Kinder beim Sonderprogramm Der Apparat zur Ernst Eimer-Ausstellung

Am 2. Juni 2017 war es soweit: die Sonderausstellung zum Maler Ernst Eimer aus dem Vogelsbergkreis wurde eröffnet. Erstmals wurde hierfür im Alten Schloss mehr Platz für die Sonderausstellungsfläche geschaffen, indem der große Flügel im 1. Obergeschoss ausgeräumt wurde. Die Museums-Objekte wurden im neuen Depot untergebracht, das in den Wochen zuvor für die Aufnahme von Museumsgegenständen hergerichtet und ausgestattet wurde. Im leeren Zustand zeigte sich, dass eine Generalüberholung des Ausstellungsraumes dringend angesagt war. Das Tropenholzparkett aus den 1980er Jahren wurde abgeschliffen und wieder auf Hochglanz gebracht. Das alte Stellwandsystem, eine unflexible, wenn auch für damalige Zeiten sehr hochwertige Sonderanfertigung aus schweren Tischlerplatten und Eisenverstrebungen wurde durch ein modernes, leichtes und flexibel nutzbares Stellwandsystem ersetzt. Und zuletzt erhielt der gesamte Raum einen neuen Anstrich – abgestimmt auf die Ausstellungsgestaltung für die Ernst Eimer - Präsentation. Das neue Platzangebot wurde für die Ernst Eimer-Retrospektive, kuratiert durch die Kunsthistorikerin Ulrike Kuschel aus Offenbach a.M., großzügig genutzt: In der Ausstellung sind neben Bildern aus dem museumseigenen Bestand sowie aus einigen anderen Institutionen überwiegend Leihgaben aus Privatbesitz zu sehen. So findet man im Oberhessischen Museum nun eine Werkschau des Malers vor, die es in der Form noch nicht zu sehen gab.

Der Maler ist in seinem künstlerischen Schaffen in der Motivwahl für seine Bilder durchweg der Heimat treu geblieben. Er malte die Landschaften des Vogelsbergkreises und seines Heimatortes Groß-Eichen und die Darstellung von Menschen zeigen uns den Familien- und Bekanntenkreis des Künstlers. Auf diese Art können wir uns dem Menschen Ernst Eimer nähern und seinem Lebensweg folgen.

Und wie gefällt die Ausstellung bisher?

„Eine freudige Überraschung ist diese Ausstellung!“ - „Eine sehr schöne Ernst Eimer Ausstellung, die alle Aspekte des künstlerischen Werdegangs berücksichtigt.“ - „Eine interessante Ausstellung über Ernst Eimer, einen Künstler, den ich bisher nicht kannte. Danke!“ - so ein paar der Kommentare aus dem Gästebuch im Museum. Ein weiterer Gast schrieb: „Interessant finde ich die Anregung zur Diskussion über den Begriff Heimat.“

Im Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Alten Schlosses finden sich dazu vielfältige Möglichkeiten. Hier steht ein Haus als ein Symbol von Heimat, das mit Textfahnen zum Lesen und Nachdenken anregt und damit zur individuellen Vertiefung über den Heimatbegriff. Wer seine Gedanken mit anderen teilen möchte, kann diese in einem extra dafür ausgelegten Buch schriftlich festhalten. So wird es auch möglich, sich mit den anderen Besuchern auszutauschen und einen Eindruck von ihrem Empfinden zu gewinnen.

In der Auseinandersetzung um die Ausstellung und den Heimatbegriff haben sich auch die Theaterwissenschaftler der Gruppe Mobile Albania engagiert. Sie haben vor allem Kinder und Jugendliche mit ihrem Programm ‚Der Apparat‘ angesprochen und aufgefordert selbst aktiv zu werden. So haben sie gemeinsam einen analogen Nachrichtendienst – aus dem Museum heraus, in die Stadt und wieder zurück – aufgebaut. In unterschiedlichen Workshop-Formaten waren sie unterwegs und haben Menschen miteinander verbunden und sich über Inhalte ausgetauscht. Unterschiedliche Fragestellungen wurden über Nachrichtenüberbringer an Passanten weitergegeben genauso wie Bildnachrichten. Radio wurde auf der Straße gemacht und mit all diesen Möglichkeiten konnten Wege gefunden werden, in Kontakt mit eigentlich fremden Menschen zu kommen – ohne die technischen Hilfsmittel, die für unser alltägliches Leben so selbstverständlich geworden sind. Wer neugierig geworden ist, kann den Apparat ebenfalls im Ausstellungsraum im Erdgeschoss finden. Hier findet sich die sogenannte ‚Cloud‘ in der alle gesammelten Daten mit Hilfe von Kurbeln hoch- und runter geladen werden können. Hier kann jeder Besucher nachlesen, Bilder bestaunen und auch Sprachnachrichten anhören. Auch dank Mobile Albania ist ein breit gefächertes Spektrum entstanden: Es gibt nicht nur die Werkschau eines Malers in einem Museum zu sehen, sondern auch die Eindrücke der Besucher und ihre Vorstellungen zu einem Thema, das jeden betrifft. Das Prinzip des „Apparates“, der als Projekt über das Förderprogramm „Kulturkoffer“ der Hessischen Landesregierung gefördert wurde, soll dem Oberhessischen Museum noch eine Weile erhalten bleiben. Der „Apparat“ wird auch der kommenden Ausstellung (Bibeln aus der Privatsammlung Heinrich Rumpf, ab 26. September 2017) aktuelle und zum Mitmachen anregende Impulse geben.

Besucher bei Ernst Eimer Ausstellung im Alten SchlossDas Fazit: Nicht nur Gießener oder Menschen aus dem Umland interessieren sich für diese Ausstellung. Die Besucher, Jung und Alt, kommen aus ganz Deutschland: Ein sicheres Zeichen dafür, dass das Oberhessische Museum mit seiner Sammlung und den entsprechenden Sonderausstellungs-Themen überregionalen Stellenwert hat und dieser Aufgabe gerecht wird. Museumsleiterin Sabine Philipp und ihr Team aus Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen freuen sich nach sieben Wochen über bereits mehr als 1400 Gäste. Ziel ist es, die 2000er Marke zu knacken. Nicht unrealistisch, denn noch längst hatte nicht jeder Gelegenheit, sich die Ausstellung mit ihren vielen Facetten anzusehen. Mancher Besucher hat angekündigt wiederzukommen.

Darüber hinaus locken weitere Angebote im Begleitprogramm: Ein besonderes Highlight verspricht die Lesung von Christian Schüle (01.08., 19.30 Uhr) zu werden. Als freier Autor und Feuilletonist schreibt er unter anderem für ‚Die Zeit‘ und ‚National Geographic‘. Im Oberhessischen Museum stellt er sein aktuelles Buch ‚Heimat – Ein Phantomschmerz‘ vor und bringt uns damit thematisch in die gegenwärtige Diskussion um das Thema Heimat. Zum runden Abschluss der Ausstellung gibt es dann noch, nach der letzten Kuratoren-Führung, ein kulinarisches Schmankerl – denn Heimat geht ja auch durch den Magen. Das Restaurant Schlosskeller bereitet am 15.08.2017 ein spezielles Heimatmenü zu (Anmeldung im Restaurant Schlosskeller oder Tel. 0641 38306 erforderlich).

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Ausstellung Ernst Eimer - Collage
Ausstellung Ernst Eimer - Collage
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Ernst Eimer - Nach der Ernte
Ernst Eimer - Nach der Ernte
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Ernst Eimer - Selbstporträt
Ernst Eimer - Selbstporträt

Wer die Retrospektive zum malerischen Werk des Regionalkünstlers Ernst Eimer unter dem Heimat-Aspekt noch nicht gesehen hat, hat die Möglichkeit dazu noch bis zum 20. August 2017.
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