Somalia
© Bernd Kirchner 
Gestern ging es mit Frau und Kind zu dem Supermarkt in der Nähe der Aufnahmeeinrichtung. Das "Einkaufserlebnis" ist dort aber eher bedrückend. Mir fällt gleich auf, dass es total still in dem Geschäft ist. Wir treffen auf einige Asylbewerber, vor allem Familien mit ganz kleinen Kindern. In den Körben finden sich oft nur sehr wenige Sachen wie Toastbrot und Wasser. Da nur eine Kasse offen ist und sich am hinteren Ende, wo bereits die Regale anfangen, an beiden Seiten Leute angesetellt haben, gibt es eine Auseinandersetzung, welche Schlange denn nun die richtige sei. Ein Mann im mittleren Alter herrscht eine 3er Gruppe von Asylbewerbern aggressiv an:"Hey, hier wird sich rechts angestellt..." Die drei schauen etwas verwirrt, gehen dann aber an eine andere Kasse. Wir stellen uns ebenfalls an und als ich vor dem Gebäude meinen Einkaufswagen zurückschiebe höre ich noch den Mann von der Security sagen:"Früher hätte es das nicht gegeben!" Auf dem Parkplatz treffe ich auf Bay Fall, einen jungen Mann aus Somalia, der seit 3 Monaten in Deutschland weilt. Er spricht gutes Englisch und wir scherzen gemeinsam darüber wie sein Name auf Deutsch klingt: "Beifall". "You know, we all want a good life!" (Weißt du, wir alle wollen ein gutes Leben), ist der Satz, der sich mir vor allem aus dem Gespräch einprägt. Und wo er herkomme wäre das nicht möglich: Es gibt keine Verwaltung, keine Schulen, keine Polizei, keine Sicherheit, keine Wirtschaft, keine Lebensgrundlage. Seine Eltern seien nicht mehr am Leben und er wäre alleine hier. Bevor ich weiter nachfragen kann, kommt sein Freund Shake auf dem Fahrrad vorbei, um ihn abzuholen und den Einkauf zu transportieren (3 Flaschen Wasser). Wir verabschieden uns und auch ich mache mich mit meiner Familie wieder auf den Heimweg ... Danke Bay Fall, dass ich dich kennenlernen durfte! Mögest du hier vor Krieg und Rechtlosigkeit sicher sein! Ich wünsche Dir ein gutes Leben!