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"Gewalttätige Übergriffe erschütterten die gesamte Gesellschaft und natürlich auch die Teile der Gesellschaft, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und/oder einen sogenannten Migrationshintergrund aufweisen", erklärt der Vorsitzende des frisch gewählten Ausländerbeirats, Zeynal Sahin. Er äußert sich für den Ausländerbeirat der Stadt zu den Vorfällen in der Silvesternacht, die vor allem aus Köln bekannt wurden. Nach bisherigen öffentlichen Erkenntnissen ergäben sich Hinweise, dass es sich bei den Tätern um Männer handele, die vor kurzem nach Deutschland geflüchtet seien, so Sahin. "Wir verurteilen diese Taten und hoffen, dass alle Mittel des Rechtsstaates zum Einsatz kommen, um diese Taten zu ahnden."

Erklärungsmuster, die rein kulturspezifische Aspekte anführen, greiften laut Sahin zu kurz. Er sagt, dass vielmehr Rollenverständnis und Männlichkeitsbilder in den Fokus miteinbezogen werden sollten. Diese Vorstellungen seien ebenso kulturell geprägt wie Vorstellungen über das (Macht-)Verhältnis zwischen Männern und Frauen. "Jedoch bedarf es einer differenzierten Betrachtung auf juristischer, ethischer und integrationspolitischer Ebene ohne Pauschalisierungen und Simplifizierungen", führt Sahin weiter aus.

Der Vorsitzende gibt zu bedenken, dass die Bemühungen staatlicher, aber vor allem zivilgesellschaftlicher Akteure um die Integration von jüngst geflüchteten Menschen nicht durch strafrechtliche Handlungen diskeditiert oder infrage gestellt werden sollten. Diese Bemühungen seien wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Sahin weiter: "Wir appellieren an alle Akteure im Integrationskontext, dass offen und konstruktiv über Geschlechterrollen und Sexualität gesprochen wird - auch damit deutlich wird, welche Werte hierzulande herrschen und damit sowohl Männer als auch Frauen eine breitere Perspektive als ein häufig traditionelles, patriarchal geprägtes Rollenbild bekommen. Besonders das problematische Frauenbild bestimmter Gruppen, welches Frauen entrechtet, muss thematisiert und deutlich gemacht werden; dass dieses in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung keinen Platz hat."

"Wir appellieren an die Gesamtgesellschaft, diese Vorfälle nicht als einen fruchtbaren Boden für rechte Parolen herzugeben. Denn diese nutzen bereits diese Vorfälle, um politisches Kapital zu schlagen, indem sie Rechtsstaatlichkeit ihrerseits einfordern und gleichzeitig Polizisten und Polizistinnen angreifen, welche den Rechtsstaat repräsentieren. Wir appellieren an Polizei, Staatsanwaltschaft und die Justiz, alles nötige zu tun, um die Täter gerecht zu bestrafen und zugleich die Opfer zu schützen", so Sahin abschließend.

 

19.01.2016 
Quelle: Ausländerbeirat der Stadt Gießen