Ausstellung René Halkett vom 7. Juli - 27. August 2006

Außerhalb dieser Welt

Die Biografie von René Halkett, Albrecht Georg Friedrich Freiherr von Fritsch, zeigt Brüche und Sprünge. Die künstlerische Handschrift verdeutlicht Wechsel und Experiment. Dies ist die besondere Qualität des Regisseurs, Schriftstellers, Malers, Tänzers und Grafikers. Er war eine Persönlichkeit mit vielfachen, teils extremen Prägungen. Als Sohn eines adligen Kammerherrn 1900 in Weimar geboren, musste er mit 14 Jahren auf die Kadettenschule in Naumburg. 1917 steht er im Stellungskrieg in Flandern. Danach führt ihn eine Reise nach Java. 1922 ist er Gärtner auf dem Gut seiner Großeltern in Biebertal bei Gießen, wird Ehemann und Vater und dann Bauhaus-Schüler in Weimar - Flucht oder Heimkehr? In den zweieinhalb Jahrzehnten seines Lebens durchlebt er den Niedergang der adlig-bürgerlichen Welt, die Krisen der Wirtschaft und den Bildweltwandel vom Jugendstil über Dada, vom Kubismus zu Konkret, von Abstraktion zum Surrealismus. Das nächste Jahrzehnt hält den Sumpf des Nationalsozialismus auch für ihn bereit. Er emigriert nach England.

Die Unruhen, das Lebendige und die Liebe haben ihn in der ersten Hälfte seines Lebens getrieben. Immer war er bereit zu lernen, neue visuelle Eindrücke zu sammeln, andersartige Lebensweisen zu überprüfen. In ihm war der Rausch des Abenteuers. Daraus verändert sich sein künstlerischer Stil von den kubisch-zergliederten, abstrakten Kompositionen, von Feininger angeregt, hin zu Darstellungsformen, die aus dem Unbewussten schöpfen. Es gibt in seinen Bildern Hinweise, dass sie frei von der geordneten Welt sind, unabhängig vom sprachgebundenen Denken und den logisch erfassbaren Anliegen der Welt. Aus diesem Hintergrund aber sind seine Arbeiten visionär. In dieser Qualität gleichen sie den Bildern von Edgar Jené (1904-1984), dem das Oberhessische Museum 1989 eine Ausstellung gewidmet hatte. Edgar Jené war Wegbereiter des Phantastischen Realismus in Wien. Vor allem in den Zeichnungen der Künstler ergeben sich starke Parallelen. Neben dem Visionären wecken sie das eigene Unterbewusstsein, rütteln auf, machen uns wachsam und sensibilisieren. René Halketts Bilder sind voll düster unheilvoller Ahnungen, wie sie jemand hat, der außerhalb dieser Welt lebt. Darin sind sie uns wesentlich und wichtig.

Friedhelm Häring 

René Halkett, Bild ohne Titel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

René Halkett
Ohne Titel
1938
Öl auf Presspappe
68,5 x 58,3 cm