Flüchtlingsgeschichte Avne
© Bernd Kirchner 
Manchmal sind es die leisen Zwischentöne, die man gerne überhört. Und manchmal sind es dann die leisen, zurückhaltenden Menschen, denen man fast keine Beachtung geschenkt hätte. Avne ist 32 und kommt aus dem Kosovo. Er wirkt nervös, mit sorgenvoller Miene, da es seinem zweijährigen Sohn schlecht gehe. Wie ich erfahre, wurde die Familie bei ihrer Flucht in Tschechien von der Polizei aufgegriffen, das gesamte Geld wurde ihnen abgenommen und sie landeteten anschließend dort im Gefängnis. Und selbst als der Zweijährige aus Nase und Mund blutete wurde kein Arzt verständigt. Seinem Sohn gehe es noch immer schlecht, erzählt er aufgeregt meinem Übersetzer. Seine Frau sei hochschwanger und erwarte in den nächsten Wochen das Baby. "Es wird ein Gießener", scherzen wir noch und als ich mich dann anschließend durch den strömenden Regen auf den Heimweg mache, weicht er nicht von meiner Seite, bis ich mein Auto erreicht habe.

Danke Avne, dass ich dich kennenlernen durfte. Bleib stark für deine Familie.