Alte Post - Fassade - Archivbild

Prüfung innerhalb der nächsten Wochen

Die Auseinandersetzung zwischen den Eigentümern des leerstehenden denkmalgeschützten Gebäudes „Alte Post“ und dem Magistrat der Stadt Gießen um die Notwendigkeit sofortiger Verkehrssicherungsmaßnahmen zum Schutz von Passanten vor herunterstürzenden Fassadenteilen geht in die nächste Runde. Fristgerecht hat der Anwalt des Eigentümers gestern Nachmittag ein Kurzgutachten einschließlich einer statischen Berechnung zur Standsicherheit der Giebel und der Bekrönungen vorgelegt, in dem der Position der Stadt widersprochen wird. Im Kern hält der Gutachter darin fest, die von der Stadt geforderte Sicherung mit Drahtseilnetzen, die verhindern soll, dass herunterstürzende Fassadenteile Fußgänger verletzen, sei nicht notwendig. Eine akute Gefährdung der Verkehrssicherheit finde nicht statt. Die Stadt selbst geht – ebenfalls durch ein Gutachten untermauert – allerdings von akutem Handlungsbedarf aus und hatte deshalb den Eigentümern die Sicherung des Gebäudes mit Sofortvollzug auferlegt.

Um die jetzige strittige Auffassung in den beiden Gutachten zu prüfen und zu klären, hat die Stadt nunmehr die Frist für den Vollzug der Sofortmaßnahmen gegenüber den Eigentümern nochmals bis zum 1. September verlängert, um die vorgelegten Untersuchungen zu prüfen. Solange werden auch die vorsorglichen Absperrungen bei Sturm weiterhin durchgeführt.

Hinsichtlich des denkmalschutzrechtlichen Gutachtens, das die Stadt ebenfalls in Auftrag gegeben hatte, um die baulichen Maßnahmen zu beschreiben, die zum Erhalt des wertvollen Gebäudes getätigt werden müssen und zu denen der Eigentümer verpflichtet werden soll, gibt es indes noch keine Reaktion. Die Eigentümer haben drei Monate Zeit, um sich zu dem Denkmal-Gutachten zu äußern. Die Stadt kam letztlich auf Grundlage des Gutachtens zu dem Schluss, dass ein Mindestaufwand in Höhe von rund 1,9 Mio Euro für die Sanierung von Dach und Fassade zu tätigen ist, um die Alte Post im Bestand zu sichern. Um das Baudenkmal wieder in Gebrauch zu nehmen, sind insgesamt 4,9 Mio Euro Instandsetzungskosten kalkuliert.