Arbeitskreis Personalverantwortliche bei der IHKDer Grundsatz des deutschen Arbeitsrechts „Ohne Arbeit kein Lohn“ gilt nicht uneingeschränkt. Als wichtigste Ausnahmen sind in diesem Zusammenhang Urlaub und Krankheit zu nennen.

Nachdem im Sommer beim Treffen des Arbeitskreises Personal der IHK Gießen-Friedberg der Fokus auf krankheitsbedingten Fehlzeiten und damit verbundene Fragen zur Entgeltfortzahlung lag, widmeten sich die Teilnehmer des Arbeitskreises Mitte November nun den aktuellen Fragen rund um das Thema Urlaub.

In kaum einem anderen Gebiet des Arbeitsrechts wurden in den letzten Jahren so merkbare Veränderungen vorgenommen. Dies basiert weitgehend auf der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und der damit verbundenen notwendigen Aufgabe des nationalen Grundsatzes, „wer nicht gearbeitet hat, hat auch kein Anrecht auf Erholungsurlaub“. Die hieraus abgeleiteten Regelungen zur Entstehung von Urlaubsansprüchen, aber auch deren Verfall, konnten im Lichte der Europarechtskonformität nicht unverändert bleiben. Bedauerlicherweise hat bislang nur die Rechtsprechung und nicht auch der Gesetzgeber die damit verbundene Änderung der nationalen Rechtslage berücksichtigt und bewertet. Der Fokus des Arbeitskreistreffens wurde daher auf die neuen Maßgaben bzw. die sich daraus für die Arbeitgeber ergebenden Handlungszwänge, aber auch -möglichkeiten gelegt.

Rechtsanwältin Julia-Christina Sator, Anwaltskanzlei Sator aus Gießen, stellte zunächst die Regelungen bzw. die fortschreitende Nuancierung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes und der nationalen Arbeitsgerichte vor. Es bestand für die Teilnehmer ausreichend Gelegenheit, Fragen aus der Praxis zu stellen. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Teilnehmer in Kleingruppen urlaubsrechtliche Konstellationen, wie sie jeden Tag in der betrieblichen Praxis vorkommen, und stellten die erarbeiteten Lösungen vor. Die Erörterungen zur „urlaubsrechtlichen Ausgleichsquittung“ oder „Abrechnung von Urlaubsansprüchen, wenn Arbeitnehmer im laufenden Arbeitsverhältnis versterben“, spiegelte die unterschiedliche Handhabung in der Praxis und die Notwendigkeit des Austausches in „Personalerkreisen“ wider. 

Die rege Beteiligung der Anwesenden lässt das Fazit zu, dass die Neuerungen im Urlaubsrecht für die Tagesarbeit der „Personaler“ überaus relevant sind und mit der Auswahl des Themas die Bedürfnisse der unternehmerischen Praxis getroffen wurden. Der Arbeitskreis Personal wird sich auch künftig in unregelmäßigen Abständen mit arbeitsrechtlichen Themen beschäftigen. 

Im Arbeitskreis Personal bietet die IHK Gießen-Friedberg Fachvorträge zu speziell ausgesuchten Personalthemen. Den Teilnehmern wird damit die Möglichkeit gegeben, aktuelle Trends und Tendenzen im Personalmanagement durch einen intensiven Erfahrungs- und Informationsaustausch frühzeitig zu erkennen. Ziel ist, ein effektives Netzwerk aus Praktikern aufzubauen, in dem alltägliche Fragen diskutiert und gemeinsam gelöst werden können. Interessierte Personaler können sich bei Sybille Block von der IHK Gießen-Friedberg, Tel.: 0641 7954-4025, E-Mail: block@giessen-friedberg.ihk.de melden.

 

01.12.2015 
Quelle: IHK Gießen-Friedberg