Vortrag der Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich zur Hochschulentwicklung

„Stadtentwicklung und Hochschulentwicklung sind in Gießen aufs Engste miteinander verknüpft.“ (Gerda Weigel-Greilich)
Die Stadt Gießen hat die höchste Studierendendichte Deutschlands. Auch deshalb sind die Hochschulen ein überragender Wirtschaftsfaktor für die Stadt, weshalb sich die Stadtverwaltung intensiv an der Entwicklung und Bauprojekten der Hochschulen beteiligt. Beispiele dafür sind die Reorganisation des Campus Geisteswissenschaften mit dem Masterplan „Philosophikum“ sowie die Doppelnutzung zwischen Kino und THM am Berliner Platz.
Ein wichtiger Faktor der Stadtentwicklung ist es dabei, ausreichenden Wohnraum für Studierende, Forschende und Dozierende bereitzustellen. Der Fokus liegt dabei auf der Mobilisierung innenstadtnaher Potenziale und der Ausrichtung auf die Bedürfnisse studentischen Wohnens.
"Innenentwicklung ist ein mühsamer aber lohnender Prozess." (Gerda Weigel-Greilich)
2013 wurden Wohnbauvorhaben auf 10,8 ha Grundfläche fertiggestellt. Dies entspricht 783 Wohneinheiten (WE). Davon sind ca. 30 % oder 318 WE Studentenwohnheimplätze und Appartements. Der Anteil Geschosswohnungen von 50%, zeigt, dass die Stadt Gießen „urbane“ Wohnformen forciert, die sich auch für studentisches Wohnen eigenen.
Dieser Trend wird weitergeführt. Derzeit sind 22,25 ha/1375 WE in Umsetzung und weitere 9,45ha/595 WE in Planung. Bei einer Belegung von 1,75 Einwohner pro Wohneinheit ergibt dies Wohnraum für 4800 neue Einwohner. Die Anstrengungen im Wohnungsbau sorgen dafür, dass die Mietpreise derzeit im Durchschnitt unter denen anderer Universitätsstandorte liegen.
„Bei der Wohnraumversorgung und beim Mietpreisniveau steht Gießen gut da.“ (Gerda Weigel-Greilich)
Ein heute und zukünftig bedeutsames Thema der Kooperation zwischen Stadt und Hochschulen ist der Verkehr. Hier besteht eine gute ÖPNV-Erreichbarkeit. Trotz einiger Ergänzungen von Fahrradabstellanlagen und Radwegen steht weiterhin die Förderung des ÖPNV sowie des Radverkehrs im Vordergrund.
Aber auch andere Entwicklungen sind eng mit den Hochschulen verknüpft. So liegen die wichtigsten städtischen Freiräume meist in unmittelbarer Nähe zu den Campusarealen. Mit der Landesgartenschau 2014 konnte die Stadt die Gelegenheit nutzen, Grünräume an der Lahn und an der Wieseck qualitativ aufzuwerten. Insbesondere das zentrale Landesgartenschaugelände an der Wieseckaue liegt in unmittelbarer Nähe des Campus der THM und trägt zukünftig zu deren Attraktivierung bei. Die insbesondere im Südviertel attraktiven Grünflächen der Hochschule müssen vor stärkeren Eingriffen gesichert werden.
Gießen ist aber auch ein Dienstleistungsstandort. Daher ist es das Ziel der Stadtentwicklung, künftig mehr Studierende und Forscher nach Abschluss ihrer Hochschullaufbahn in Gießen halten zu können. Insofern liegen große Hoffnungen auf dem Neubau des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in der Technologie- und Gewerbefläche Leihgesterner Weg. Ebenso schreitet die Umnutzung des „US-Depots“ im Norden der Stadt voran, wo sich weitere Chancen für die Ansiedelung von Gewerbe und Produktionsbetrieben bieten.
Künftige Kooperationsprojekte zwischen Stadt und Hochschulen könnten zu den vorhandenen Tagungsmöglichkeiten eine Hotelergänzung am Standort der Kongresshalle sein oder auch Vorlesungsräumlichkeiten am ehemaligen Güterbahnhofstandort entwickelt werden.