Telefon und Tastatur
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Ergebnisse der bundesweiten Online-Umfrage der Verbraucherzentralen liegen vor

Trotz einer Gesetzesänderung im Herbst 2013 stellt Telefonwerbung weiterhin ein Ärgernis dar. Nach wie vor gehen täglich Beschwerden bei den Verbraucherzentralen ein. Betroffene beklagen, dass sie durch aggressive Verkaufsmaschen am Telefon überrumpelt werden. „Nicht selten schließen Verbraucher Verträge ab, ohne sich darüber im Klaren zu sein“, weiß Susanne Pertermann, Leiterin der Beratungsstelle Gießen der Verbraucherzentrale Hessen. Im Zeitraum vom 01. Juli 2014 bis zum 15. November 2015 haben knapp 5.500 Verbraucher an einer bundesweiten Online-Umfrage der Verbraucher-zentralen zum Thema „unerlaubte Telefonwerbung“ teilgenommen. Die Auswertung ergab, dass über 90 Prozent der Befragten Werbeanrufe erhalten. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen gab an, dass sie einer Telefonwerbung zuvor nicht zugestimmt hatten. Es wurde deutlich, dass die Gefahr der Verbraucher, durch offensive Verkaufstaktiken am Telefon überrumpelt zu werden, weiterhin besteht. Hierauf weisen auch 19.500 Beschwerden hin, die in der gleichen Zeit bei den Verbraucher-zentralen zu diesem Thema eingingen. Die Ergebnisse der Umfrage sind auf www.verbraucher.de/unerlaubte-telefonwerbung-2015 veröffentlicht.

Im Oktober 2013 trat das sogenannte Anti-Abzocke-Gesetz in Kraft. Seitdem sind telefonisch geschlossene Verträge, die über die Teilnahme an Gewinnspielen zustande kamen, nur noch wirksam, wenn sie schriftlich bestätigt werden. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen zum einen, dass nach wie vor Anbieter von Gewinnspielen unerwünschte Werbeanrufe tätigen. Zum anderen wurde deutlich, dass es längst nicht mehr nur Gewinnspielanbieter sind, die durch dreiste Maschen am Telefon auffallen. „Bezeichnend ist, dass Werbeanrufe durch Telefonanbieter oder Energieversorger im Verhältnis deutlich zugenommen haben“, so Peter Lassek, Referent für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Hessen. Diese Branchen wurden von der Gesetzesänderung nicht erfasst. „Daher ist es erforderlich, dass die gesetzlichen Regelungen nachgebessert werden“, fordert der Jurist.

„Unerbetene Werbeanrufe stellen eine unzumutbare Belästigung dar und sind verboten. Trotzdem können im Rahmen eines solchen Telefonats wirksame Verträge geschlossen werden“, warnt Pertermann. Und das ist das Dilemma für den Verbraucher. Will er sich vom untergeschobenen Vertrag lösen – zum Beispiel durch Ausübung seines in vielen Fällen bestehenden Widerrufsrechts – muss er selbst aktiv werden.

An vorderster Stelle steht inzwischen der Vertrieb von Produkten der Ener­gieversorger. „Der Gesprächspartner am Telefon gibt vor, den Kunden im Auftrag seines derzeitigen Versorgers anzurufen“, sagt Peter Lassek. Erst mit Zusendung der Vertragsunterlagen bemerken aufmerksame Leser, dass es sich hierbei um einen Anbieterwechsel handelt. „Auf diese äußerst unverschämte Weise wird versucht, den Verbrauchern einen Vertragsab­schluss unterzuschieben“, so Lassek weiter. „Es gibt immer wieder Menschen, die auf diese Masche hereinfallen und die Unterlagen des neuen Energieversorgers unterzeichnen.“

Diese Form der Überrumpelungstaktik gibt es aber auch bei vielen anderen Arten von Verträgen, die am Telefon abgeschlossen werden. Angebote zur Lieferung von Nahrungsergänzungsmitteln und zu Zeitschriftenabonne­ments, die angeblich aus einer Testlieferung bestehen, stellen sich im Nachhinein als langfristige Abonnementverträge heraus. Sogenannte „Datenzentralregister“ wollen den Verbraucher angeblich vor lästiger Wer­bung anderer Firmen schützen, schicken dann aber im Nachhinein Zah­lungsaufforderungen im dreistelligen Bereich. Viele Verbraucher berichten auch von belästigenden Anrufen durch Tele­kommunikationsunternehmen sowie von aggressivem Telefonvertrieb in der Versicherungsbranche.

 

07.01.2016 
Quelle: Verbraucherzentrale Hessen