Malereikurs an der Gießener Volkshochschule
© Anja Schaal 

Seit elf Jahren in Folge bietet die Volkshochschule Gießen unter Leitung von Prof. Martin Seidemann einen außergewöhnlichen und begehrten Kurs für Malerei an, für den regelmäßig Interessenten aus ganz Deutschland anreisen. Der freischaffende bildende Künstler Martin Seidemann ist seit vielen Jahren in der Kunstlehre tätig und seit 2011 Honorarprofessor für Kunstpraxis an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee sowie künstlerischer Leiter der Sommerakademie Marburg.

Ende März arbeiteten die Kursteilnehmer an sechs aufeinander folgenden Tagen intensiv am Ausgangsthema der menschlichen Figur. Dabei entwickelte sich in den letzten Jahren zunehmend der Schwerpunkt auf das nichtgegenständliche, freie Arbeiten. In diesem Jahr widmete sich der Kurs am Vormittag der Arbeit an freien Kompositionen, die mit theoretischen Bezügen und Bildbeispielen in der Gruppe reflektiert wurden, um dann nachmittags in der Arbeit mit Aktmodellen den Bezug zum Figürlichen wieder zu finden.

Malereikurs an der Gießener Volkshochschule
© Anja Schaal 
Viele Teilnehmer belegen den Kurs seit Jahren in Folge, da Martin Seidemann eine stetige künstlerische und individuelle Weiterentwicklung im Blick hat und jährlich gemeinsam mit den Teilnehmern neue Schwerpunkte setzt. „Kunst ist ja nicht nur Kunsthandwerkliches, sondern ein Entwicklungs- und Lebensprozess. Ich sehe Dinge, ich erlebe und lerne Dinge und die verändern mich“ erklärt Seidemann. Für Seidemann ist die große Motivation und die Intensität des Arbeitsklimas das besondere an den Volkshochschulkursen: „Alle wissen, es sind nur sechs Tage und man konzentriert sich darauf, alles rauszuholen. Zudem ist die Zielstellung eine besondere. Es gibt keine Benotung, keinen Leistungsdruck, außer den eigenen Anspruch, der für mich jedenfalls und vom Selbstverständnis her, ins Professionelle geht“. Durch die individuelle Förderung und ohne Konkurrenzdruck, fühlt man sich auch als Anfänger sofort aufgehoben, berichtet eine Teilnehmerin, die den Kurs seit nun seit zwei Jahren belegt. Diese besondere Atmosphäre wird auch von anderen Teilnehmenden hervorgehoben. Man lebe für diese Tage komplett in einer Kunstwelt und lerne, durch die geduldige und engagierte Betreuung Seidemanns, konstruktive Kritik als Bereicherung zu empfinden. Der Kurs sei viel mehr als ein Malereikurs, er sei eine „Auseinandersetzung mit sich selbst und den Persönlichkeiten anderer Menschen“ lobt eine Teilnehmerin.

Malereikurs an der Gießener Volkshochschule
© Anja Schaal 
Für einige Teilnehmer bildete der VHS Kurs die Möglichkeit eines zweiten, künstlerischen Bildungswegs. Im Kurs trifft man Menschen, die die eigenen Interessen teilen und bildet Netzwerke. Man zeigt viel von sich in diesen sechs Tagen, berichtet eine Teilnehmerin, und dadurch entstehen besondere Verbindungen. Mit den Jahren haben einige angefangen, sich selbst ein Atelier einzurichten, als freie Künstler zu arbeiten und Ausstellungen zu organisieren. „Man arbeitet sozusagen an der eigenen Konkurrenz“ schmunzelt Seidemann, doch profitiere in einer künstlerischen Gemeinschaft am Ende jeder vom Austausch: „Es ist immer so, dass man etwas zurückkriegt“.

 

vhs.giessen.de