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Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, genannt COPD, ist eine der großen Volkskrankheiten. Über 4,5 Millionen Patienten in Deutschland leiden darunter. Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten werden in Deutschland zwischen fünf und sechs Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Eine große Herausforderung bei der Inhalationsbehandlung stellt die mangelnde Therapietreue der Patienten dar, die es oft nicht schaffen, den Therapieplan in ihren Tagesablauf zu integrieren. Dies brachte ein Forscherteam dazu, über alternative Wege nachzudenken und ein Therapiekonzept für die Nacht zu erfinden.
Die Thora Tech GmbH aus Gießen und die Activoris Medizintechnik GmbH aus Gemünden (Wohra) gaben heute bekannt, dass dieses nächtliche Therapiekonzept nun in Kooperation mit der Philipps Universität Marburg zu einem innovativen Medizinprodukt entwickelt wird. Einer der Marktführer für Beatmungssysteme, Löwenstein Medical Technology konnte ebenso für das Projekt gewonnen werden. Als assoziierter Partner des Projektes ist der Homecare-Spezialist aus Hamburg bereits heute interessiert an einer Vermarktung des innovativen Ansatzes. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hielt diesen disruptiven Therapieansatz für förderungswürdig und unterstützt die Investition in die innovative Technologie mit insgesamt 930.000 EUR.

Ziel des Projektes ist es, einen Demonstrator zu entwickeln, der in Kombination mit einem Beatmungsgerät ein Sole-Aerosol für den schlafenden Patienten vernebelt. Dieser Demonstrator wird dann in einer klinischen Pilotstudie am schlafmedizinischen Zentrum in Marburg klinisch evaluiert. Thora Tech wird die Gerätetechnologie entwickeln und die klinische Studie verantworten, während Activoris neben der Durchführung von Usability-Untersuchungen auch ein Konzept für einen weitergehenden Einsatz der Technologie zur Medikamentenverneblung im Pharma-Partnering erarbeitet. Löwenstein Medical stellt die sog. CPAP-Geräte zur Verfügung und sorgt für eine reibungslose Kommunikation der Komponenten untereinander.

Dr. Andreas Weißflog, Geschäftsführer der Thora Tech GmbH am Anwenderzentrum Medizintechnik in Gießen: “Nachdem wir in einem Vorprojekt deutliche Hinweise dafür erhielten, dass Aerosole auch über die Nase in die Lunge transportieren werden können, ist es der konsequente Schritt, diese Innovation einen Schritt weiter zu tragen und eine entsprechende Geräteplattform zu entwickeln. Wir freuen uns auch, dass es uns gelungen ist, für dieses Vorhaben ein Konsortium renommierter Unternehmen und Forschern aus der Aerosol-, Schlaf- und Beatmungsmedizin zusammenzustellen.“

“Neue Studien belegen, dass viele COPD-Patienten Probleme in den frühen Morgenstunden haben und unruhig schlafen, da sie Atemnot haben“ fügt Prof. Dr. Ulrich Köhler hinzu. „Ebenso gibt es aktuelle wissenschaftliche Daten, dass eine gute Befeuchtung der Atemwege vielen COPD-Patienten beim besseren Abhusten hilft. Hier hat unser patentierter Therapieansatz „Low Dose - Long Time“ hohes Potenzial. Es ist stets unser Anliegen, neue Wege zu gehen, um für unsere Patienten bessere Therapieoptionen zu finden“, so der Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Uniklinik in Marburg.
Axel Fischer, CEO der Activoris Medizintechnik GmbH ergänzte: „Die nächtliche Inhalation über die Nase stellt nicht nur eine Option zur einfachen Befeuchtung der Atemwege von COPD-Patienten mit Sole dar. Es kann in PR 20171114 NaSALT DE Seite 2 von 2 der Zukunft auch ein Weg zur Inhalation von Medikamenten bedeuten. Für viele Pharmaunternehmen kann das eine Möglichkeit sein, eine ganz neue Applikationsroute für bereits generische oder auch neue Wirkstoffe zu etablieren. Ebenso ist es eine große Chance für weitere Patientengruppen mit Lungenerkrankungen, bei denen zum Beispiel die Zeit für die tägliche Inhalationstherapie bereits ausgeschöpft ist oder erhebliche Adhärenzprobleme existieren“.

 

14.11.2017 
Quelle: Thora Tech GmbH