Henri Hohenemser

In der ehemaligen Stadtbibliothek, dem heutigen "KiZ" (Kultur im Zentrum), Südanlage 3a, 35390 Gießen, eröffnet OB Grabe-Bolz am 17. Juni eine neue Ausstellung. Zu sehen sind vom 17. Juni bis 14. August 2016 Gemälde und Zeichnungen von Henri Hohenemser. Hier die Fakten:

Öffnungszeiten: Di-So 10.00-17.00 Uhr

Eröffnung: 17.06.2016, 19.00 Uhr
Begrüßung: Dietlind Grabe-Bolz, Oberbürgermeisterin der Stadt Gießen
Einführung: Birgit Brunk, Kunsthistorikerin, Museum der bildenden Künste Leipzig

Rahmenprogramm:

  • 28.06.2016, 19.00 Uhr: Thommie Bayer präsentiert seinen neuen Roman „Weißer Zug nach Süden“, Moderation: Anna-Lena Heid, Literarisches Zentrum Gießen
  • 06.07.2016, 19.00 Uhr: Gießener Schauspieler lesen Textauszüge im Rahmen der Buchpräsentation „Der Schnittlauchtopf“ von Henri Hohenemser
  • 14.08.2016, 11.00 Uhr: Führung durch die Ausstellung mit Birgit Brunk (weitere Führungen nach Vereinbarung unter 0641 306 2019)

Zur Ausstellung erscheint das erweiterte und überarbeitete Werkverzeichnis zu den Gemälden und Zeichnungen von Henri Hohenemser (110 Seiten, 81 Abbildungen).


Melancholie der Gegenwart

Die Ausstellung zeigt einen Überblick über das gesamte künstlerische Schaffen des 2014 verstorbenen Künstlers Henri Hohenemser. Neben großformatigen Leinwänden werden auch kleinere Zeichnungen und Skizzen zu sehen sein, die zum Teil erstmalig in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Hohenemser ist vor allem als Theaterregisseur bekannt geworden, u.a. hatte er das Schauspiel des Stadttheaters Gießen von 1978 bis 1984 geleitet. Weniger bekannt ist, dass er neben seiner Theatertätigkeit kontinuierlich bildkünstlerisch gearbeitet hat und seit 2007 ein eigenes Atelier in Gießen eingerichtet hat, in dem er auch größere Formate verwirklichen konnte.
Es sind geheimnisvolle phantastische Welten, denen sich der Betrachter in der Ausstellung gegenüber sieht: Florale Stadtschluchten und nächtliche Traumlandschaften mit verloren wirkenden Gestalten. Es ist nicht das Bild einer heiteren schönen Welt, das Hohenemser zeichnet. Stürzende Menschen, untergehende Schiffe, explodierende Vulkane, eingebunden in instabile schräge Bildebenen, sind deutliche Hinweise auf eine aus den Fugen geratene Welt. Seine Malweise zeigt Bezüge zum Phantastischen Realismus auf, der gern apokalyptische Inhalte in altmeisterlicher Feinmalerei darbietet.
Hohenemsers Blick auf die Welt ist von einer tiefen Melancholie geprägt, die den Fortschrittsglauben der Moderne in Frage stellt. Gleichzeitig wird ein fundamentales Vertrauen in die Kraft der Kunst und eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage nach einer adäquaten malerischen Wahrnehmung der zeitgenössischen Welt spürbar.

Birgit Brunk, Kuratorin, 2016


Der Künstler

Henri Hohenemser (6.10.1946 in München geboren, 5.9.2014 in Gießen gestorben)

1971 – 1974
Regieassistent am Schiller-Theater in Berlin und Thalia-Theater in Hamburg
Zusammenarbeit mit George Tabori, Hans Schweikart, Boy Gobert, Samuel Beckett, Fritz Kortner, Boleslaw Barlog, Hans Hollmann, Jürgen Flimm
Regiearbeiten an den Theatern Oberhausen und Ingolstadt, Thalia-Theater Hamburg, Theater in der Kunsthalle Hamburg

1975 – 1976
Regisseur und Dramaturg am Stadttheater Bremerhaven

1976 – 1978
Leitender Regisseur und Dramaturg an den Städtischen Bühnen in Essen

1978 – 1984
Leitung des Schauspiels am Stadttheater Gießen
Gastinszenierungen u.a. am Schauspielhaus Zürich, Staatstheater Darmstadt, Städtische Bühnen Essen

1985 – 1993
Leitung des Schauspiels der Städtischen Bühnen Augsburg
Mitglied der Jury zur Vergabe des Förderpreises von Schauspiel und Gesang des bayerischen Kultusministeriums

1986
Thurn und Taxis-Preisträger bei den Bayerischen Theatertagen für die beste Inszenierung mit Einsame Menschen von Gerhard Hauptmann

1988
Thurn und Taxis-Preisträger bei den Bayerischen Theatertagen für die beste Inszenierung mit Gefährliche Liebschaften von Christopher Hampton

1993 – 2007
Gastinszenierungen als freier Regisseur und Bühnenbildner, u.a. : Stadttheater Bielefeld, Stadttheater Oldenburg, Freilichttheater Ingolstadt, Theater Regensburg, Theater Trier, Stadttheater Pforzheim, Stadttheater Augsburg, Stadttheater Euskirchen, Theater Erfurt, Stadttheater Gießen, Staatstheater Darmstadt
Lehrtätigkeiten

1980 – 1983
JLU Gießen, Fachbereich Germanistik
Mitglied der Findungskommission für den Studiengang Drama Theater Medien (heute: Institut für Angewandte Theaterwissenschaft)

1988 – 1990
Universität Augsburg, Fachbereich Germanistik

2002 – 2007
Lehrauftrag an der Hochschule für Darstellende Kunst und Musik in Frankfurt a.M.
Ausstellungen (Malerei und Grafik)

1952 – 1958
Unterricht im Malen und Zeichnen bei Prof. H. Steidle an der internationalen Jugendakademie in München
Teilnahme an Ausstellungen der internationalen Jugendbibliothek München in Japan und Amerika

2000
Zeichnungen, Illustrationen, Ölbilder, Sparkasse Graben-Neudorf/Philippsburg (EA)

2001
Zeichnungen, Illustrationen, Ölbilder, Galerie Heilig, Bruchsal (EA)

2001
Zeichnungen und Ölbilder, Atelier Rittergut Mühlenhof, Immenhausen (GA)

2004
Bilder und Skulpturen, Galerie Kronberg (GA)

2005
Traum, Oleander, Vorhang, Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Frankfurt a.M. (EA)

2007
Gemälde, Haus für Textil und Design, Berlin (EA)
Texte und Veröffentlichungen

1993 – 2009
Theaterstücke (zwei Uraufführungen), Jugendbuch, unveröffentlichte Komödien, Illustrationen in Die eigene Welt von Otto Winzen