Bericht von Regina Reimer

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Gießener Liebig-Stipendiatin 2004/2005, Studiengang Pflanzenproduktion

"Mein Studium in Gießen

In Gießen wohne ich seit September 1998. Ich habe im August des Jahres meine Ausbildung zur landwirtschaftlich technischen Assistentin (LTA) hier an der Universität begonnen. Mein Interesse galt schon zu Schulzeiten der Biologie und darin besonders den Pflanzen. Der inhaltliche Schwerpunkt der Ausbildung lag in der Pflanzenproduktion, so dass sich ein Studium der Agrarwissenschaften im Anschluss sehr gut anbot. Zum Studium bin ich dann auch in Gießen geblieben, weil ich mich in den zwei Jahren der Ausbildung gut eingelebt, viele liebe Freunde gefunden und auch die Universität bereits von innen kennen gelernt hatte. Das Studium war geprägt von einem vielfältigen, abwechslungsreichen Vorlesungsangebot. Der Hauptteil des Grundstudiums fand zusammen mit Studenten anderer Studiengänge in großen Gruppen statt. Ganz anders war es im Hauptstudium. Obwohl es schade ist, dass es wenige Studenten in diesem Studiengang gibt, waren die Vorlesungen in kleinen Gruppen sehr angenehm. Besonders die Umstellung auf das Bachelor- und Master-System kam mir und meinem Lernrhythmus sehr zu Gute. Eine gleich anschließende Modulprüfung am Ende des Semesters sorgte für eine angenehme Kontinuität. Meiner Entscheidung zu wechseln hab ich letzten Endes auch das Stipendium zu verdanken. Aber neben den Vorlesungen und der Lernerei konnte ich auch das studentische Leben z.B. am Agrarstammtisch genießen.

Im August letzten Jahres hielt ich einen Brief der Stadt Gießen in den Händen, in dem stand, mir sei das Gießener Liebig-Stipendium zugesprochen worden. Ein Lächeln trat in mein Gesicht, denn ich erinnerte mich, dass Herr Prof. Dr. Sven Schubert mir vor längerer Zeit sagte, er habe mich für ein Stipendium vorgeschlagen. Ich hatte schon nicht mehr mit einer Zusage gerechnet. Umso größer war die Freude, als der Brief kam. Als nächstes freute ich mich über eine Einladung zur Verleihung der Stipendien-Urkunde. Die Übergabe fand in einem angenehmen feierlichen Rahmen statt, so dass ich die Gelegenheit bekam, die zweite Stipendiatin des Jahres Nicole Schichtel und auch die Stipendiaten des Vorjahres kennen zu lernen. Zwei Redakteure der hier ansässigen Tageszeitungen waren auch anwesend und haben nachfolgend von der Verleihung berichtet. In dieser Berichterstattung sehe ich die Chance, auf den Studiengang aufmerksam zu machen, so dass die Studentenzahlen steigen und der Agrarstandort Gießen langfristig erhalten bleiben kann.

Ein solches Stipendium ist eine tolle Sache, denn man merkt, dass es sich noch lohnt Ehrgeiz und Engagement zu zeigen. Ich fühlte in diesem Moment und auch das ganze Jahr über die Bestätigung, dass sich die Mühen und auch einige Nachtschichten vor den Prüfungen gelohnt haben. Außerdem ist ein Stipendium eine sehr gute Motivation den zukünftigen Weg ehrgeizig weiterzuführen und ich denke, es ist ein bemerkenswertes Detail im Lebenslauf. Es ermöglichte mir, mich in diesem Jahr voll auf mein Studium zu konzentrieren, denn ich brauchte während der Prüfungsphasen keinen Nebenjob auszuüben. Als eigentliche Bibliotheksgängerin bemerkte ich irgendwann, dass einige ausgeliehene Prüfungsliteratur immer wieder dieselbe war. Da kam dann schon der Wunsch auf, diese Bücher mal zu kaufen. Mit dem Stipendium war es mir dann möglich, mir diese Bücherwünsche zu erfüllen.

Während eines Hochschulstudiums sollte man, meiner Meinung nach, mindestens einmal im Ausland gewesen sein und so plante ich schon länger ein Auslandssemester als Erasmus-Sokrates Studentin zu machen. Dieses Vorhaben führte mich nach Zürich, in die Schweiz, um dort meine Abschlussarbeit zum Master of Science an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) zu schreiben. Dieses Stipendium ermöglichte mir den Aufenthalt in der Schweiz, denn die finanziellen Voraussetzungen für einen längeren Aufenthalt sind sehr hoch eingestuft. Ich verließ Gießen mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn ich wusste nicht, was und wer mich in Zürich erwartete. Ich würde meine besten Freunde und auch meinen Freund einige Zeit nicht sehen können, aber im Hinterkopf hatte ich die Gewissheit, jederzeit nach Gießen zurückkommen zu können, denn ich musste mein WG-Zimmer hier in Gießen nicht aufgeben. In Zürich habe ich dann sehr liebe Menschen kennen gelernt und konnte meinen Horizont erweitern. Ich erhielt einen guten Einblick in die Arbeitsgewohnheiten anderer Institute einer anderen Universität und konnte wichtige berufliche Kontakte knüpfen. Die Internationalität der ETH gefiel mir, denn ich konnte gleichzeitig meine Englischkenntnisse etwas auffrischen. An dieser Stelle auch ein großes Lob an die Universität Gießen, die mit dem neuen Studienfach "Agrobiotechnology" einen weiteren Schritt zur Internationalität geht.

Ich lernte aber nicht nur die ETH kennen, sondern auch die Stadt, die Zürcher, ihre Lebensgewohnheiten und ein bisschen ihrer Sprache.

Da ich auch einige Gießener in Zürich traf, die kein Stipendium hatten, bemerkte ich anhand ihrer Aussagen über die Problematik als Deutscher dort Fuß zu fassen, dass es mir doch um einiges leichter erging. Das merkte ich besonders, wenn ich mal spontan nach Gießen kommen wollte oder musste, denn ich brauchte mir über die teure Zugfahrt nur wenig Gedanken zu machen. Es war ein schönes Gefühl jederzeit fahren zu können. Das Stipendium hat mir auch bei der Entscheidung geholfen, eine Promotion zu beginnen, denn es hat mir gezeigt, dass ich bereits etwas in meinem Leben erreicht habe und noch einiges erreichen kann.

Wo auch immer es mich in Zukunft hin verschlägt, in Gießen habe mich die sieben Jahre immer sehr wohlgefühlt und ich würde jederzeit wieder hier studieren.

Ich wünsche den nächsten Stipendiaten ähnlich gute Erfahrungen in ihrem Studium und mit ihrem Stipendium und ich hoffe, sie können die sich eröffnenden Chancen genauso erfolgreich nutzen wie es mir möglich war.

DANKE!

Gießen, den 10.10. 2005"