Logo IHKDie regionale Konjunktur im Frühjahr 2014 holt Luft. Nach einem ordentlichen Jahresbeginn tritt man nun auf der Stelle. Im Vergleich zur letzten Umfrage hat sich insgesamt eine marginale Verschlechterung ergeben. Im Vergleich zum Vorjahresumfrage jedoch ist ein klarer Anstieg der Stimmung festzustellen. Alle deutschlandweiten Prognosen gehen für das laufende und für das kommende Jahr von  höheren Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus – eventuell mit einer „zwei vor dem Komma“. Daher scheint die regionale Konjunktur aktuell lediglich eine Atempause einzulegen, um den weiteren Anstieg zu schaffen.

Dennoch: Insbesondere die Exportaussichten haben sich eingetrübt. Nach wie vor schwächelt die Euro-Zone. Zwar mehren sich die guten Nachrichten aus den südeuropäischen Krisenländern. Doch beziehen sich die Meldungen auf sehr kleine Erfolge, die keine positiven Auswirkungen auf die Exportnachfrage haben. Auch China schwächelt. Nach langen Erfolgsjahren scheut die chinesische Politik eine Überhitzung ihrer Wirtschaft. Schließlich drückt die Ukraine-Krise auf die Stimmung der Unternehmen. Immerhin rangieren Russland und die Ukraine unter den ersten elf Exportzielen der deutschen Außenhändler. Die Krise drückt auf die Stimmung, weniger auf reale Exportzahlen. Hoffnung auf eine steigende Exportdynamik kommt derzeit insbesondere aus den Vereinigten Staaten. Dort ist im vergangenen Jahr das BIP um 1,9 Prozent gewachsen – in Deutschland um 0,4 Prozent. 

Insgesamt erreicht die Wirtschaft des IHK-Bezirkes einen Klimaindex von 114,3  gegenüber 99,9 im Vorjahr und 115,5 zu Jahresbeginn. Der Klimaindex 100 gilt gemeinhin als „Zufriedenheitsschwelle“, ab hier ist das Ergebnis „befriedigend“. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Die Umfrage fand von Ende März bis Anfang Mai bei mehr als 1.700 Unternehmen aus den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau statt.

 

Vogelsberg macht großen Sprung nach vorne

Eine Besonderheit aus dem Vogelsbergkreis: Die Betriebe des Landkreises haben die größte Verbesserung beim aktuellen Klima im Vergleich zur Vorjahresumfrage erzielt: Heute landet man bei einem Klimaindex von 114,6, gegenüber 92,2 im Vorjahr und 104,3 bei der Umfrage zum Jahresbeginn. Im Vogelsbergkreis brummt das Baugewerbe mit einem Klimaindex von 137 geradezu. Auch alle Industriesektoren sind zufrieden, ebenso wie die unternehmensbezogenen Dienstleistungen.  

Die Wirtschaft im Landkreis Gießen kommt auf einen Klimaindex von 119,0 und schneidet damit als bester der drei Landkreise des IHK-Bezirkes ab. Im vergangenen Jahr kamen die Giessener Betriebe auf einen Klimawert von 104,1 und bei der Umfrage zu Jahresbeginn landete man bei einem Wert von 116,1. Damit werden für den Landkreis Gießen Steigerungsraten im Vergleich zu beiden Umfragen festgestellt. Die besten Resultate kommen im Landkreis Gießen aus dem Bereich der Vorleistungsgüterproduzenten, aus dem Baugewerbe und den unternehmensbezogenen Dienstleistern (Wachdienste, Werbeagenturen, Unternehmensberatungen).  

Für die Betriebe aus dem Wetteraukreis wird ein Klimaindex von 113,6 ermittelt. Der ist zwar deutlich höher als im Vorjahr – damals lag der Index bei 99,9 – weist aber einen fühlbaren Rückgang im Vergleich zum Umfrage zum Jahresbeginn mit 119,0 auf. Die besten Resultate im Wetteraukreis kommen aus dem Maschinenbau und dem Kredit- und Versicherungsgewerbe. Die Baubranche dagegen vermeldet einen Rückgang im Vergleich zu beiden vergangenen Umfragen. Insgesamt landet der Wetteraukreis damit am Ende der drei Landkreise.

 

Besser als im Vorjahr

Insgesamt sind derzeit genau 37,5 Prozent der Betriebe zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage zufrieden. In der Umfrage aus dem vergangenen Jahr waren genau 30,7 Prozent, in der Umfrage zu Jahresbeginn waren 37,0 Prozent zufrieden. Also keine allzu dramatischen Veränderungen. Eine etwas andere Tendenz zeigt sich bei den unzufriedenen Einschätzungen zur Gegenwart: Derzeit sind 12,9 Prozent unzufrieden mit der aktuellen Lage, gegenüber 25,7 Prozent im Vorjahr. Damit ergibt sich derzeit ein positiver Saldo von 24,6 Prozent, dies waren vor einem Jahr lediglich 5,0 Prozent. Der Blick in die nahe Zukunft verheißt etwas weniger Zuversicht. Aber: Der Saldo im Vergleich zum Vorjahr ist deutlich besser, im Vergleich zum Jahresbeginn dagegen hat er sich leicht abgeschwächt. Derzeit liegt er bei genau 4,8 Prozent, in der vergangenen Umfrage lag er noch bei 7,8 Prozent und vor einem Jahr bei minus 5,0 Prozent. Insgesamt also: Eine klare Verbesserung gegenüber dem Vorjahr und ein leichter Rückgang gegenüber dem Jahresbeginn.

 

Ukraine, Energie und Rentenpaket

Neben den bereits erwähnten Risiken (Euro-Krise, Ukraine, China), definieren die Unternehmen insbesondere die hohen Kosten für Energie und Rohstoffe als Hindernis für eine weitere positive konjunkturelle Entwicklung. Allerdings hat sich die Einschätzung des Risikos „Energiepreise“ gemildert: Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung scheinen die Betriebe zumindest teilweise überzeugt zu haben: Aktuell sehen 48,9 Prozent der Betriebe die hohen Energiekosten als Risiko. Vor einem Jahr waren es noch 54,5 Prozent. Als weitere Risiken werden die Inlandsnachfrage und die Arbeitskosten gesehen. Steigende Tendenz hat das Risiko „Rahmenbedingungen“. Dies sehen derzeit 39,9 Prozent der Betriebe, gegenüber 34,1 im Vorjahr, als Risiko. Dahinter verbirgt sich das Rentenpaket der Bundesregierung, das die Wirtschaft als Schritt in die falsche Richtung sieht und die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 € im Jahre 2015. Dadurch dürfte es einen Rückschlag auf dem Arbeitsmarkt geben.

 

12.05.2014 
Quelle: IHK Gießen-Friedberg