Dalip Kryeziu - Zwischen Alltag und Zeitlosigkeit

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Ausstellung im Oberhessischen Museum
vom 03.11. bis  30.12.2006

Dalip Kryeziu gestaltet in seiner Malerei zwei Temperamente. Es ist das schnelle Erfassen des beschleunigten Alltags und der Dinge, die er sieht und erkennt. Dies hält er auf Zeichenblöcken und Notizblättern fest. Auf der anderen Seite wählt er Momente der Stille und Ruhe in seinen großen Kopfbildern. In manchen Bildern durchdringen sich beide Anteile. Hinzu treten Reliefs und Plastiken, die ähnlichen Kriterien folgen.
Das Schnelllebige ist ein Charakteristikum unserer Zeit. Wir faxen und mailen und schreien nach Rekorden, dem Hype, dem Kick im globalen Dorf. Die Aktienkurse und der Herzschlag schnellen in die Höhe. Das dröhnende Motorengeräusch dieses Tempowahnsinns bestimmt ein entscheidendes Segment im künstlerischen Tun. Dalip hat dieses hektische Heute eingefangen, bindet im Bild die Positionen der Sequenzen des Ablaufes. Er ist Teil dieses Mechanismus, ist ständig unterwegs. Sein Speed, die Power, die Beschleunigung sieht man in den Zeichnungen, die er zu Hunderten dem schnellen Tag abfängt. Er kreidet und fesselt durch Farbe und klebt und collagiert das Bild aus vielen Teilen verlorener Zeit und gefundener Momente der Erinnerung, wie ein Patchwork. Aus seinen Kombinationen steigt etwas Neues auf. In der Verbindung aus seinen groß gesehenen Köpfen und diesem lebendigen Anteil zuckt und vibriert es. In der Grundstimmung des Farbklangs findet das Gesamt seine Deutung.

Neben diesen Köpfen mit extrovertierten, pulsierenden, aufleuchtenden Rhythmen existiert im Werk Dalips gleichzeitig die Stille. Diese Köpfe sind, ikonenähnlich, unberührt vom Alltag. In ihnen ist ein Unvergängliches dargestellt. Die Bilder sind der Sonnengesang, Erinnerung an den Schöpfungstraum. Ihre blauen, roten, grünen, gelben Dominanzfarben wirken wie Jahreszeiten. Es sind entschleunigte Werke, groß und andächtig. In ihnen reflektiert der Künstler Grundpositionen des Lebendigen. Auch die meditativen Köpfe besitzen, trotz ihrer formalen Strenge und großflächigen Farbgebung, besondere Aussagevielfalt. Der Kopf wird Symbol und Zeichen der menschlichen Existenz.
Mit den "Tagebüchern" und den "Köpfen" schöpft Dalip die Pole der Welt aus. Die Notizen sind in der Zeit, die Köpfe sind aus der Zeit, ein Dialog zwischen Alltag und Zeitlosigkeit, von eindringlicher Kraft und voller Präsenz.

Friedhelm Häring

 

Biografie Dalip Kryeziu

1964 geboren in Bubavec / Kosovo

1974 Dalip entdeckt sein Interesse für Malerei und experimentiert in den folgenden Jahren mit verschiedenen Materialien und Stilrichtungen

1986 Pädagogische Akademie in Gjakova / Kosovo

1988 Englische Universität in Prishtina

1989 Aufenthalt in Österreich; er beschließt zu bleiben.

1995 Erste Ausstellung in Österreich, weitere Einzel- und Gruppenausstellungen folgen in Italien, der Schweiz und Deutschland

Vertreten in Privatsammlungen und Museum der Moderne - Salzburg, Oberhessisches Museum - Gießen, Allianz, Deutsche Bank, Credit Suisse, u. a.

 

Plakatbild
Serie Oda
Mischtechnik auf Leinwand
180 x 160 cm, 2005
 
 
ohne Titel

ohne Titel
Mischtechnik auf Leinwand
160 x 170 cm, 2006

 
 
Dalip, ohne Titel

ohne Titel
Mischtechnik auf Leinwand
150 x 160 cm, 2006

 
 
ohne Titel

ohne Titel
Mischtechnik auf Leinwand
160 x 170 cm, 2006

 
 

Dalip Kryeziu: Skizzencollage

Skizzencollage
Mischtechnik auf Papier
Skizzen aus 2005/2006

 

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