Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz

Als "gezielten Versuch der Legendenbildung" hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die Erklärung der Kläger gegen die sonntägliche Ladenöffnung zum Suppenfest gewertet. "Ich bleibe dabei: Diese Klage ist eine gezielte Attacke gegen den Gießener Einzelhandel," so Grabe-Bolz. Gleichzeitig verwahrte die OB sich gegen die Behauptung der Allianz, die Entscheidung des Magistrats sei bewusst so spät getroffen worden, um Klagen zu verhindern: "Die Antragsunterlagen liegen naturgemäß immer erst wenige Wochen vor der Entscheidung vollständig vor und werden dann auch nicht einfach so durchgewunken, sondern eingehend geprüft. Das ist bei der Planung solch großer Märkte normal."

Für die OB ist es daher nach wie vor nicht verständlich, weshalb Verdi und KAB den Verhandlungstisch in Gießen ohne Ankündigung verlassen hätten: "Wir hatten ein gemeinsames und vereinbartes Ziel: eine regionale Lösung zu finden, die nicht alleine den Handelsstandort Gießen schwächt. Dazu liefen die Gespräche und da gab es auch Bewegung und Kompromisslinien für das nächste Jahr", so Grabe-Bolz. Offenbar, so die OB, sei die Allianz aber innerlich nicht so einig wie sie nach außen tue: "Während wir über eine regionale Selbstbeschränkung auf drei Sonntage hingearbeitet haben, haben Teile der Allianz die Parole ausgegeben, dass ihnen dies nicht reichen wird", so Grabe-Bolz. Nach den Erfolgen der Allianz in Frankfurt befinde sich die Bewegung nun offenbar im Aufwind, sagte Grabe-Bolz. "Ich frage mich nur, warum sie ihr Mütchen dabei nur in Gießen kühlen müssen. Das Recht der Verbandsklage ermächtigt die Gewerkschaft, überall zu klagen. Wenn sie dies nicht tut, handelt sie willkürlich und schadet auch willkürlich dem Standort Gießen. Ich verstehe nicht, weshalb die Sonntage in Gießen schutzbedürftiger sind als in Hanau, Friedberg oder Herborn und vielen anderen Städten, in denen die Geschäfte am nächsten Sonntag öffnen" Vor diesem Hintergrund sei es geradezu grotesk, wenn die Allianz nun Krokodilstränen weine und Mitleid mit den Gießener Einzelhändlern zeige.