Airbus Gießen
Lufthansa Airbus Gießen

© Marvin Knitl

Vor 30 Jahren ging Gießen in die Luft: Am 9. April 1987 wurde eine Lufthansa-Boeing 727-300 mit dem Kennzeichen D-ABXA auf den Namen der mittelhessischen Universitätsstadt getauft. Die feierliche Taufzeremonie fand auf dem Flughafen Frankfurt in Anwesenheit von 300 geladenen Gästen statt. Fünf Reisebusse voller Besucher waren am Morgen des 9. April aus Gießen gestartet. Taufpatin war Doris Adam-Mutz, die Frau des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt, Manfred Mutz. Umrahmt wurde die Taufe von der Wiesecker Blasmusik und Tänzen der Volkstanzgruppe der TSG Wieseck. Für eine Überraschung im Wartungshangar sorgte der Anblick eines Viererzugs von Brauerei-pferden – ein Gruß des einstigen Gießener Brauhauses. Nach der Zeremonie gab es für die Gäste die Gelegenheit zu einem Rundflug mit der frischgetauften Boeing – dabei drehte die Maschine dann auch ein paar Schleifen über der neuen Lufthansa-Patenstadt.

Die erste „Gießen“ versah bis Mai 2001 den Dienst in der Lufthansa-Flotte. Am 2. Juli 2002 wechselte die Patenschaft dann nicht nur auf den europäischen Flugzeughersteller Airbus, sondern gleichzeitig auch auf die Langstrecke: Ein Airbus A340-300 mit der Kennung D-AIFD fliegt seitdem als Botschafter der Stadt Gießen zu Zielen rund um den Globus. Die täglich wechselnden Crews kennen die „Gießen“ allerdings eher unter dem Namen „Foxtrot-Delta“, also die letzten beiden Buchstaben der Registrierung nach dem internationalen Fliegeralphabet buchstabiert.

Rund 76.300 Flugstunden hat die aktuelle „Gießen“ bereits absolviert und war auf 10.848 Flügen für Lufthansa unterwegs. Aktuell pendelt die „D-AIFD“ von ihrer Heimatbasis Frankfurt aus nach Nagoya, Bangkok, Chennai, Bogota und Kapstadt.

„Wir freuen uns, dass wir seit 30 Jahren über eine Flugzeug-Patenschaft mit Gießen verbunden sind. Die Maschinen sind stets fliegende Botschafter ihrer Heimat und tragen den Namen buchstäblich rund um den Globus“, so Florian Gränzdörffer, Lufthansa-Konzernsprecher. „Die Patenschaft signalisiert unsere Verbundenheit mit Gießen und der ganzen Region, woher auch viele Lufthansa Passagiere und Mitarbeiter kommen. Wir wünschen der „Gießen“ noch „many happy landings“. Auch Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz freut sich über diese Tradition, die Gießens Namen bekannt mache.

Airbus Lufthansa Gießen Taufe
Airbus Lufthansa Gießen Taufe

Der Airbus A340-300 „Gießen“

Das Langstreckenflugzeug Airbus A340-300 befördert bis zu 221 Fluggäste und kann beeindruckende Leistungsdaten vorweisen. So misst die Maschine in der Länge mehr als 63 Meter und hat eine Spannweite von über 60 Metern. Die „Gießen“ hebt mit einem maxi-malen Startgewicht von 271 Tonnen ab und fliegt mit einer Reisegeschwindigkeit von 875 Stundenkilometern bei maximaler Passagierzahl bis zu 12.700 Kilometer weit.

Die Tradition der Taufpatenschaften bei Lufthansa

Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen, geht auf den September 1960 zurück. Damals gab es in Frankfurt die erste Flugzeugtaufe, als die „Kranichlinie“ ihren allerersten Langstrecken-Jet, die damals moderne Boeing 707, in Dienst stellte. Der vierstrahlige Jet erhielt den Namen „Berlin“. Taufpate war der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt. Seither wurden rund 300 Lufthansa Flugzeuge auf den Namen deutscher Städte und Gemeinden getauft. Auch sämtliche Bundesländer und einige internationale Namen finden sich in der Kranich-Flotte.

Am Anfang der Taufpatenschaften stand für Lufthansa der Gedanke, die Verbundenheit zum Heimatstandort Deutschland jenseits der großen Drehkreuze und Standorte auch in die Regionen zu tragen, woher ein Großteil der Lufthansa Passagiere und Mitarbeiter kommt. Die getauften Flugzeuge sind fliegende Botschafter ihrer Heimat und tragen deren Namen buchstäblich in alle Welt. Dass eine solche Patenschaft nach wie vor noch ein begehrtes Gut ist, zeigt die Begeisterung der Passagiere und ein Blick auf die beachtliche Warteliste interessierter Städte. Bei der Vergabe orientiert sich Lufthansa an der historischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung des betreffenden Ortes. Auch Städte, die in besonderer Weise mit der Luftfahrt oder der Lufthansa verbunden sind, finden Berücksichtigung. Die Größe der Stadt spielt dagegen keine Rolle. Allerdings wird bei der Vergabe im Allgemeinen darauf geachtet, dass die Einwohnerzahl der relativen Größe des Flugzeugmusters entspricht. Neben dem Namen der Patenstadt am Bug des Flugzeugs wird auch deren Stadtwappen im Eingangsbereich der Kabine angebracht.

Taufpatenschaften als Spiegel der Zeit

Die Namensgebungen sind durchaus ein Spiegel der Zeit. So markierten die ersten Taufen gleichzeitig den Start der Lufthansa ins Jet-Zeitalter. Mit der „Berlin“ und der kurz danach getauften „Frankfurt am Main“ wurden die ersten beiden, damals hochmodernen, Boeing 707 eingeführt. Nach dem Fall der Mauer erweiterte sich die Flotte der nach Bundesländern getauften Maschinen von elf auf 16 und rasch fanden auch ostdeutsche Gemeinden Einzug ins Namensregister, sichtbarer Beleg der deutschen Einheit.

Dabei waren es nicht immer freudige Ereignisse, die zu Auslösern von Städtepaten-schaften wurden. Als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 plötzlich der gesamte amerikanische Luftraum gesperrt wurde, mussten einige Flüge auf den kanadischen Flughafen Halifax ausweichen, der für einen solchen Ansturm nicht aus-gelegt war. Die Einwohner von Halifax und der Nachbargemeinde Gander kümmerten sich damals mit viel Gastfreundschaft um Passagiere und Crews. Daraufhin taufte die Lufthansa als Zeichen der Dankbarkeit erstmals ein Flugzeug auf den Namen ausländischer Orte und gab einem Airbus A340-300 den Namen „Gander/Halifax“. Mittlerweile ist dies nicht mehr das einzige Flugzeug mit einem internationalen Namen. In einem halben Jahrhundert seit der ersten Taufe hat sich das Geschäft der Lufthansa beträchtlich weiterentwickelt. Eine Tatsache, der nun im Rahmen der Namensgebung der A380 Rechnung getragen wird. Mittlerweile kommen die Passagierströme aus allen Teilen der Welt. Das Merkmal des modernen Luftverkehrs ist Internationalität. Daher tragen die neuen Flaggschiffe der Lufthansa auch die Namen internationaler Metropolen. Der Anfang wurde im September 2010 mit Peking gemacht, Tokio, Johannesburg und andere folgten. Dies ist jedoch keine Abkehr vom Bekenntnis der Lufthansa zu ihrer Heimat. Die Mehrzahl der rund 300 getauften Lufthansa Flugzeuge hat deutsche Städte und Gemeinden als Paten, von Flensburg bis Lindau und von Aachen bis Frankfurt (Oder). Flaggschiff ist dabei ein Airbus A380, der im November 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Namen „Deutschland“ getauft wurde. Dabei gilt bis heute das Motto: „Einmal Lufthansa, immer Lufthansa“, denn die Patenschaft ist eine dauerhafte Institution. Einmal in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, geht der Name auf ein neues Flugzeug über, sobald die ursprünglich getaufte Maschine aus der Lufthansa Flotte ausscheidet.