J.B.O. - Fun-Metal in Pink

 

Sie kommen stets in Rosa auf die Bühne und sind seit 1989 für ihre Blödeleien und parodistischen Coversongs bekannt. Am Freitag, 27. Januar, stehen die Erlanger Comedy-Metaller von J.B.O. in der Gießener Hessenhalle auf der Bühne. Im Interview erzählen sie von ihrem aktuellen Album "Elf", von bösen Briefen und humorlosen Journalisten.

 

Seit dem Sommer ist euer neues Album "Elf" auf dem Markt. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich ausgefallen - das Portal "Laut.de" etwa hat es total zerrissen - wie jedes Eurer Alben eigentlich. Was haben die gegen Euch?

Hannes "G. Laber" Holzmann: Wir können gut damit leben, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass es dem Erfolg zuträglicher ist, wenn etwas geliebt und gehasst wird, als wenn alle sagen: 'Joa, ist ganz nett'. Und ganz ehrlich: Wenn wir auf laut.de mal eine positive Kritik bekommen würden, dann würden wir uns Sorgen machen. Von manchen Menschen will man gar nicht gemocht werden. Wir amüsieren uns sehr darüber, wenn in einer Review steht: ,J.B.O. haben sich Jahre lang bemüht, anspruchsvoller zu werden, jetzt haben sie resigniert und sehen ein, dass sie nur Party-Metal machen'. Und in der nächsten Review zum selben Album steht dann: ,J.B.O. haben eine anspruchsvolle CD gemacht'. Man darf nicht vergessen: Jede Kritik ist nur eine Einzelmeinung eines einzelnen Menschen. Wenn Du die Platte zehn Menschen vorspielst, bekommst Du zehn verschiedene Meinungen. Und jemand, der eine Kritik in einer Zeitung oder online schreibt - der ist auch nur ein Mensch.

 

Ihr habt auf der Platte den Song "Wir lassen uns das Blödeln nicht verbieten" veröffentlicht Der geht ja auch an die Kritiker...

Vito C.: Der Song ist viel vielschichtiger. Es geht ja gar nicht darum, dass wir frustriert sind, weil sie uns alle das Blödeln verbieten wollen.

Holzmann: Es gibt prominente Bands, deren Namen wir nicht nennen wollen, die immer gerne so tun, als wären sie die armen Ausgestoßenen und der böse Mainstream bietet ihnen keinen Platz, dabei fahren sie das Geld mit der Schubkarre nach Hause.

Vito C.: Darum geht es in dem Song. Wir wollten uns auch einmal so richtig ausgestoßen fühlen!

 

In dem Song schreibt Ihr auch von bösen Briefen und davon, dass man als Band auch mal bedroht wird. Ist auf Euch mal jemand richtig böse gewesen, weil er die Satire nicht verstanden hat?

Holzmann: Schwierig wird es dann, wenn jemand etwas abgöttisch gut finden und merkt, dass wir das nicht ernst nehmen. Wir haben einmal eine Black-Metal-Parodie gemacht. Da gab es tatsächlich einen Black-Metal-Fan, der uns Teufelslästerung vorgeworfen hat. Aber: Wenn Du in Wacken eine Black-Metal-Band hast, die auf der Bühne den Teufel anbetet, sich dann aber backstage beschwert, dass der Tee zu heiß ist - die kann man doch nicht ernst nehmen.

Es gibt auch bestimmt jede Menge Hausfrauen, die Markus Söder gut finden und es nicht mögen, wenn wir Witze über Markus Söder machen. Das geht denen aber bestimmt genauso, wenn Michael Mittermaier denselben Witz macht.

Ralph Bach: Ein Anschlag wurde auf uns jedenfalls noch nicht verübt.

 

Wie fällt einem denn beim mittlerweile elften Album noch soviel Blödsinn ein?

Holzmann: Jedes Mal, wenn wir ein Album fertig haben, dann denke ich, wir werden nie wieder Ideen haben. Aber die Erde dreht sich immer weiter, und es gibt so viele Dinge, die man nicht ernst nehmen kann, dass uns die Ideen wohl niemals ausgehen. Das ist unsere Philosophie: Nicht alles so ernst nehmen, auch uns selbst nicht. Wenn man die Welt nur ernst nimmt, dann dreht man doch durch.

 

Fühlen sich andere Bands, die sich vielleicht zu ernst nehmen, von Euch verballhornt?

Holzmann: Die anderen Bands sehen das gar nicht so eng. Die verstehen das meistens so, wie wir's auch meinen, nämlich als Parodie. Die meisten Kollegen finden das lustig. Und wenn sie's nicht lustig finden, ignorieren sie uns eben.

Wolfram Kellner: Naja, es gibt ein paar Bands, da kann man es sich gut vorstellen, dass die uns das krumm nehmen.

Holzmann: Ich kann mich erinnern, als wir 2006 oder 2007 beim "With Full Force" gespielt haben. Da war eine Musikjournalistin, die hat backstage zwei Bands getroffen, einmal die Emil Bulls, die andere weiß ich gar nicht mehr. Die hat die echt gefragt, ob sie es nicht schlimm fänden, auf dem selben Festival zu spielen wie J.B.O.? Und beide Bands: ,Nö, wieso? Ist doch lustig? Und wenn's nicht gefällt, macht man halt was anderes...' Die haben überhaupt nicht verstanden, was sie mit der Frage meint...

 

Ihr seid ja für Eure schrägen Coverversionen bekannt. Wie wählt Ihr denn die Songs aus, die Euch zum Opfer fallen?

Holzmann: Wir gehen nicht hin und sagen: ,Hey, wir machen jetzt was aus Deep Purples "Smoke on the Water"', sondern die Idee zum Song muss schon da sein. Wenn wir das alle lustig finden, machen wir's. Dann müssen wir das auch noch genehmigt kriegen. Man darf ja nicht einfach so einen Song umtexten. Also stellen wir eine Genehmigungsanfrage an den Verlag, der die Rechte inne hat. Manchmal bekommen wir die, manchmal eben nicht.

 

Gab's da schon mal blöde Reaktionen?

Holzmann: Die blödeste Reaktion ist, dass wir keine Reaktion kriegen.

Vito C.: Genau, wenn man schnell eine Antwort kriegen würde mit "ist nicht", dann wäre das auch okay für uns. Nur leider kommt regelmäßig gar nichts und so verschwinden ganz viele Songideen in der Schublade.

Holzmann: Das Blöde dabei ist, dass das meistens nicht der Musiker entscheidet, der den Song geschrieben hat, sondern irgendwer an irgendeinem Schreibtisch in einem Verlag. Auf der "Sex, Sex, Sex" im Jahr 2000 haben wir einen Song von den Scorpions gecovert. Da haben wir auch unseren Text mit der Anfrage an den Verlag geschickt. Daraufhin kam zur Antwort, dass die Band ein Demo hören möchte. Daraufhin haben wir ein Demo gemacht und hingeschickt. Als Antwort vom Verlag kam: ,Die Band lehnt es ab'. Unser damaliger Labelchef hatte aber einen Kontakt zu Rudolf Schenker und hat den noch einmal direkt gefragt. Die Band wusste davon gar nichts und wir haben die Genehmigung prompt bekommen. Das riecht ein bisschen danach, als scheitere es oft daran, dass jemand keinen Bock hat, ein Formular auszufüllen. Die Urheber werden oft offenbar gar nicht erst gefragt.

Vito C.: Wir haben einen Song in der Schublade, den wir wirklich sehr gerne machen würden. Und zwar handelt es sich um "Bohemian Rhapsody", das zur "Franconian Rhapsody" werden soll. Dazu haben wir auch ein Demo gemacht, weil der Verlag eins hören wollte. Das wurde uns bereits dreimal abgesagt und beim letzten Mal haben sie betont, dass wir bitte nicht mehr anfragen sollen. Ich glaube aber, wir müssen das mal wieder anfragen...

Holzmann: Auf der "Head Bang Boing" haben wir ein Cover von "Wir sind Helden" gemacht. "Wir sind Helden" haben als Band alles selber gemacht, die sind ihr eigenes Label und ihr eigener Verlag. Da haben wir die Anfrage gestellt und hatten am nächsten Tag die freundlichste Genehmigung, die wir jemals gekriegt haben. Die Musiker, die die Songs schreiben, haben meistens überhaupt kein Problem damit. Die kriegen ja auch Gema-Gebühren dafür.

 

Gibt's mehr Absagen oder mehr Genehmigungen?

Holzmann: Das ist total unterschiedlich. Es gab schon Alben, da haben wir von zehn Anfragen acht Absagen bekommen. Es gab auch schon Alben, da haben wir alles genehmigt bekommen.

 

Die erste Single aus "Elf" war "Panzer Dance". Der Song ist ja schon sehr schwarzhumorig und durchaus kritisch. Haben Euch die genannten Firmen schon verklagt?

Vito C.: Unsere Plattenfirma war so clever, das vorher juristisch abklären zu lassen, ob das ein Problem geben kann. Fakt ist: Wir dürfen über Firmen singen, die allgemein bekannt sind. Wir sagen ja auch nicht, dass die scheiße sind. Wir singen so über Rüstungsfirmen, wie DJ Ötzi über Fast-Food-Ketten gesungen hat.

 

Könnt Ihr Euch vorstellen, auch mal einen richtig ernsten Song zu machen?

Vito C.: Wir lassen uns zumindest nichts verbieten. Vielleicht machen wir das nächste Woche.

Holzmann: Wir haben den Song "Hitler hat keinen Sex", auf dem wir auch sehr deutlich machen, was wir von Nazis und ähnlichen Gesellen halten. Aber auch da blödeln wir. Wir müssen irgendwie immer blödeln. Wir sind halt so.

 

Konzert mit J. B. O. “Elf“ am 27.01.2017