Interview mit Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner

Autoren der Reihe "Max und die Wilde Sieben"

Dickreiter-Oelsner
© Frederik Walker 


Die beiden Autoren haben getrennt voneinander die Fragen beantwortet und uns versichert, dass sie nicht gespickt haben...





Wie sind Sie dazu gekommen, gemeinsam eine Reihe zu entwickeln?


Lisa-Marie Dickreiter: 
Winnie und ich sind seit 14 Jahren ein Paar – und genauso lange arbeiten wir auch
zusammen an Projekten. Das waren bisher Filme – also Drehbuch (ich) und Regie
(Winnie). Der Max ist unser erstes Kinderbuch, aber es macht uns so viel Spaß, dass
da bestimmt noch welche folgen werden.

Winfried Oelsner:
Wir sind ja seit fast 14 Jahren auch privat ein Paar und haben schon gemeinsam einige Drehbuch-Stoffe und Filme entwickelt. Als dann die Idee zu Max geboren war, dachten wir uns, warum nicht auch ein Kinderbuch zusammen schreiben? Und so kam eins zum anderen.

Wer hatte die Ursprungsidee?

Lisa-Marie Dickreiter:
„Ich heiße Max, ich bin neun und wohne im Altersheim.“ – dieser Satz schoss mir aus
heiterem Himmel durch den Kopf. Da mich dieser Satz neugierig machte und nicht
mehr losließ, erzählte ich Winnie davon und schon überlegten wir: Warum wohnt Max
im Altersheim? Wer wohnt da noch? Was ist das für ein Altersheim? Was für
Abenteuer erlebt Max dort?

Winfried Oelsner:
Die Ursprungsidee hatte Lisa, der auf einmal der Satz „Ich heiße Max, bin 9 Jahre alt und wohne im Altersheim“ im Kopf herumging. Lisa rief mich an und erzählte mir davon. Ich war von dem Satz auch fasziniert, so dass wir dann gemeinsam
überlegten, warum dieser Max wohl im Altersheim wohnt und was er da so alles
erleben könnte.

Was macht Spaß, wenn man zu zweit ein Buch schreibt?

Lisa-Marie Dickreiter:
Zu zweit ein Buch schreiben, ist viel spannender – man weiß nie, mit was für einer
aufregenden Idee, der andere gleich um die Ecke kommt. Es ist ein bisschen wie
Tischtennisspielen, die Ideen fliegen die ganze Zeit ping-pong-mäßig hin und her.

Winfried Oelsner:
Gemeinsam sich gegenseitig ganz viele Ideen an den Kopf zu werfen und zu schauen, wie der andere die Idee findet und was der dann zurückschmeißt.

Was ist problematisch, wenn man zu zweit ein Buch schreibt?

Lisa-Marie Dickreiter:
Klar, man ist natürlich nicht immer einer Meinung. Dann wird diskutiert. Schwierig ist
es, wenn Winnies Kritik mich an einer Stelle erwischt, an der ich beim Schreiben eh
schon das Gefühl hatte, dass ich mich vor einem Problem drücke. Zum Glück für die
Geschichte kommt Winnie mir immer sofort auf die Schliche – aber ich reagiere dann
erstmal beleidigt und bockig und verteidige die Stelle. Obwohl ich ja weiß, dass er
recht hat!

Winfried Oelsner:
Wenn der eine kochen kann (Lisa) und der andere nicht (Winnie). Keine gute Verhandlungsposition.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit praktisch vorstellen?

Lisa-Marie Dickreiter:
Zuerst denken wir uns zusammen die grobe Geschichte für das jeweilige Buch aus.
Dann setzt sich Winnie hin und schreibt eine Art Drehbuch. Das besprechen wir dann
wieder und von der verbesserten Version schreibe ich dann den Prosatext. Den liest
Winnie dann Kapitelweise und wir verbessern wieder. Am Ende ist alles so gut
durchmischt, dass wir selbst nicht mehr sagen können, wer welche Idee hatte.

Winfried Oelsner:
Unsere Bücher durchlaufen verschiedene Versionen, vom Exposé über eine Art Drehbuch bis zum finalen Prosatext. Beim Exposé und beim Drehbuch schreibe ich die erste Fassung, dann wandert der Text zu Lisa, sie überarbeitet und es geht
wieder zurück. Beim finalen Prosatext ist es umgekehrt. Hier schreibt Lisa die erste
Fassung und dann überarbeite ich. Es ist wie eine Art Ping-Pong-Spiel.

Haben einige Figuren Ihres Buches realistische Vorbilder?

Lisa-Marie Dickreiter:
Natürlich! Es sind aber meistens nicht „ganze“ Personen, die wir als Vorbilder
nehmen, es sind mehr einzelne Details, die wir aus unserer direkten Umgebung
aufschnappen. Wie z.B. Kilians Piratenpistole (so eine hat mein Schwiegervater)
oder Horsts Leidenschaft für Gewinnspiele (meine Oma) oder den Namen für
Motzkopf (so nennt Winnie mich manchmal).

Winfried Oelsner:
Klar doch, aber wir verraten natürlich nicht welche. Manchmal besteht eine Figur aber auch aus verschiedenen Vorbildern. Bei Horst zum Beispiel hatten wir
verschiedene echte Fußballtrainer im Kopf. Unter anderem den legendären Trainer
Hans Meyer. Und dass mein Vater eine ähnliche Piratenpistole wie Kilian besitzt, ist
sicher auch kein Zufall.

Wie lange haben Sie an „Max und die wilde 7 – Die Geister-Oma“ geschrieben?

Lisa-Marie Dickreiter:
Mit allem drum und dran ein knappes Jahr.

Winfried Oelsner:
Von der ersten Idee bis zum fertigen Buch dauerte es ungefähr ein Jahr.

Gefallen Ihnen die Hörbuchversionen?

Lisa-Marie Dickreiter:
Und wie! Der Sprecher Simon Jäger macht das großartig! Er gibt jeder Figur eine
unverwechselbare Stimme. Mein Liebling ist Horst.

Winfried Oelsner:
Ich finde die Hörbuchversionen toll und bin sehr froh, dass Oetinger Media mit dem Sprecher Simon Jäger unsere Bücher so fantastisch umgesetzt hat. Leider konnte ich ihn persönlich noch nicht kennenlernen, aber wenn ich ihn mal treffe, gibt’s ein
dickes Lob!

Wie finden Sie die Illustrationen von Ute Krause? Kennen Sie die Künstlerin
persönlich?

Lisa-Marie Dickreiter:
Ja, wir hatten die Freude, Ute Krause schon mehrmals persönlich treffen zu können.
Sie war für den Max unsere absolute Wunsch-Illustratorin und dass es dann
tatsächlich geklappt hat, macht uns sehr glücklich! Mit ihren herrlich humorvollen
Zeichnungen ergänzt und erweitert sie die Max-Geschichten perfekt. Wir sind jedes
Mal ganz aufgeregt, wenn unsere Lektorin uns das Cover oder die Zeichnungen
zuschickt. Da gibt es dann auch für uns ganz viel Neues zu entdecken.

Winfried Oelsner:
Ute Krause haben wir schon persönlich kennengelernt und uns mehrfach ausgetauscht. Sie war unsere absolute Wunsch-Illustratorin und ich bin heilfroh, dass sie damals die Illus vom Max übernommen hat, obwohl sie eigentlich zunächst keine Zeit für uns hatte. Ihre Art der Figurenzeichnung trifft genau unseren Blick als Autoren. Und heute kann man sagen: Erst durch Ute Krause wird ein Max-Buch zu
einem richtigen Max-Buch.

Sie arbeiten beide auch für den Film – als Regisseur bzw. Drehbuchautorin. Wird es von Max auch einen Film geben?

Lisa-Marie Dickreiter:
Das hoffen wir natürlich. Im Moment führen wir ein paar interessante Gespräche mit
Filmproduktionen, aber wie und ob, das ist beim Film ja immer so eine Sache...

Winfried Oelsner:
Wir hoffen es sehr! Wir stehen gerade in guten Gesprächen, um unseren Max auch auf die große Leinwand zu bringen. Ob und wann das klappt, ist aber noch offen.

Haben Sie Kinder als Testleser, an denen Sie Ihre Ideen ausprobieren?

Lisa-Marie Dickreiter:
Wir haben kindliche Testleser, deren Meinung wir auch viel ernster nehmen, als die
der Erwachsenen. Ein „Ideen ausprobieren“ ist es aber nicht, dafür haben wir zu viel
Respekt vor den Kindern. Sie sind ja keine Versuchskaninchen!

Winfried Oelsner:
Ich würde nicht sagen, dass wir unsere Ideen bei Kindern direkt „ausprobieren“. Aber wir haben auch einige Kinder-Testleser und hören bei deren Meinungen noch genauer hin als bei den Erwachsenen-Testlesern.

Mussten Sie lange nach einem Verlag suchen?

Lisa-Marie Dickreiter:
Zum Glück nicht! Und zum Glück wollten auch gleich mehrere Verlage den Max
haben und so konnten wir uns aussuchen, mit wem wir zusammenarbeiten wollen.
Dass wir nun beim Oetinger Verlag ein so tolles Zuhause gefunden haben, freut uns
immer noch sehr.

Winfried Oelsner:
Glücklicherweise nicht. Nachdem wir ein Konzept für den Max geschrieben hatten, zeigten mehrere Verlage Interesse, so dass wir sogar das große Glück hatten, uns einen aussuchen zu können. Und wir freuen uns immer noch sehr, dass wir so beim Oetinger-Verlag gelandet sind.

Ist der 3. Band mit Max bereits in Vorbereitung (und wenn ja: Könnten Sie uns schon etwas erzählen?)

Lisa-Marie Dickreiter:
Ja, wir schreiben gerade fleißig an Band III. Dieses Mal erleben Max und die Wilde
Sieben ihr bisher aufregendstes Abenteuer, denn Motzkopf wurde entführt!

Winfried Oelsner:
Oh ja, wir sind gerade mittendrin und wollen bis Herbst mit dem dritten Band fertig sein. Der Titel steht aber jetzt schon fest: „Max und die Wilde Sieben – die Drachen-Bande“. Dieses Mal müssen Max und seine Seniorenfreunde ihre härteste Nuss
knacken, denn Max’ Kater Motzkopf wird entführt! Warum und von wem, und was es
mit der Drachen-Bande auf sich hat, wird aber noch nicht verraten.

Wollten Sie als Kind schon Autor / Autorin werden?

Lisa-Marie Dickreiter:
Ja, ich wollte schon mit 7 Jahren Autorin werden. Sobald ich schreiben konnte, habe
ich in die alte Olympia Schreibmaschine meiner Mutter wilde Geschichten gehauen
(Es war wirklich mehr hauen, als schreiben, denn damals musste man mit viel Kraft,
die einzelnen Tasten runterdrücken).

Winfried Oelsner:
Als Kind habe ich wahnsinnig viel gelesen. Im Teenager-Alter kam dann meine Begeisterung für Filme hinzu. Und ab da wollte ich auch Autor und Regisseur
werden. Richtig getraut habe ich mich aber erst mit Anfang 20, als ich anfing, Film zu
studieren.

Was würden Sie denjenigen empfehlen, deren Traumberuf „Autor“ ist?

Lisa-Marie Dickreiter:
Lesen. Lesen. Lesen. Es gibt kein wichtigeres „Muskel“-Training fürs eigene
Schreiben als Lesen.

Winfried Oelsner:
Es ist ein toller Beruf, der einen wahnsinnig inspiriert und sehr glücklich machen kann. Eigentlich ist es viel mehr als ein normaler Beruf. Aber es ist auch ein Beruf, der einen 150 Prozent fordert, der viel Ausdauer verlangt und für den man im
Zweifelsfall auf einiges verzichten muss. Dennoch: Wer es wirklich will, dem kann ich
nur empfehlen, mutig zu sein und den Schritt zu gehen.