Bericht von Manuel Krawutschke

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Gießener Liebig-Stipendiat 2005/2006, Studiengang Pflanzenproduktion

"Das Ende des Sommersemesters naht und somit auch das des Liebig-Stipendiums 2005/06. Folglich wird es Zeit ein paar Worte über meine Erfahrungen an der Justus-Liebig-Universität und der Stadt Gießen zu verlieren.

Mein Interesse an der Landwirtschaft begann bereits während der Schulzeit. So besuchte ich das Berufliche Gymnasium der Fachrichtung Agrarwirtschaft an der Max-Eyth-Schule in Alsfeld, um die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Hier konnte ich mich erstmals etwas intensiver mit agrarwirtschaftlichen Inhalten auseinander setzen und eine gute Basis für das Studium schaffen. Sehr hilfsreich, insbesondere zur Bewältigung des Chemie-Praktikums im ersten Semester, war die Wahl des Leistungskurses Chemie. Ebenso vorteilhaft für das Studium erwies sich neben der Ableistung des erforderlichen Praktikums auch das Arbeiten auf einem verwandtschaftlichen landwirtschaftlichen Betrieb. Die praktischen Kenntnisse können so verbessert werden und das Verständnis in den ersten Semestern des Studiums wird erleichtert. Daneben bereitet mir das Arbeiten in der Landwirtschaft sehr viel Freunde. In letzter Zeit war dies jedoch nicht mehr so möglich, da das Studium in höheren Semestern doch mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Nach der Ableistung des Grundwehrdienstes wollte ich eigentlich eine Ausbildung zum Landwirt machen, die ich jedoch aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen habe. Schließlich entschied ich mich Agrarwissenschaften zu studieren, was ich nach der Lehre sowieso vor hatte. Meine erste Wahl fiel auf Witzenhausen, da mein Interesse der ökologischen Wirtschaftsweise galt. Schließlich entschloss ich mich doch für Gießen, da mir hier meine abgebrochene Lehre als Praktikum anerkannt wurde und die Entfernung nicht so weit war. So begann ich im Wintersemester 2001/02 den Diplom-Studiengang an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Nach dem Vordiplom I entschloss ich mich im Zuge der Umstellung auf die Bachelor- und Master-Studiengänge den Studiengang zu wechseln. Durch die am Ende jeden Semesters stattfindenden Modulprüfungen wird die Studienleistung kontinuierlich abgeprüft, was mir persönlich besser zusagte, als die sehr umfangreichen Vordiploms- bzw. Diplomsprüfungen. Da die Prüfungsphase jedoch auf 2 Wochen begrenzt ist, muss schon frühzeitig mit der Prüfungsvorbereitung begonnen werden. Aus meiner eigenen Erfahrung bewährt sich eine entsprechende Nachbereitung der Module möglichst zeitnah zur Lehrveranstaltung, was sich aber nicht in jedem Fall, aus welchen Gründen auch immer realisieren lässt. Ansonsten kann es kurz vor den Prüfungen ganz schön stressig werden oder ein Teil des Prüfungsstoffes bleibt auf der Strecke. Für einen Wechsel sprach ebenfalls das größere Angebot an Wahlmöglichkeiten gegenüber dem Diplom-Studiengang. Zu kritisieren habe ich lediglich die teilweise inhaltlichen Überschneidungen bzw. Wiederholungen bei gewissen Modulen, die sich jedoch durch die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Studenten, insbes. im Master-Studiengang nicht ganz vermeiden lassen, so dass hier noch Verbesserungsbedarf besteht.

Im Master-Studiengang habe ich mich für die Studienrichtung Pflanzenproduktion entschieden, da ich bereits im Bachelor-Studiengang schwerpunktmäßig Module mit pflanzenbaulichen Inhalten gewählt hatte und meine Interessen vor allem in diesem Bereich liegen. Durch das modulasierte Studium ist es aber auch möglich, dass man einzelne Module anderer Studienrichtungen wählen kann, um somit sein Profil zu erweitern. Diese Möglichkeit habe ich auch genutzt.

Die Universitätsstadt Gießen selbst ist zwar nicht die größte und schönste Stadt, aber genügend Möglichkeiten bieten sich auch hier. Durch das Semesterticket ist eine gute Mobilität nicht nur innerhalb von Gießen, sondern auch in die Umgebung von Gießen gewährleistet. Die Taktung einiger Buslinien könnte jedoch etwas geringer sein sowie die Verbindung zwischen den Universitätsgebäuden.

Im Sommersemester absolvierte ich ein Erasmus-Auslandssemester an der Universität für Bodenkultur in Wien. Bereits wenige Tage nach der letzten Modulprüfung des Wintersemesters ging es los. Dies war für mich kein Problem, da ich im vorhinein keinen Sprachkurs besuchen musste. Am 1. und 2. März fanden schon die „Welcome Days“ statt. Diese Einführungs- und Orientierungsveranstaltung war sehr gut organisiert. Neben einer Universitätsführung gab es auch eine Führung durch die Innenstadt von Wien, so dass ich mich hier recht schnell zurechtgefunden habe. Des weiteren wurde für Erasmusstudenten ein Stammtisch angeboten, um sich untereinander in angenehmer Umgebung besser kennenzulernen. Hier traf ich auch auf ein paar deutsche Studenten.

Besonders gut gefallen hat mir hier das größere Angebot an Exkursionen sowie das breitere Spektrum an Lehrveranstaltungen. Weiterhin werden vertiefende Lehrveranstaltungen angeboten, die ich an der JLU ein wenig vermisse. Schwierig ist hier vor allem das Zusammenstellen des Stundenplans, da es häufig terminliche Überschneidungen mit anderen Lehrveranstaltungen gibt. Dies kommt daher, da die Lehrveranstaltungen zum einen wöchentlich stattfinden, wie in Gießen, zum anderen aber auch als Blockveranstaltungen in unterschiedlicher Weise angeboten werden oder es werden individuell Termine mit den Studenten abgesprochen. Im Vergleich zu Gießen bekommt man hier jedoch nicht für jede Lehrveranstaltung 6 ECTS-Credits. An der BOKU werden die Lehrveranstaltungen meistens in einem Umfang von 2 oder 3 Semesterwochenstunden angeboten, so dass die ECTS-Credits entsprechend den Semesterwochenstunden ausgewiesen werden.

Die Zeit in Wien nutzte ich für das Literaturstudium für meine bevorstehende Masterarbeit sowie den Besuch einiger interessanter Lehrveranstaltungen. Dies war eine gute Möglichkeit, um meine Kenntnisse im Bereich Öko-Landbau, Nachwachsende Rohstoffe, Unkrautbiologie und Bodenkunde zu vertiefen.

Für den Studienaufenthalt in Wien war das Stipendium sehr hilfreich und hat vieles erleichtert, da über den Erasmuszuschuss nur ein sehr geringer Anteil der anfallenden Kosten gedeckt werden kann. So war die Miete für die nicht ganz billige Wohnung sowie der Preis der ICE-Fahrkarte für die gelegentlichen Heimfahrten kein Problem.

Wenige Tage vor dem Beginn meines Aufenthaltes in Wien war ich noch sehr skeptisch, ob es die richtige Entscheidung war, ein Auslandssemester zu absolvieren. Im Nachhinein bin ich jedoch sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Es war eine sehr erfahrungs- und abwechslungsreiche Zeit und ich halte es für sehr empfehlenswert einmal, wenn auch nur für ein Semester, während des Studiums im Ausland gewesen zu sein.

Zur Zeit schreibe ich meine Masterarbeit an der Professur für Organischen Landbau, wo ich bereits meine Bachelorarbeit angefertigt habe und hoffe, dass ich zu Beginn des neuen Jahres mein Studium erfolgreich beenden kann. Hier hatte ich auch schon die Möglichkeit für kurze Zeit als studentische Hilfskraft zu arbeiten und konnte so einen besseren Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten bekommen.

Zum Abschluss möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich noch einmal bei der Auswahlkommission zu bedanken, dass sie mich als Stipendiat ausgewählt haben. Ich hätte ja nie gedacht, das ich einmal für dieses Stipendium in Frage komme würde. Erst als mir im Juni letzten Jahres vom Dekanat des Fachbereiches mitgeteilt worden ist, dass ich für das Liebig-Stipendium vorgeschlagen worden bin, habe ich mir Hoffungen gemacht. Als im August dann die Zusage über das Gießener Liebig-Stipendium erhalten habe, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Für diese Auszeichnung möchte ich mich noch einmal recht herzlich bedanken."

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