Blick auch das SchlachthofgeländeBald wird sie in ihren Ausmaßen zu erfassen sein – die beeindruckende Wand des sechsgeschossigen Parkhauses, das den Wohnpark am Schlachthofgelände zur Messe hin abschließen wird. „Modus 2.0 - Am Alten Schlachthof“ nennt sich das Bauvorhaben, das die Helm Holding als Wohnprojekt auf dem ehemaligen Schlachthofgelände in Gießen umsetzt.

In unmittelbarer Nähe zur Lahn und einem für die Stadt bedeutsamen Areal entsteht seit einigen Monaten eine neue Wohnbebauung, die sich um das historische und unter Denkmalschutz stehende Gebäude des ehemaligen Schlachthofs gruppiert. Das neue Stadtquartier umfasst mehrere moderne Wohngebäude sowie einen aktuell entstehenden Parkhauskomplex, dessen Außenwand aufgrund unterschiedlicher Auflagen als glatte Brandschutzwand umgesetzt werden muss. Ab Oktober 2016 wird somit eine weithin sichtbare Wand zur Weststadt hin aufragen, deren imposante Ausdehnung einen guten wie entschiedenen Umgang fordert.

Der Gießener Magistrat hat daher in enger Abstimmung mit der Helm Holding zwei Maßnahmen vorbereitet. Im kommenden Herbst werden im Straßenraum des vorgelagerten August-Balzer-Weges großkronige Laubbäume gepflanzt, die eine mittelfristige Sichtabschirmung der Parkhauswand gegenüber dem Wohnumfeld schaffen sollen. Zudem möchte der Bauherr in Kooperation mit der Stadt Gießen den eingeladenen „Kunstwettbewerb Parkhaus Schlachthofgelände“ ausschreiben und die aufgrund ihrer Maße und Sichtbarkeit stadtbildprägende Wand zu einer attraktiven Plattform für ein Auftreten von zeitgenössischer Kunst machen. Eingeladen sind sechs professionelle Künstler/innen, die für eine Breite und Unterschiedlichkeit künstlerischer Ansätze stehen: Karin Bergdolt (Nürnberg), Patrick Borchers (Dortmund), Monika Goetz (Berlin), Katja von Puttkamer (Ingelheim), Oliver Tüchsen (Frankfurt a.M.) und Thomas Vinson (Gießen). Zum überwiegenden Teil sind die Eingeladenen durch Ausstellungsbeteiligungen bereits mit der Stadt Gießen vertraut und nun aufgefordert, in der Entwurfsphase einen Gestaltungsvorschlag einzureichen.

Von den Künstler/innen wird eine zweidimensionale Arbeit gewünscht, die ortsspezifisch angelegt ist. Dabei bleibt der gegebene Rahmen einer inhaltlichen und formalen Auseinandersetzung mit den historischen, stadtlandschaftlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Aspekten der Stadt Gießen und den spezifischen Gegebenheiten der baulichen Situation vor Ort bewusst weit gesteckt. Es werden Konzeptionen erwartet, die sich spannungsvoll aus den jeweiligen künstlerischen Positionen heraus entwickeln und sensibel mit den Herausforderungen der großen Fläche umgehen. Für die Umsetzung des ausgewählten Entwurfs stehen 40.000 € zur Verfügung.

Im Rahmen des Kunstwettbewerbs findet eine gezielte Vermittlungsarbeit statt. So werden auf dem städtischen Beteiligungsportal giessen-direkt.de die Vorentwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Bürger/innen können sich dort über diese informieren und Kommentare hinterlegen. Darüber hinaus wird vor dem Entscheidungsprozess eine öffentliche Veranstaltung stattfinden, in der die künstlerischen Entwürfe vorgestellt und diskutiert werden. Eine Fachjury entscheidet im Januar 2017 über den zu realisierenden Entwurf. Das Verfahren wird von dem Gießener Künstlerduo Ingke Günther und Jörg Wagner betreut. Mit der Umsetzung des Siegerentwurfs ist, je nach Witterung, im Frühjahr 2017 zu rechnen. Als Ergebnis dieses Wettbewerbs wird eine qualitativ hochwertige künstlerische Gestaltung erwartet, die nicht nur in ihrer Ausdehnung einzigartig ist.