im Notfall keine Hilfe mehr durchkommt,
  • in Wohngebieten oder im Bereich von Schulen und Kindergärten immer wieder die zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer vorgeschriebene Geschwindigkeit überschritten wird,

hilft nur noch eine Geldbuße oder eine Verwarnung.

Grundsätzlich sollten Sie im Fall eines "Knöllchens" ruhig bleiben und erst einmal Luft holen. Dann sollten Sie
wissen, dass das Verwarnungsgeldverfahren von Anfang an automatisch abläuft. Am besten warten Sie einfach, bis Sie Post vom Ordnungsamt oder (bei höheren Geldbußen) vom Regierungspräsidium Kassel bekommen. In diesem Schreiben finden Sie alles, was Sie für Ihre weiteren Schritte brauchen: Aktenzeichen, Sachbearbeiter, Tatvorwurf, Zeugen etc.

Bei Post vom Ordnungsamt handelt es sich immer um ein sogenanntes Verwarnungsgeldangebot. Wenn Sie dieses Angebot annehmen und das Verwarnungsgeld bezahlen, ist die Angelegenheit für Sie erledigt. Stimmen Sie dem Angebot nicht zu, kann ohne weitere Befassung mit der Sache an sich ein Bußgeldbescheid erlassen werden, der dann in der Regel deutlich teurer ist als das eigentliche Verwarnungsgeld. Der weitaus überwiegende Teil der Verfahren wird übrigens ohne Einsprüche akzeptiert und bezahlt wird. Von gerichtsanhängigen Verfahren geht nur ein äußerst geringer Anteil (< 3%) zugunsten der klagenden Verkehrsteilnehmer aus. Dies zeigt, dass das Ordnungsamt in aller Regel umsichtig und nachvollziehbar arbeitet.

Um noch ein weiteres Vorurteil auszuräumen: Unsere Ordnungspolizeibeamten erhalten im Gegensatz zur landläufigen Meinung keine Prämien. Sie erledigen ihre nicht immer angenehme Arbeit wie die meisten von uns. Und wie bei den meisten Jobs gilt auch hier: Mit ein wenig gegenseitigem Verständnis und einem Lächeln geht vieles leichter.