Zahlen & Fakten
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Die regionale Konjunktur im Frühjahr 2016 zeigt eine positive Tendenz. Nach einem guten Jahresbeginn hat sich das wirtschaftliche Klima leicht verbessert. Das Niveau der Vorjahresumfrage wurde ausgebaut. Die derzeitige Geschäftslage wird überwiegend positiv eingeschätzt. Jedoch nimmt dieser Optimismus hinsichtlich der zukünftigen Geschäftslage etwas ab.

Die Gemeinschaftsprognose der führenden Wirtschaftsinstitute geht von einem 1,6 prozentigem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das laufende Jahr aus. Für das kommende Jahr liegen die Einschätzungen bei einer Steigerungsrate von 1,5 Prozent. Laut DIHK legte die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn das stärkste Wachstum seit zwei Jahren hin. Hauptgründe für verbesserte Rahmenbedingungen liefern die Steigerungen der Lohn- und Tarifeinkommen, der fortwährende Beschäftigungsaufbau sowie die Kaufkraftgewinne infolge gesunkener Energiepreise. Die expansive Geldpolitik und die Euroschwäche, stärken die Exportnachfrage und entlasten die öffentlichen Haushalte. Dies stützt auch die Aussichten der hiesigen Wirtschaft.

Bedeutend für den beständigen Aufschwung ist die starke Binnennachfrage zusammen mit der wieder steigenden Exportnachfrage. Verantwortlich für positive Außenhandelsbilanzen ist zurzeit besonders der Dollarraum, dessen Nachfrage bedingt durch den günstigen Wechselkurs markant gestiegen ist.

Insgesamt erreicht die Wirtschaft des IHK-Bezirkes einen Klimaindex von 116,9 gegenüber dem Vorjahreswert von 115,2. Die Steigerung ist wesentlich auf die positive Bewertung der aktuellen Lage zurückzuführen, welche sich trotz negativerer Zukunftsaussichten signifikant auf den Index auswirkt. Zu Beginn dieses Jahres lag der Wert bei 116,5. Der Klimaindex 100 gilt generell als „ Zufriedenheitsschwelle“, ab hier ist das Ergebnis „befriedigend“ bzw. wird immer besser. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Die Umfrage fand von Ende März bis Anfang Mai bei knapp 1.700 Unternehmen aus den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau statt.

Landkreis Gießen bestes Ergebnis/ Wetterau im Durchschnitt/ Vogelsberg schwächt ab

Der Landkreis Gießen liegt an der Spitze des IHK-Bezirks und konnte mit einem Klimaindex von 128,1 den guten Vorjahreswert von 122,2 noch übertreffen. Zu Jahresbeginn lag der Wert bei 124,7. Als Treiber der Region erweist sich abermals das florierende Baugewerbe mit einem Klimaindex von 155,4, wobei der Vorjahreswert mit 137,9 schon mehr als zufriedenstellend hoch lag. Das Sorgenkind Einzelhandel schien sich zu Jahresbeginn mit einem Wert von 108,0 zu erholen, dieser liegt jedoch für das aktuelle Frühjahr mit 90,1 deutlich unter der Zufriedenheitsschwelle. Der Vorjahreswert lag bei 87,3. Die Investitionsgüterproduzenten leiden unter der Investitionsschwäche der Wirtschaft und weisen nach sinkender Tendenz des letzten Jahres einen kritischen Wert von gerade 100,0 auf. Das Gastgewerbe scheint mit 129,1 gesund, trotz gut 10 Punkten Verlust im Vergleich zum Frühjahr 2015.

Die Wirtschaft im Wetteraukreis liegt mit einem Klimaindex von 117,5 im Durchschnitt des IHK-Bezirks. Im Vorjahr lag der Wert mit 112,5 etwas niedriger; zu Jahresbeginn mit 117,6 etwa gleich auf. Als geschwächte Branchen entpuppen sich die Gebrauchs- und Verbrauchsgüterproduzenten, die lediglich auf einen Wert von 96,8 kommen. Im Vorjahr lag dieser noch bei deutlich positiveren 149,7, die Schwäche des Sektors zeichnete sich mit 115,5 Punkten zu Jahresbeginn bereits ab. Auch die Investitionsgüterproduzenten sind mit 91,3 noch angeschlagener als die des Landkreises Gießen. Das Baugewerbe erweist sich mit konstanten 127,9 auch hier als verlässlicher Motor. Der Einzelhandel gilt mit einem Wert von 105,7 als zufrieden.

Für die Unternehmen des Vogelsbergkreises ergibt sich ein Klimaindex von 97,9. Innerhalb des letzten Jahres befand er sich noch knapp über der Zufriedenheitsschwelle. Auch das sonst hier zuverlässige Baugewerbe macht Abstriche und erreicht derzeit nur 111,8 zu einem Vorjahreswert von 149,7 und 122,2 zu Jahresbeginn. Einzig die Investitionsgüterproduzenten verzeichnen wirklich gute Nachrichten. Für sie ergibt sich ein aktueller Wert von 137,9, der in Anbetracht des Vorjahreswerts mit einer Verbesserung von gut 60 Punkten bemerkenswert ist. Insgesamt landet der Vogelsbergkreis jedoch fast in jeder Branche auf dem hinteren Platz des IHK-Bezirks. Das Gastgewerbe kann nur den unzureichenden Vorjahreswert von 86,6 halten wobei der Einzelhandel gar weiter einbüßt und von 96,8 Punkten im Mai 2015 kontinuierlich auf derzeitig 74,0 abgestiegen ist.

Gegenwart gewinnt, Zukunft eher ungewiss

Insgesamt sind derzeit 42,6 Prozent der Betriebe zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage. In der Vorjahresumfrage waren es genau 37,4 Prozent. Unzufriedenheit mit der derzeitigen Lage äußern 10,5 Prozent der befragten Betriebe. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein verbesserter Stimmungssaldo von nun 32,1 Prozent zu 26,1. Jedoch sinkt der Saldo hinsichtlich der zukünftigen Geschäftslage von 5,1 im Frühjahr 2015 auf 3,4 Prozent derzeit, liegt aber noch im positiven Bereich.

Der Blick in die nahe Zukunft bleibt ungewiss, was nicht gerade zu Planungssicherheit seitens der Unternehmen führt. Die derzeitige Konjunktur basiert auf der starken Binnenwirtschaft gestützt durch niedrige Ölpreise und günstige Wechselkurse für Exportunternehmen. Zudem schlägt die Mehrarbeit in der Baubranche aufgrund des milden Winters positiv zu Buche. Doch besteht dieses Zusammenspiel günstiger Bedingungen und Nachwirkungen nur auf Zeit. Steigende politische Risiken, der drohende „Brexit“ sowie ausbleibende Investitionen und nicht zu vergessen die Schwäche der größten Volkswirtschaft China, gefährden die Stabilität zusätzlich.

Als Risiken für die Entwicklung sehen die hiesigen Unternehmen vorwiegend die Gefahr der nachlassenden Inlandsnachfrage. 70 Prozent der Gebrauchs- und Verbrauchsgüterproduzenten führen dies an sowie 68 Prozent der Investitionsgüterproduzenten. Aber auch steigende Arbeitskosten schlagen negativ zu Buche: 62,2 Prozent der Betriebe im Baugewerbe vermelden Sorgen diesbezüglich, dicht gefolgt vom Fachkräftemangel in diesem Sektor mit 56,8 Prozent. Als Hauptmotiv für die Risiken der Entwicklung gaben die befragten Unternehmen vorwiegend den Ersatzbedarf und ferner Rationalisierungsmaßnahmen, Produktinnovationen und Kapazitätserweiterungen an.

 

17.05.2016 
Quelle: IHK Gießen-Friedberg