Professor Dr. Monika Schuhmacher bei ihrem Impulsvortrag beim 3. Gießener Existenzgründertag
© TIG GmbH/Lademann 

In und um Gießen gibt es jede Menge Potenzial und Ideen: Der 3. Gießener Existenzgründertag im Technologie- und Innovationszentrum Gießen (kurz: TIG) hat, wie die Vorgängerveranstaltungen, große Resonanz hervorgerufen. Rund 80 Teilnehmer, darunter viele Gründungsinteressierte und junge Existenzgründer, waren der Einladung gefolgt und nutzten den angebotenen Mix aus Inspiration, Information und Motivation. "Ich sehe viele junge Menschen, das heißt, es gibt viele frische Ideen", freute sich Landrätin Anita Schneider bei der Eröffnung. Dass die Angebote für Gründer in Stadt und Landkreis und die intensive Netzwerkarbeit der verschiedenen beteiligten Organisationen offenbar Früchte tragen, zeige sich daran, dass die Gewerbe-Neuanmeldungen 2015 gestiegen seien. Dies tue auch der Region gut, so die Landrätin, denn "Gründung ist Innovation. Und Ihr Erfolg ist auch unser Erfolg".

Neben der Vorstellung verschiedener Beratungsangebote für Existenzgründer und der umfangreichen Möglichkeit zum Austausch standen Best-Practice-Beispiele aus jungen heimischen Unternehmen und ein Impuls-Vortrag von Prof. Dr. Monika Schuhmacher (Justus-Liebig-Universität Gießen) zum Thema "Marketing in der Gründungsphase" im Fokus der Veranstaltung.

In den Best-Practice-Beispielen wurden völlig unterschiedliche Erfolgsgeschichten präsentiert. Den Anfang machten Fabian Geisler und Erkan Yaglu von der g.y.s.e. media GbR. Die Firmengründer - Phillip Eisenreich als dritter im Bunde war verhindert - kennen sich aus dem Studium. Aus gemeinsamen Programmier-Sessions ergab sich der Wunsch nach einer Selbstständigkeit. Die Medieninformatiker und -gestalter bieten Web-Seiten- und App-Lösungen sowie die passende Gestaltung an (Foto/Video/Print). Neben Auftragsarbeit haben sie auch eigene Projekte: Die Gießen-Event-App listet alle Veranstaltungen in Gießen auf und bietet einen Überblick, was in der Stadt los ist. Angefangen haben die jungen Gründer in Eisenreichs Küche, das erste Büro war im TIG angesiedelt. 2016 zog die GbR in neue Räume in den ehemaligen Heyligenstaedt-Komplex im Aulweg. Seit der Gründung 2015 hat die Agentur 138 Projekte abgeschlossen. Yaglu hatte einige Tipps für Gründer parat: "Man muss ein Multitalent sein", beschrieb er die Aufgaben, die auf einen StartUpler zukommen. Doch er motivierte: Tiefs gehörten dazu, man müsse bereit sein Risiken einzugehen. Noch wichtiger sei es, auf die Work-Life-Balance zu achten, denn es heiße zwar selbst und ständig, aber das halte man maximal ein Jahr dauerhaft durch.

Ganz anders Conny Mohr. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. 25 Jahre lang war sie als Immobilienmaklerin in Frankfurt tätig, aber die täglich auf der Autobahn verbrachte Zeit wurde ihr zu viel. Anfang 2014 beschloss sie mit ihrer Tochter, die zu dieser Zeit auch eine neue Herausforderung suchte, sich selbstständig zu machen und eröffnete einen mobilen Catering-Service für Suppen. Mohr beliefert Firmen und steuert verschiedene Standorte in der Stadt an. Dazu gibt es leckere, hausgemachte Nachtische. Als die bisherige Kantine im Europaviertel schloss, ergab sich für Mohr die Gelegenheit: Sie übernahm die Räume und eröffnete die Mittagskantine Speedy, in der es neben Suppen täglich weitere leckere Gerichte gibt. Der Bedarf im Europaviertel ist da: 80 bis 100 Essen pro Tag gibt die Gastronomin allein in der Kantine aus, insgesamt 120 bis 180 Suppen gehen pro Tag weg. Ihre Tochter ist mittlerweile wieder ausgestiegen, dafür beschäftigt Mohr zwei Aushilfskräfte. Ob sie soviel verdiene wie als Immobilienmaklerin, wollte ein Zuschauer wissen. Nein, lacht Mohr, aber sie mache jetzt etwas, das ihr wirklich Spaß mache und sie habe enorm an Lebensqualität gewonnen. Klar, dass das Mittags-Catering der Tagung in der dem TIG benachbarten Kantine stattfand.

"Ich habe mir bewusst eine Nische gesucht", erklärte anschließend Dominic Zetzsche von "Schorlefranz" sein Produkt. Der gelernte Winzer und Önologiestudent stand gemeinsam mit Freunden auf einer Party - und es gab wieder einmal nur Bier. Das Ziel: Trendorientierte Getränke "to go" auf den Markt bringen. Und schon war der "Schorlefranz" geboren, eine leckere und erfrischende Weißweinschorle aus der Flasche. Das Getränk stellt er nicht selbst her, sondern lässt von namhaften Betrieben abfüllen. Sein Produkt bietet er Gastronomiebetrieben an, außerdem wird es bei einigen Handelspartnern verkauft. Die Akquise sei nicht einfach, räumte er ein, aber: "Ihr müsst raus. Das Glück liegt auf der Straße". Das Angebot von "Schorlefranz" soll wachsen: Zetzsche hat bereits weitere Trendgetränke in Planung, allerdings müsse erst die Finanzierung gesichert werden.

Von Schlimbach designtes Woodbike

© TIG GmbH/Lademann

Das letzte Best-Practice-Beispiel kam von Tischlermeister Martin Schlimbach aus Grüningen, der seine Gründungsphase schon lange hinter sich hat. Kurz vor dem geplanten Eintritt in die Altersteilzeit ist dem Handwerker ein echter Coup gelungen: Mit dem Woodbike 46, einem Fahrrad, dessen Rahmen komplett aus Holz gefertigt ist, hat er den Hessischen Gestaltungspreis 2016 der Handwerkskammern gewonnen. Schlimbach machte den Gründungswilligen mit seinem unkonventionellen Vortrag Hoffnung: "Man muss den Mut haben und springen, dann klappt es schon irgendwie", forderte er auf, sich zu trauen, Ideen anzugehen und umzusetzen.

Der Impulsvortrag von Prof. Dr. Monika Schuhmacher, Inhaberin der Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Technologie-, Innovations- und Gründungsmanagement sowie Direktorin des Entrepreneurship Clusters Mittelhessen (ECM) der Justus-Liebig-Universität Gießen, zielte darauf ab, Gründern deutlich zu machen, wie wichtig Marketing in der Gründungsphase ist. Denn, anders als viele glaubten, sei Marketing nicht allein gleichzusetzen mit Werbung. Es sei viel mehr als das, nämlich eine marktorientierte Unternehmensführung mit klarer Ausrichtung am Kunden und dessen Bedürfnissen. Anhand eines fiktiven und von ihr kreierten Beispiels mit glutenfreien Backwaren zeigte sie Merkmale und Herausforderungen von Gründungsunternehmen. Man müsse sich zunächst Gedanken über die Kunden machen. Wer ist mein Kunde? Was will mein Kunde? Welche Bedürfnisse hat er? Daneben ging es um Themen wie das Schaffen eines aussagekräftigen Corporate Designs und der Produktgestaltung, Findung eines Markennamens, Werbeaktionen zur Kundengewinnung und Bindung sowie der Preisgestaltung und der Festlegung der passenden Vertriebswege. Wichtig sei zu wissen, welche Botschaft man transportieren wolle, außerdem legten Kunden Wert auf Transparenz. Die Geschichte seines Produktes zu erzählen sei genauso wichtig, wie zu zeigen, wer man sei, denn dies schaffe beim Kunden Identifikation und Vertrauen. "StartUps brauchen eine emotionale Bindung", weiß die Professorin.

Im ersten Teil der Veranstaltung hatten sich die verschiedenen Institutionen und Netzwerkpartner in kurzen Impulsreferaten vorgestellt, die Beratungs-, Unterstützungs- und Finanzierungsangebote für Gründer anbieten. Neben der TiG GmbH waren das die Wirtschaftsförderungen der Stadt Gießen und des Landkreises Gießen, die IHK Gießen-Friedberg, die Handwerkskammer Wiesbaden, die Kreishandwerkerschaft Gießen, das Entrepreneurship Cluster Mittelhessen (ECM), der Verein Wirtschaftspaten, das RKW Hessen sowie die GründerWerkStadt der Stadtwerke Gießen. Außerdem präsentierten die Sparkasse Gießen, die Volksbank Mittelhessen und die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen ihre Förderangebote. Alle Institutionen standen nach den Kurzreferaten an ihren Infoständen noch für Gespräche und Fragen zur Verfügung. Auch der Ende September neu gewählte und für die Wirtschaftsförderung zuständige Stadtrat Peter Neidel hatte das umfassende Beratungsangebot in Gießen in seiner Begrüßungsrede gelobt. Unterstützung sei gut, denn "Gründen erfordert Mut, da auch immer die Gefahr des Scheiterns besteht".

Der 3. Existenzgründertag TiG StartUp fand im Rahmen der Gründerwoche Deutschland statt und wird von der Europäischen Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Laut TIG-Geschäftsführerin Antje Bienert ist bereits der 4. Gießener Existenzgründertag für 2017 schon in Planung. „Nicht zuletzt durch Angebote wie den Existenzgründertag oder den monatlichen Gründerstammtisch, die „Raumstation“, den Gründerfür-Gründer-Stammtisch oder das Startup-Weekend Mittelhessen vernetzt sich die Gründerszene immer intensiver. Die Region Gießen hat sich zu einer lebendigen Gründerregion entwickelt, und diesen positiven Trend möchten wir natürlich ausbauen“, so ihr Fazit.

Die TIG GmbH ist aus dem 1996 als eines der ersten hessischen Gründerzentren eröffneten Gründerzentrum Gießen hervorgegangen und feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft unterstützt das TIG die Ansiedlung junger Technologie- und Dienstleistungsunternehmen durch die Vermietung günstiger Büro- und Laborflächen in vier Gebäuden im Gießener Gewerbegebiet Europaviertel. Neben diesem Kerngeschäft unterbreitet das TIG seinen Mietern und den Unternehmen der Region ein breites Service-, Beratungs- und Weiterbildungsangebot, bietet eine Kommunikationsplattform für Themen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung und unterstützt sowohl innovationsfördernde Maßnahmen als auch die Vernetzung von Know-How.

 

Hintergrundinformationen zum TIG

Die Technologie- und Innovationszentrum Gießen GmbH (TIG GmbH) wurde 1999 gegründet und konzentriert ihre Aktivitäten auf die Förderung des Strukturwandels der Wirtschaft und die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze in Stadt und Landkreis Gießen.

Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft unterstützen wir die Ansiedlung junger Technologie- und Dienstleistungsunternehmen durch die Vermietung günstiger Büro- und Laborflächen in unseren vier Gebäuden im Gießener Gewerbegebiet Europaviertel.

Neben diesem Kerngeschäft unterbreiten wir unseren Mietern und den Unternehmen der Region ein breites Service-, Beratungs- und Weiterbildungsangebot, bieten eine Kommunikationsplattform für Themen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung und unterstützen sowohl innovationsfördernde Maßnahmen als auch die Vernetzung von Know-how.

Die TIG GmbH ist aus dem 1996 als eines der ersten hessischen Gründerzentren eröffneten Gründerzentrum Gießen hervorgegangen. Wir blicken somit auf 20 Jahre Erfahrung zurück und haben unsere Büro- und Laborräume in diesem Zeitraum an mehr als 280 Existenzgründer/innen und junge Unternehmen vermietet, von denen viele inzwischen erfolgreich weiter expandiert und sich dauerhaft in Stadt oder Landkreis Gießen niedergelassen haben. Im Jahr 2015 hat das TIG erfolgreich die Zertifizierung als „Anerkanntes Innovationszentrum“ des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V. durchlaufen.

Nähere Informationen zum Angebot des Technologie- und Innovationszentrums Gießen, den ansässigen Unternehmen und Partnern bietet die TIG-Webseite unter www.tig-gmbh.de.