Philosophenwald und Wieseck-Aue

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Der Philosophenwald mit der angrenzenden Wieseck-Aue in Gießen ist als Lebensraum für Fledermäuse einzigartig und europaweit bedeutsam. Bis 1992 war der Bereich bei den Fledermauskundlern ein unbeschriebenes Blatt. Es war zwar bekannt, dass am Schwanenteich Fledermäuse vorkommen, aber über die Artenzusammensetzung konnte nur spekuliert werden. Im April 1992 wurden vom Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität erste Untersuchungen zum Vorkommen von Fledermäusen im Philosophenwald unternommen. Durch sein großes Angebot an Baumhöhlen stellt der Wald für Fledermäuse eine gute Grundlage für eine dichte Besiedlung dar. Bei einer Kartierung wurden der Große und Kleine Abendsegler und die Wasserfledermaus nachgewiesen.

Am häufigsten tritt der Große Abendsegler auf. Er nutzt den Wald ganzjährig als Quartiergebiet. Im Winter existiert hier die größte bekannte Überwinterungspopulation in ganz Hessen. Demnach ist der Wald auch als Quartier für die über die Region hinaus vorkommenden Großen Abendsegler von herausragender Bedeutung. Im Philosophenwald wurde der erste Fortpflanzungsnachweis für Hessen erbracht.
Der Kleine Abendsegler und die Wasserfledermaus nutzen den Philosophenwald mindestens von März bis November als Quartier. Als Jagdgebiet ist er vor allem für den Kleinen Abendsegler bedeutsam.

Da der Philosophenwald als Naherholungsgebiet genutzt wird, muss die Verkehrssicherheit für die sich dort aufhaltenden Menschen gewährleistet werden. Aus dieser Perspektive stellen gerade die Bäume mit Höhlen eine Gefahr dar, weil deren Stabilität vermindert ist. So ist es teilweise unvermeidbar, solche Bäume zu entfernen. Das bedingt jedoch eine Reduzierung des Lebensraumes für die Fledermäuse. Damit sowohl die Belange des Artenschutzes als auch die der Erholungsuchenden berücksichtigt werden können, wurde ein Pflegekonzept erarbeitet, das einen naturverträglichen Kompromiss zum Ziel hat.