Kino

Im Rahmen des Begleitprogramms „Draußen das Leben – Der hessische Maler Ernst Eimer und die Heimat“ zeigt das Oberhessischen Museum am 11. Juli 2017 den zweiten Film:

Angst essen Seele auf (1974) – Heimat in der Fremde
Film von Rainer Werner Fassbinder │89 Min.

„Ein erstaunlich aktueller Film“ urteilte Victoria Peter, studentische Teilnehmerin des Projektseminars „Wie kann man regionale Kunst heute noch ausstellen?“ Das Seminar des Instituts für Kunstpädagogik der JLU Gießen unter Leitung von Ulrike Kuschel, Kuratorin der aktuellen Sonderausstellung im Oberhessischen Museum, versuchte dieser Frage auch auf filmischem Wege näher zu kommen. Das Melodram handelt vom Verlassen der Heimat, vom Ankommen und Suchen einer neuen, von Rassismus, vom Ankämpfen gegen Widerstände, von sozialer Ungleichheit und Menschlichkeit.

Als die verwitwete Putzfrau Emmi (Brigitte Mira) in ihren 60ern den jungen Marokkaner Ali (El Hedi ben Salem) kennenlernt und von den Umständen erfährt, unter denen er als Gastarbeiter lebt, nimmt sie sich seiner an. Nicht nur der Altersunterschied zwischen den beiden wird von ihrer Umwelt kritisch beäugt. Der Entschluss zu heiraten, führt zu vermehrten Spannungen im Umfeld des Paares. Sie trotzen den Widrigkeiten und finden schließlich vermeintliche Toleranz. Doch auch die Beziehung selbst bietet Konfliktpotential. Die Umsetzung des Films besticht durch – für die Zeit – ungewohnte Kameraführung, die aus dem Versuch resultiert, die in Hollywood etablierte Melodramatik mit deutscher Alltagsrealität zu verknüpfen. Obwohl der Film über 30 Jahre alt ist, hat er nichts von seiner Brisanz verloren. Die Spannungen zwischen Jung und Alt, vertraut und fremd werden immer wieder neu verhandelt.

Das Oberhessische Museum will mit der aktuellen Sonderausstellung dazu einladen, den Heimatbegriff aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. „Angst essen Seele auf“ leistet dazu einen wichtigen und sehenswerten Beitrag. Der Film wird um 19.30 Uhr nach einer kurzen Einführung im Netanya-Saal im Alten Schloss gezeigt. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Für Getränke ist gesorgt. Die Sonderausstellung öffnet um 18 Uhr die Türen für alle, die vor dem Film einen Eindruck der Werkschau des Malers Ernst Eimer gewinnen möchten.