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Am Ende des Geschäftsjahres 2015 steht für die Stadtwerke Gießen (SWG) erneut ein gutes Unternehmensergebnis. Im Rahmen einer Pressekonferenz im SWG-Hauptgebäude am 15. Juli präsentierten die Vorsitzende des Aufsichtsrats Astrid Eibelshäuser sowie die beiden SWG-Vorstände Matthias Funk und Jens Schmidt die Zahlen – allen voran das Jahresergebnis. Der Jahresüberschuss betrug im vergangenen Jahr 6,014 Millionen Euro und liegt damit um runde 800 Tausend Euro unter dem Vorjahresergebnis.

Wie schon im Vorjahr stieg 2015 die Zahl der Privat- und Gewerbekunden mit einem Anschluss ans Wärmenetz. Einer der Gründe, weshalb auch der Absatz von Wärme, Kälte und Dampf auf 411 Gigawattstunden (GWh) zunahm. Der Stromabsatz kletterte ebenfalls – und zwar von 1.652 auf 1.765 GWh. Dank dieser Zahlen und aufgrund des insgesamt guten Ergebnisses schütten die Stadtwerke Gießen 2,5 Millionen Euro an die Stadt Gießen – die Eigentümerin der SWG – aus.

Marschroute in die Zukunft

Seit etwas mehr als einem Jahr stehen die beiden SWG-Vorstände Matthias Funk und Jens Schmidt gemeinsam an der Spitze des kommunalen Energieunternehmens. Bei der Bilanzpressekonferenz bewerteten sie sowohl die Zahlen für 2015 als auch die ersten Monate ihrer Zusammenarbeit als „äußerst positiv“. „Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass wir strategisch an einem Strang ziehen und beide in Richtung Zukunft denken. Genau das hat schon unsere Vorgänger ausgezeichnet, weshalb das Unternehmen heute auf einem solch stabilen Fundament steht“, erklärte Jens Schmidt. Zu den wichtigsten Bausteinen dieses Fundaments gehören das Fernwärmenetz in Gießen und der Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung im Stadtgebiet. „Bei beiden handelt es sich auch zukünftig um tragende Säulen unserer Strategie“, betonte Matthias Funk. Schon heute steht die Stadt Gießen mit ihrer Klimabilanz sehr gut da, wie der im Februar 2016 vorgestellte Energiebericht unterstreicht. Bemerkenswert ist auch der hohe Anteil an eigenproduziertem Strom in der Stadt. Dieser lag bereits 2014 bei über 47 Prozent.

Matthias Funk machte deutlich: „Wir werden diese klimaschonende Form der Energieversorgung hier vor Ort weiter vorantreiben. Gleichzeitig gehen die SWG neue Themen an, die eine langfristig gute Entwicklung des Unternehmens sicherstellen.“ Hierzu ergänzte Jens Schmidt: „Das Jahr 2015 und die erste Jahreshälfte 2016 zeigen beispielhaft, wie die Marschroute für die kommenden Jahre aussieht.“

Klimaschonende Versorgungslösungen

Zu den wichtigsten Meilensteinen des zurückliegenden Geschäftsjahres gehört der Spatenstich zum Bau der zweiten thermischen Reststoffbehandlungs- und Energieverwertungsanlage, kurz TREA 2, im August 2015. Matthias Funk betreute das Großprojekt bereits als früherer Leiter der Abteilung Wärmeversorgung bei den SWG. Er fasste bei der Bilanzpressekonferenz zusammen, warum die neue Anlage Gießen und die Region in Sachen Energiewende einen weiteren großen Schritt voranbringen wird: „Die TREA 2 produziert auf klimaschonende Art genug Wärme, um allein den Bedarf von rund 4.200 Einfamilienhäusern zu decken. Gleichzeitig rechnen wir mit einer jährlichen Stromerzeugung von etwa 40.600 Megawattstunden. Das reicht, um 13.500 Durchschnittshaushalte zu versorgen.“ Dank des neuen Kraftwerks wird der CO2-Ausstoß vor Ort jährlich um zirka 28.000 Tonnen sinken.

„Die TREA 2 steht für unseren Slogan ‚Mit Energie. Für die Region.’, ebenso wie auch andere Projekte auf dem Gebiet der Energieversorgung, die wir angestoßen oder umgesetzt haben“, betonte Jens Schmidt. Dazu gehört der Aufbau von kommunalen Wärmenetzen wie beispielsweise in einem Neubaugebiet in Hungen oder die Installation einer klimaschonenden Wärme- und Kälteversorgung wie unter anderem bei der Bänninger Kunststoff-Produkte GmbH in Reiskirchen.

Mehr als Strom und Wärme

Auch abseits des Themas Energie erfüllen die SWG seit jeher eine wichtige Funktion in der Region und übernehmen Verantwortung. Beispielsweise als Partner bei großen Veranstaltungen wie dem Landesturnfest, das 2015 in Gießen stattfand. Das langfristige Engagement für den MTV 1846 Gießen, die Tour der Hoffnung, die Laufserie „Mittelhessen-Cup“ oder den „SWG-Pokal“ gehört ebenso dazu. „Institutionen, Vereine, Projekte und Einrichtungen in Mittelhessen zu unterstützen, hat bei uns schon immer einen großen Stellenwert. Daran wird sich auch künftig nichts ändern“, versprach Jens Schmidt. „Als einer der wichtigsten Akteure hier vor Ort liegt es uns am Herzen, die Region in allen Bereichen voranzubringen – von Energie und Mobilität über Sport und Freizeit bis hin zu Forschung, Entwicklung, Wissenschaft und Bildung.“

Auf Basis dieses Ansatzes entstand bei den SWG auch die Idee, jungen Menschen eine Plattform zu bieten, um innovative Konzepte weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu bringen. Anfang Januar 2016 gab das Unternehmen in neuen Räumlichkeiten auf dem Gelände des Hauptgebäudes in der Lahnstraße den Startschuss für die sogenannte GründerWerkStadt. „Hier treffen Gründergeist und unsere eigenen Stärken zusammen. Der Austausch untereinander und persönliche Gespräche sind sehr wichtig, wenn es darum geht, neue Ansätze zu finden und daraus praktikable Lösungen zu entwickeln“, erläuterte Matthias Funk. „Wir schaffen nun mit der GründerWerkStadt nicht nur einen Mehrwert für die Start-ups und uns selbst, sondern leisten ebenso einen Beitrag für Gießen und Mittelhessen. Denn Innovationskraft ist ein zentraler Aspekt, wenn es um die wirtschaftliche Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit einer Region geht“, machte Jens Schmidt deutlich.

Dieser Gedanke steht auch hinter der langjährigen Kooperation mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Zwei aktuelle Projekte belegen, welch intelligente Lösungen diese Zusammenarbeit zutage fördert. Das Kompetenzzentrum für Energie- und Umweltsystemtechnik an der THM entwickelt derzeit mit Unterstützung der SWG ein Verfahren, um Klärschlamm zu trocknen und ihn als Brennstoff einzusetzen. Die Methode habe gleich mehrere Vorteile, wie Matthias Funk erläuterte: „Uns würde ein regenerativer Brennstoff mit einem guten Energiegehalt zur Verfügung stehen, den wir in unserer TREA zur klimaschonenden Energieerzeugung einsetzen könnten. Ganz automatisch würden wir damit die Frage nach der Entsorgung des Klärschlamms lösen.“

Abfälle zu nutzen, um sie sinnvoll einzusetzen, bildet auch die Basis einer weiteren Forschungsarbeit der THM. Die Wissenschaftler arbeiten an einem großen Stromspeicher, der mit sogenannten Ligninen

funktioniert. Diese fallen in riesigen Mengen unter anderem bei der Papierherstellung an. „Wir haben großes Interesse, diese zukunftsweisende Technologie als Projektpartner zu erproben“, betonte Jens Schmidt.

Digital und mobil

Dass die SWG vorausdenken und heute moderne Rahmenbedingungen schaffen, dafür sind die Kooperation mit der THM und die GründerWerkStadt nur zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Mit einem frei zugänglichen WLAN hat das Unternehmen Anfang 2016 die digitale Infrastruktur der Gießener Innenstadt auf neue Beine gestellt. „Dieses Engagement in der Kommunikationstechnik war für uns Neuland, das wir ganz bewusst betreten haben, um uns und die Stadt auch auf diesem Feld weiterzuentwickeln“, erklärte Jens Schmidt. Das gilt aus Sicht von Matthias Funk ebenso für den neuen Onlineservice des Energieunternehmens und den Onlinevertragsabschluss: „Wir öffnen uns den neuen Themenfeldern, lernen dabei, uns sicher auf ihnen zu bewegen, und sind dadurch in der Lage, Service und Dienstleistungen für unsere Kunden stetig zu optimieren.“

Ein weiteres Feld, für das diese Aussage gilt, ist die Elektromobilität. Auch hier haben die Stadtwerke Gießen 2015 und im ersten Halbjahr 2016 eine Menge bewegt. Auf dem Besucherparkplatz gegenüber dem SWG-Hauptverwaltungsgebäude in der Lahnstraße und auf dem Parkplatz vor dem Badezentrum Ringallee installierte das Unternehmen jeweils eine Stromtankstelle. Der Betrieb liegt ebenfalls in Händen der Stadtwerke Gießen. Elektroautos, E-Roller und Elektrofahrräder können dort klimaschonend erzeugten „Gießener Grünstrom“ tanken. „Gemeinsam mit der Stadt Gießen schaffen wir heute die Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft. Denn gerade im innerstädtischen Bereich und für Kurzstrecken werden Elektromobile die herkömmlichen Fahrzeuge langsam ablösen“, erklärte Jens Schmidt.

Genau deshalb gehen die SWG nun noch einen Schritt weiter. Seit einigen Wochen bieten sie unter dem Namen „DrivE“ einen speziellen Stromliefervertrag an – inklusive attraktiver Einkaufsvorteile für einen Elektroroller der Marke unu. „Das alles zeigt, in welche Richtung wir steuern – ohne dabei unser Kerngeschäft als Energieversorger und als Dienstleister zu vernachlässigen“, versicherte Matthias Funk und fügte hinzu: „Zudem wird das Thema Energieeffizienz in den kommenden Jahren weiter an Relevanz gewinnen – auch weil immer schärfere gesetzliche Vorgaben für Neubauten und sanierte Gebäude gelten.“

Stark mit Energie und Effizienz

Von der Erfahrung der SWG in Sachen Energieeffizienz profitieren immer mehr Unternehmen und Privathaushalte in der Region und darüber hinaus. Unter dem Namen „En5“ bieten die Stadtwerke Gießen seit 2009 moderne Energiedienstleistungen an. „Mit großem Erfolg“, unterstrich Jens Schmidt bei der Pressekonferenz am vergangenen Freitag. „2015 haben wir einige neue Projekte umgesetzt. Mehr als 100 Geschäftskunden profitieren heute von unserer Erfahrung auf dem Gebiet der Energieeffizienz – unter anderem als Vertragspartner über ein Wärme-Contracting.“

Im Privatkundenbereich stößt das Dienstleistungsangebot ebenfalls auf großes Interesse. Hauseigentümer und Bauherren nutzen das Fachwissen der SWG-Mitarbeiter – etwa wenn es um einen hydraulischen Abgleich, einen Energieausweis oder Thermografieaufnahmen geht. „Es zeigt, dass wir sehr gut aufgestellt sind – von der Erzeugung vor Ort über die Versorgung bis hin zur Rundumdienstleistung. Genau das zeichnet heute ein modernes Energieunternehmen aus“, erklärte Matthias Funk. „Und wir stellen jetzt die Weichen, damit wir auch in Zukunft ein modernes Energieunternehmen bleiben“, ergänzte Jens Schmidt.

Gasnetz: Aufgabe für die Zukunft

Eine Herausforderung, der sich die SWG in den kommenden Jahren stellen, ist die Umstellung vom sogenannten L-Gas auf H-Gas. Diese hat folgenden Grund: Deutschland und die Niederlande drosseln ihre Erdgasförderung immer weiter. Die wegfallenden Mengen L-Gas müssen durch höherwertiges H-Gas aus dem Nahen Osten oder Russland ersetzt werden. Deshalb sind an vielen Anlagen Anpassungen erforderlich – ein gewaltiges Infrastrukturprojekt für die deutsche Gaswirtschaft. Im Netzgebiet der SWG-Tochtergesellschaft MIT.N sind etwa 35.000 Gasgeräte betroffen. 2019 und 2020 steht der Umbau an. Jens Schmidt verwies allerdings darauf, dass keineswegs jeder ältere Heizkessel ausgetauscht werden muss: „In den meisten Fällen reichen kleinere Arbeiten wahrscheinlich aus, die für den Kunden allerdings keine unmittelbaren Kosten verursachen.“