Barbara Heinisch - Malerei als Ereignis

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Ausstellung im Oberhessischen Museum, Altes Schloß
vom 04.05. bis 03.06.2007

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nimmt das dröhnende Motorengeräusch des Tempowahnsinns zu. Darauf reagieren auch Kunst und Künstler, in dem sie eine Dynamisierung des Bildaufbaues, aber auch des Entstehungsprozesses anstreben. Die passive Kontemplation der Betrachter ist schon lange gestört. Seit den Happenings, seit Fluxus und Performance wird er aufgeschreckt.

Die Malereiaktionen aus Tanz, Silhouette des Modells, Farbe und Leinwand von Barbara Heinisch schaffen Metamorphosen in dem Moment des Tuns zur neuen Gültigkeit einer bildnerischen Festigkeit. Das Problem der Zeit im Bild wird neu beantwortet. Es wird keine fremde Geschichte nacherzählt. Künstlerin, Malvorgang, Raum und Zeit werden eins. Das Malen ist die Wirklichkeit, der eigentliche Akt, der Vorgang.

Vor allem der Futurismus (zwischen 1909-1916) bekannte sich zur Technikgläubigkeit und schuf in Italien eine der radikalsten künstlerisch-literarischen Umwälzungen. Gino Severini, Giacomo Balla, Umberto Boccioni überzeugten durch phasenhaft wiederholte, vibrierende Konturen und Formveränderungen. Umberto Boccioni malte die "Dynamik eines Fußballspielers" 1913. Solche Bilder schlagen die Brücke über Dadaismus in die Aktionskunst. Auf dieser Linie hat der US-Amerikaner Jackson Pollock (1912-1956) seine besondere Position durch sein Farbdripping. In Deutschland waren es die Künstler des Informel nach 1945 und unter ihnen Karl Otto Götz (geb. 1914) mit seinen verwirbelten Farbstrukturen. Pollock und Götz malten ihre Bilder auf den Boden, erzielten psychische Entäußerungen und neue Wahrnehmungscodes aus der Malerei als Ereignis und Zeitablauf. Der Franzose Yves Klein (1928-1962) schuf Bilder durch nackte Frauen, die er bei den Körpereinfärbungen und den Körperabdrucken auf Leinwand dirigierte; sie waren Werkzeug. Die Österreicherin Maria Lassning (geb. 1919) schuf Bilder, die sich als Körpergefühlsbilder aus der psychologischen Situation ihrer selbst herleiten. In diesem internationalen Rahmen von Aktionsmalerei ist Barbara Heinischs Werk zu sehen und zu bewerten.

Barbara Heinischs Aktionen sind seit Jahrzehnten bekannte, viel diskutierte und zeitgemäße Äußerungen innerhalb des Beschleunigungsprozesses, der den Lebensalltag, die Künste und den Malvorgang selbst ergriffen hat. Gleichzeitig strebt sie in ihren Aktionen dem Gegenüber, dem Du zu. Ihr Beitrag aus der Kombination von Malerei, Musik und Performance im Dialog mit dem Modell ist einzig, bewegtes Bild – bewegend.

Friedhelm Häring

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
zum Preis von 15 €, mit DVD 30 €

Bestellungen unter museum@giessen.de
Preis zzgl. Versandkosten

Barbara Heinisch - Plakatbild
Feuervogel II
Tempera auf Nessel, 2006
195 x 165 cm
 
 
Tanz die Spirale VII

Tanz die Spirale VII
Tempera auf Nessel, 2005
185 x 145 cm (mit DVD)

 
 
Barbara Heinisch bei der Arbeit
Fotografie von Gerhard Charles Rump
Genese eines Gemäldes, entstanden im Atelier von Frau Heinisch am 12.08.2006
 

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