OB Grabe Bolz (rechts) und der Hessische Familienminister Grüttner mit der Charta zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
© AOK Hessen | Foto: Katrin Denkewitz 

Die Stadt Gießen unterstützt die Hessische Initiative zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Am gestrigen Donnerstag, 16.07.2015, hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege im Haus der Wirtschaft in Frankfurt im Beisein des Hessischen Familienministers Stefan Grüttner unterzeichnet.

Mit der Unterschrift unter die Charta erklärt die Stadt Gießen ihr freiwilliges Selbstbekenntnis zur Würdigung der Pflegearbeit von Beschäftigten. „Für uns ist dies ein wichtiges Zeichen im Sinne der Personalentwicklung. Engagement für Kinderbetreuung wie für Pflege von älteren Menschen wird von uns gefördert. Es ist aber ein ebenso wichtiges Signal an die Gesellschaft insgesamt: Wir möchten, dass Menschen in Würde alt werden können. Dafür braucht es helfende Hände – je mehr, desto besser.“

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf rückt aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung und des demografischen Wandels immer weiter in den Fokus von Arbeitgebern. Die Stadt Gießen unterstützt daher ihre Beschäftigten, die Familienangehörige pflegen, bereits durch die flexible Gestaltung der Arbeitszeit, durch alternierende Telearbeit, durch Beurlaubungen, durch Gewährung der Leistungen nach dem Pflegezeitgesetz und durch die Möglichkeit der Teilnahme am Kompetenztraining „Beruf und Pflege“. Nun tritt die Stadt Gießen als Arbeitgeber durch die Unterzeichnung der Charta auch der Hessischen Initiative zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege bei.

Die durch häusliche Pflege von Angehörigen resultierende Doppelbelastung ist nicht nur für die betroffenen Arbeitnehmer problematisch, sondern auch die Arbeitgeber können die Auswirkungen in Form von Arbeitsausfällen, vermehrten Krankheitstagen und geringerer Belastbarkeit zu spüren bekommen. Pflegende Mitarbeiter/innen müssen daher durch gezielte Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege unterstützt werden. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Arbeitgeber ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege unterstützen können. Um diese Möglichkeiten noch weiter auszubauen, hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, die AOK, die Beruf und Familie GmbH und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft unter dem Dach der Seniorenpolitischen Initiative Hessen „Beruf und Pflege vereinbaren – die Hessische Initiative“ ins Leben gerufen.

Die bundesweit einmalige Initiative stellt Beispiele aus der Praxis vor, klärt über Angebote auf und bietet konkrete Unterstützungsmaßnahmen an. Je schneller Beschäftigte tragfähige Pflegearrangements finden, desto eher können sie sich neben der Pflege auf ihre Berufstätigkeit konzentrieren.

Die Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege will das vorhandene Engagement der Arbeitgeber sichtbar machen. Die Initiative hat Erfolg, denn mittlerweile haben sich schon insgesamt 51 Arbeitgeber der Charta angeschlossen. Den Charta-Mitgliedern geht es vor allem darum, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Anforderungen der Arbeitgeber als auch den Belangen der Pflegenden sowie deren pflegebedürftigen Angehörigen Rechnung tragen. Mit der Unterzeichnung dieser Charta sollen folgende Beiträge geleistet werden:

  1. Es soll ein Arbeitsumfeld geschaffen werden, in dem die Pflege der Angehörigen kein Tabu ist. Es wird anerkannt, dass Beschäftigte, die Angehörige pflegen oder betreuen, eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernehmen.
  2. Es soll eine Organisationskultur gefördert werden, die von Respekt und Wertschätzung für die Übernahme der Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige geprägt ist. Es sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass alle Beschäftigten, insbesondere solche mit Führungsaufgaben, diese Werte erkennen, teilen und leben.
  3. Es soll ein lösungsorientierter Umgang mit den Situationen der pflegenden Beschäftigten etabliert werden, denn jede Pflegesituation ist anders und kann sich zudem immer wieder ändern.
  4. Es soll der innerbetriebliche Informationsstand über die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die vorhandenen Unterstützungsleistungen bei allen Beschäftigten verbessert werden.
  5. Es soll ein innerbetrieblicher Dialog über die Aktivitäten bei der Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege aufgebaut und regelmäßig innerbetrieblich Auskunft über die erfolgten Fortschritte gegeben werden.
  6. Das Engagement für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege soll zu einem Bestandteil des externen Dialogs gemacht werden.