Ausstellung Bodo Klös im Oberhessischen Museum vom 10.03 - 30.04.2006

Lustvoll – ein bisschen melancholisch!

In Bodo Klös lebt das versonnene Staunen vor einer toten Kröte, wie der wachverträumte Blick auf pralle Weiblichkeit. Ein Wurzelstück oder ein welkes Blatt sind ihm Anlass zur Betrachtung, zum Nachdenken und Zeichnen, auch die Figurinen der Zeiten im kuriosen Theater der Welt. Er relativiert die Dinge und Menschen, misst sie am Alltag, an seinem Leben. Er zeigt im Radieren und Zeichnen die Fesselung an die Geschlechtlichkeit und die Furcht vor dem Tod, den Lebensekel und die Lebensfreude.
Skepsis, Humor, Biss und Esprit teilt er mit den aufklärerischen Grafikern und Zeichnern seit Jaques Callot (1592–1635), Francisco de Goya (1746–1828) oder Honoré Daumier (1808–1879) und unter den heutigen mit Klaus Böttger, Erhard Göttlicher, Peter Sorge u. a. Sie alle sind satirische Moralisten, aber bei Bodo Klös mischt sich eine verhaltene Melancholie mit ein.
Den überbordenden Konsumismus unserer Tage sieht er mit Depression, denn die globalisierte Weltordnung ist die Geschäfts-(te)-ordnung geworden. Groteske Verzerrungen können da zwar die Wahrheit hervorheben, aber an der epidemischen Lähmung der Menschen und ihrer fragmentarischen Existenz zwischen Wirtschaftlichkeit und Arbeitslosigkeit ist wenig zu ändern. Das Leben ist ein masochistisches Vergnügen, ein Schattenboxen, eine Sisyphusarbeit – immer während und – vergeblich!
Die Kunst von Bodo Klös besitzt sozial engagiertes Profil, er durchdringt sie teils symbolisch und mit seinen Möglichkeiten der Poetisierung. Er zeigt nicht nur den Schattenkämpfer, sondern auch das Leben als eine Jonglage auf einem Einrad. In seinen Einzelblättern, Illustrationen, Büchern, Mappenwerken verdeutlicht er Alltag und das Heute, den Etikettenschwindel und die geheimen Freuden, die zärtlichen Tröstungen. Was seine Kunst sympathisch macht, ist, dass sie nicht distanziert, ironisch, sarkastisch ist, dass man vielmehr eine liebevolle Anteilnahme spürt.

Das Triviale, das Gewöhnliche, das Fragment sind Träger seiner sinnenhaften, sinnbildhaften Deutung. Damit erreicht er Unmittelbarkeit. Im ewigen Vorbei ist das Lebendige immer das Ausschnitthafte. In seinen Kalenderblättern werden die Menschen und Dinge zu Statisten und Requisiten. Bode Klös gibt ihnen eine neue Würde. Er verdeutlicht Lebenskonflikte und Lebensfreude sinnlich, sinnstiftend. Durch Aufbrüche und Verschmelzungen der Details, durch Weglassen und Addition, durch Perspektiveveränderungen - große Nähen und Umräumlichkeiten - gestaltet er die Menschenexistenz zu einem gewaltigen Tanz zwischen Tod und Tango, voyeuristischer Freude und Lebenslust. Jedes Blatt, das er bezeichnet, überzeichnet, bekratzt, ist ein Kalenderblatt vor dem jüngsten Tag. Da tröstet der frivole Reiz so mancher Dame, die mit laszivem Raffinement sich streckt und dehnt. Die Freude an schön geformter Nudität besitzt bei ihm eine selbstverständliche Großzügigkeit. Seine sensuellen Frauengestalten mit grazilem Linienspiel zeigen in einer Welt ohne erotische Tabus vor allem sein Frauenlob – seine Liebe – lustvoll.

Friedhelm Häring