Logo IHKDie regionale Konjunktur im Frühjahr 2014 zeigt sich stabil. Nach einem bereits ordentlichen Jahresbeginn hat sich das wirtschaftliche Klima weiter leicht verbessert. Im Vergleich zum Vorjahresumfrage bewegt man sich auf etwa gleichem Niveau. Die derzeitige Geschäftslage wird ganz überwiegend positiv eingeschätzt. Auch für das kommende halbe Jahr überwiegt der Optimismus, allerdings nicht ganz so deutlich wie in der Gegenwart. Alle deutschlandweiten Prognosen gehen für das laufende und für das kommende Jahr von höheren Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus – eventuell wird sogar leicht an einer „zwei vor dem Komma“ gekratzt. Die Bundesregierung geht für das laufende und das kommende Jahr von einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um jeweils 1,8 Prozent aus. Das Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute geht gar von einer Steigerung um 2,1 Prozent aus. Hauptgründe für diese erheblich verbesserten Rahmenbedingungen: Der Ölpreis ist seit Oktober 2014 kräftig gefallen. Dies wirkt sich positiv auf den privaten Konsum aus. Zugleich werden die Exporte durch die Abwertung des Euro im Zuge der quantitativen Lockerung der EZB stimuliert. Andere Länder des Euro-Raums profitieren ebenfalls von diesen geänderten Rahmenbedingungen. Daher scheint sich auch für die regionale Konjunktur ein weiterhin positiver Pfad abzuzeichnen.

Dabei wird in dem diesmaligen Aufschwung viel vom Konsum getragen. Eigentlich untypisch für Deutschland. Denn hier ist meist der Export die Konjunkturlokomotive. Aber der Mindestlohn, stockende Nachfrage aus den Schwellenländern und weiter wirtschafspolitischen Unabwägbarkeiten im Euro-Raum stehen einem stärkeren Aufschwung im Wege. Das zeigt sich auch in den relativ zurückhaltenden Äußerungen der hiesigen Industriebetriebe.

Insgesamt erreicht die Wirtschaft des IHK-Bezirkes einen Klimaindex von 114,6 gegenüber 114,3 und gegenüber 99,9 im Jahre 2013. Zu Jahresbeginn lag der Klimaindex bei 111,5. Der Klimaindex 100 gilt gemeinhin als „Zufriedenheitsschwelle“, ab hier ist das Ergebnis „befriedigend“ bzw. wird immer besser. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Die Umfrage fand von Ende März bis Anfang Mai bei knapp 1.700 Unternehmen aus den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau statt.

Bestes Ergebnis aus Landkreis Gießen / Wetterau im Durchschnitt / Vogelsberg hinkt hinterher
Ein ganz starkes Ergebnis wird aus dem Landkreis Gießen vermeldet. Die Betriebe des Landkreises kommen auf einen Klimaindex von 122,6 und lagen bereits im Vorjahr mit 119,0 an der Spitze des IHK-Bezirks. Zu Jahresbeginn lagen die Gießener Betriebe bei 115,7. Im Landkreis Gießen brummt das Baugewerbe mit einem Klimaindex von 149,1 geradezu. Doch auch die exportorientierten Investitionsgüterproduzenten kommen mit 126,5 auf einen hohen Klimaindex. Der Einzelhandel dagegen verharrt bei einem Wert von 83,4.

Die Wirtschaft im Wetteraukreis kommt auf Klimaindex von 114,5 und liegt damit genau im Durchschnitt des IHK-Bezirks. Vor einem Jahr lag man bei 113,6 und im Jahre 2013 bei 99,9. Bei der Umfrage zu Jahresbeginn lag der Wert bei 111,6. Besonders gut schneiden hier die konsumnahen Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern mit 173,2 ab. Aber auch das Verkehrsgewerbe und das Baugewerbe sind sehr zufrieden. Der Wetterauer Einzelhandel überspringt mit 102,9 die Zufriedenheitsschwelle. Nur auf erstaunliche 88.9 dagegen kommen die exportorientierten Investitionsgüterhersteller.

Für die Betriebe aus dem Vogelsbergkreis wird ein Klimaindex von 94,8 ermittelt. Damit liegt man um 20 Punkte schlechter als im Vorjahr und in etwa auf gleichem Niveau wie im Jahr 2013. Zu Jahresbeginn lag der Klimaindex bei 98,9. Zufriedenheit herrscht lediglich in der Baubranche. Im Einzelhandel liegt man bei 95,8, im Gastgewerbe bei 86,6, im Verkehrsgewerbe bei 88,2 und bei den Investitionsgüterherstellern bei 74,5. Insgesamt landet der Vogelsbergkreis damit in fast jeder Branche am Ende der drei Landkreise.

Insgesamt Stabilität
Insgesamt sind derzeit genau 36.9,5 Prozent der Betriebe zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage zufrieden. In der Umfrage aus dem vergangenen Jahr waren genau 37,5 Prozent, in der Umfrage zu Jahresbeginn waren 36,4 Prozent zufrieden. Also keine allzu dramatischen Veränderungen auf einem sehr ordentlichen Niveau. Eine fast gleiche Tendenz zeigt sich bei den unzufriedenen Einschätzungen zur Gegenwart: Derzeit sind 11,4 Prozent unzufrieden mit der aktuellen Lage, gegenüber 12,9 Prozent im Vorjahr und 13,9 zu Jahresbeginn. Damit ergibt sich derzeit ein positiver Saldo von 25,5 Prozent, dies waren vor einem Jahr und zu Jahresbeginn fast genauso viele. Der Blick in die nahe Zukunft verheißt etwas weniger Zuversicht. Aber: Der Saldo ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert, aber deutlich besser als zu Jahresbeginn. Derzeit liegt er bei genau 4,8 Prozent, in der vergangenen Umfrage lag er noch bei 1,5 Prozent, vor einem Jahr bei ebenfalls 4,8 Prozent. Aber im Jahre 2013 noch bei Jahr bei minus 5,0 Prozent.

Chance und Risiko zugleich
Der gesunkene Ölpreis treibt die Konsumlaune an und der schwache Euro erleichtert die Exporte. Neben der schwächelnden Nachfrage aus den Schwellenländern, bergen beide Faktoren aber auch Risiken: Höchstwahrscheinlich verbleibt der Ölpreis nicht auf dem vergleichsweise günstigen Niveau. Gegenüber dem Tiefpunkt zum Jahresende 2014 ist schon wieder ein fühlbarer Anstieg bemerkbar. Dann spürt der Verbraucher bald keine Entlastung mehr. Und der Euro kann auch gegenüber dem Dollar bald wieder zulegen. Spätestens dann, wenn die Europäische Zentralbank ihr üppiges Anleihekaufprogramm wieder zurückfährt. Zudem sind die Exporte nach China geradezu eingebrochen, befindet sich Russland in der Rezession und in Brasilien befindet man sich in einer Stagnation.

Nach den Risiken der konjunkturellen Entwicklung befragt, nennen 44,3 Prozent der Unternehmen die Inlandsnachfrage an erster Stelle. Offenbar traut man der Konsumlaune und der Investitionsfreude der deutschen Unternehmen nicht so recht über den Weg. An zweiter Position rangieren mit 42,7 Prozent mittlerweile die Arbeitskosten, die lange Zeit unter „ferner liefen“ abschnitten. In den vergangenen Jahren sind die Lohnstückkosten in Deutschland wieder fühlbar gestiegen und zehren langsam aber sicher an den Gewinnen. Auf in etwa gleicher Höhe landen dann die Risiken Fachkräftemangel, politische Rahmenbedingungen und die Energie- und Rohstoffpreise.

 

26.05.2015 
Quelle: IHK Gießen-Friedberg