Logo Mittelhessen e. V.Mittelhessen will sich nicht länger mit dem „Brain Drain“ junger Fachkräfte von den hiesigen Hochschulen in die Metropolregionen abfinden. Mit dieser zentralen Botschaft hat sich der Verein Mittelhessen zu seiner Mitgliederversammlung in Marburg getroffen. „Das ist eine der größten Herausforderungen der Region“, sagte der Vereinsvorsitzende und Gießener Regierungspräsident Dr. Lars Witteck im Auditorium des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM). Gleichzeitig zog Witteck eine positive Bilanz des vergangenen Jahres: Mit der Gründung der Mittelhessen GmbH als „operativer Arm“ des Regionalmanagements besitze Mittelhessen nun die dringend erforderliche „professionelle und in Vollzeit betriebene“ Institution, um den Standort effektiv zu fördern. 

Der „Change-Prozess“ zur GmbH sei nun vollständig abgeschlossen, sagte Witteck vor rund 60 anwesenden Mitgliedern, darunter kommunale Vertreter, Unternehmer, aber auch Privatleute. Das Regionalmanagement solle helfen, sich gegenüber der „scheinbar übermächtigen Metropolregion Rhein/Main“ klar zu positionieren – und zwar als Region „mit einer in Deutschland einzigartigen Hochschuldichte, mit Spitzenforschung und mit innovativen und spezialisierten Unternehmen“, aber auch mit kleinen und mittelgroßen Betrieben, von denen viele „Hidden Champions“ ihrer Branche seien. Der Mittelhessen e.V., der ein Drittel seiner mittlerweile über 150 Mitglieder alleine im vergangenen Jahr gewonnen habe, sei als „Schulterschluss führender Köpfe“ in der Region einzigartig, betonte Witteck. Neben dem Thema Fachkräftesicherung sind es unter anderem Infrastrukturprojekte wie der Weiterbau der A49 und die Verbesserung der Breitbandversorgung, mit denen sich das Regionalmanagement profilieren will. 

Als Mitglied und Gastgeber der Versammlung hob Martin Menger, Geschäftsführer des Universitätsklinikums, die Leuchtturmfunktion des UKGM für Mittelhessen hervor. Land und Region „sollten stolz sein auf diese Universitätskliniken.“ Rund 550 Millionen Euro habe die Rhön-Klinikum AG seit der Privatisierung 2006 in die Krankenhäuser investiert, darunter für den kompletten Neubau der Hauptklinik in Gießen, sagte Menger, der auch auf die „finale Phase der Vertragsgestaltung“ für den Patientenbetrieb der Partikeltherapieanlage in Marburg hinwies. Man sei sich der Bedeutung dieses Projektes für die Region bewusst, sagte der UKGM-Geschäftsführer. Berichten, die Privatisierung sei gescheitert, trat Menger entschieden entgegen: „Fakt ist, dass die Fallzahlen seit der Privatisierung gestiegen sind.“ 

Auch Berichte über den Abbau von Arbeitskräften an der „deutschlandweit zweitgrößten Universitätsklinik“ bezeichnete Menger, der seit 2011 dem Vorstand der Rhön-Klinikum AG angehört, als falsch. Tatsächlich seien seit der Übernahme 144 Ärzte in Vollzeit sowie 301 Pflegekräfte hinzugekommen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Privatisierung kein Fehler war.“ Die Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachbereichen der Universitäten bezeichnete er als „gutes Miteinander“ und verwies dabei unter anderem auf eine positive Entwicklung bei der Einwerbung von Drittmitteln, darunter für den Cluster Lungenmedizin, der auch „überregional erhebliche Bedeutung“ habe.  

Um gut ausgebildete Fachkräfte künftig besser in der Region zu halten, will das Regionalmanagement Mitte Juli das Internetangebot „Mittelhessen Connect“ starten. „Mittelhessen ist eine Schatztruhe“, sagte Robin Sudermann, Vorstandsvorsitzender der Kölner 22Connect AG. Das Jungunternehmen hat seine national bereits funktionierende Plattform „Talents Connect“ regional angepasst, um den „Schatz“ in Form von gut ausgebildeten Fachkräften heben zu können. Bislang werden einer Studie zufolge rund 50 Prozent der mittelhessischen Hochschulabgänger bei der Jobsuche in der Region nicht fündig. „Mittelhessen Connect“ will Personalchefs und Bewerber „auf Augenhöhe“ zusammenbringen. Beide Seiten erfassen zuvor in ihren Online-Profilen Stärken und Anforderungen, Wünsche und Perspektiven. Ein Algorithmus berechnet aus den Angaben einen „Matching Score“ – „für jeden Job, für jeden Bewerber und ständig“, wie Sudermann betonte. 

„Wir drehen den Recruitment-Prozess um“, erläuterte der 22Connect-Chef. Mit Hilfe der Plattform könnten Bewerber gebündelt und sortiert werden. „Wir vergleichen beide Seiten und geben Empfehlungen.“ Unternehmen könnten so bei der Personalsuche auch sparen, denn „die Aufmerksamkeit von Bewerbern zu wecken, kostet ansonsten viel Geld.“ Dabei berücksichtige „Mittelhessen Connect“ auch aktuelle mobile Kommunikationsformen, um „Bewerber da abzuholen, wo sie sich aufhalten“. Erstmals habe seine Firma dabei mit „Mittelhessen Connect“ ein regionales Cluster gebildet, sagte Sudermann. „Von der Technologie her setzen wir damit auch ein Ausrufezeichen für die Region.“ Entsprechend groß sei das überregionale Interesse an dem mittelhessischen Projekt. Starten soll es Mitte Juli auf der neugestalteten Website des Regionalmanagements. 

Nicht nur die Regionalmanagement Mittelhessen GmbH wird ab Juli online ein neues Aushängeschild haben. Mit einem neuen Logo will der Verein Mittelhessen seine Rolle als unabhängige Institution verdeutlichen: Das frische Markenzeichen sei einerseits mit Schrift und Farbe angelehnt an die Marke der Region, zeige aber andererseits mit einer geänderten Bildmarke Eigenständigkeit, sagte Oliver Goller, Geschäftsführer der verantwortlichen Agentur brand2. Dabei solle es vor allem das „Markenversprechen“ des Vereins als Ideenplattform kommunizieren: „Im Dialog zum Erfolg“.

 

04.06.2014 
Quelle: Mittelhessen e. V.