Thomas Rühl

30 Jahre Erfahrung, über 80 Mitarbeiter und immer auf Innovationskurs: Thomas Rühl, Gründer und heutiger Vorstandsvorsitzender der CURSOR Software AG, gab beim Gießener Gründerstammtisch am 15. März viele wertvolle Tipps aus der unternehmerischen Praxis.

Die Idee zur Gründung des Unternehmens entstand, als Rühl seinem damaligen Chef vorschlug, die bisher auf Großrechnern eingesetzten CRM-Systeme als kleinere und somit kostengünstigere Lösung auch für PCs anzubieten. „PCs sind Spielzeuge und diese Spielzeuge werden sterben“ - dieser Satz, mit dem sein Chef die Idee seinerzeit abtat, läutete die Geburtsstunde von CURSOR ein. Mit kleinem Startkapital und großer Motivation startete Rühl 1986 in die Selbständigkeit und führt das Gießener Unternehmen bis heute.

Natürlich waren diese 3 Jahrzehnte auch von Herausforderungen geprägt. Hohe Hürden waren beispielsweise die Betriebssystem-Wechsel (von DOS über Windows zu Web), die bei der CRM-Software jedes Mal eine grundsätzliche Neuentwicklung erforderlich machte. In der Anfangszeit stellten Liquiditätsschwankungen das damals kleine Unternehmen vor Probleme. Sogar die Hausbank leistete sich einen dicken Fauxpas, der jedoch schnell korrigiert wurde. Dies verband Rühl mit dem Appell, sich von Geschäftspartnern, die nicht oder nicht mehr passen, zu trennen – seien es Berater, andere Dienstleister oder auch Mitarbeiter.

Trotz schwieriger Phasen ging es mit CURSOR stetig bergauf, was nicht zuletzt auch dem Hochschulstandort Gießen geschuldet ist. Rühl: „Das unschlagbare Argument für Gießen sind die fast 40.000 Studierenden“. So gewinnt CURSOR die Mitarbeiter zum großen Teil aus den drei mittelhessischen Hochschulen. Typischer Werdegang: Erst studentische Aushilfe, dann Bachelor- oder Masterarbeit bei CURSOR – und später die Festanstellung mit Perspektive nach ganz oben. „Die meisten unserer Führungskräfte sind bei uns groß geworden“, so Rühl, der auch inhaltlich eng mit den Hochschulen zusammenarbeitet. So bekommen Studenten der JLU im e-business-Semester die Aufgabe, die Vorteile und den ROI einer Einführung einer CRM-Software einer aus CURSOR-Vorstand und Hochschul-Vertretern bestehenden Jury zu präsentieren. „Das machen die Studenten erstklassig, und deshalb bieten wir den Besten direkt nach der Präsentation konkrete Stellen an“, erläutert Rühl. Und ergänzt: „Man neigt als Unternehmer erst einmal dazu, sich selbst für den Besten zu halten. Wenn man aber wirklich auf Qualität setzt, sollte man stets Mitarbeiter gewinnen, die in ihren Aufgaben besser sind, als man selbst.“

Im intensiven Dialog mit den sichtlich interessierten Gründerinnen und Gründern wurde im Laufe des Abends unter anderem thematisiert, warum man mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung immer Nischen besetzen sollte und wie man Wachstum organisiert. Bei CURSOR wurden aus jedem Euro Startkapital nachweislich 200 Euro Eigenkapital und stolze 3.333 Euro Steuern und Abgaben – in Summe 25 Mio. Euro für die Allgemeinheit. Umgekehrt hatte Rühl auch viele Fragen an die Jungunternehmer und Jungunternehmerinnen, setzte sich mit deren Ideen auseinander und äußerte sich abschließend sehr zuversichtlich über die Zukunftschancen der Start-Ups.

Der Gießener Gründerstammtisch findet immer am 15. eines Monats ab 19.00 Uhr im News Café statt. Initiiert vom Technologie- und Innovationszentrum Gießen, den Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Gießen, der IHK Gießen-Friedberg und dem Entrepreneurship-Cluster Mittelhessen steht der lockere Austausch der Gründerinnen und Gründer untereinander im Vordergrund dieses noch relativ neuen Angebots – immer kombiniert mit wechselnden, interessanten Gästen.

Am 15. April werden mit den „3steps“ die in 2014 prämierten Gießener „Kultur- und Kreativpiloten“ zu Gast sein. Nähere Informationen gibt es auf www.gruenderstammtisch-giessen.de.

 

23.03.2016 
Quelle: Technologie- und Innovationszentrum Gießen GmbH (TIG)