Burnout-Expertin Nadja Lins regte die Wirtschaftsjunioren in ihrem lebendigen Impulsvortrag mit zahlreichen Fragen zur Reflexion des eigene Stresspegels an.  Der Berufsalltag von Unternehmern und Führungskräften scheint zunehmend von Dauerbelastung und Stress gekennzeichnet. Schneller, höher, weiter ist die Maßgabe – und das „gerne“ auch am Wochenende. Nadja Lins vom Burnout-Helpcenter Frankfurt informierte die Wirtschaftsjunioren Gießen-Vogelsberg e. V. in ihrem lebendigen Impulsvortrag über das Gefährdungspotenzial von zuviel Druck, insbesondere am Arbeitsplatz. Darüber hinaus zeigte die Burnout-Expertin den Nachwuchsführungskräften zahlreiche Wege aus der Stressfalle zurück zur Lebensfreude.

„Stress entsteht immer dann, wenn Wollen und Können auseinander fallen“, brachte es Nadja Lins, seit Jahren selbst Mitglied der Wirtschaftsjunioren, zu Beginn des kurzweiligen Abends auf den Punkt. Burnout sei medizinisch nicht exakt definiert. Gemeinhin verstehe man darunter eine subjektive körperliche und/oder mentale Erschöpfung über einen längeren Zeitraum hinweg. Belastungs-Vergleiche mit anderen sind dabei sinnlos, da jeder Mensch eine unterschiedliche Resilienz („Widerstandsfähigkeit“) hat. Zahlreiche Studien zeigen, dass psychische Störungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zunehmen. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass ständige Belastung und hoher Druck das Krebsrisiko steigern. Das Paradoxe an der Situation: Keiner möchte ein Burnout erleiden, aber viele Menschen marschieren dauerhaft an der gesundheitlichen Belastungsgrenze entlang.

Nadja Lins appellierte an die Zuhörer, auf ihre Körpersignale zu hören. Denn während unser Verstand dazu neigt, zu hohe Belastung zu ignorieren, informiert uns unser Körper, indem er zum Beispiel mit Rücken-, Bauch- oder Kopfschmerzen, Verspannungen, Hautirritationen, Tinnitus oder Zahnfleischbluten reagiert. „Wer Burnout-gefährdet ist, muss nicht zwangsläufig seinen Job wechseln“, betonte Lins. Es helfe oft schon, den Blickwinkel zu ändern und sich auf ohnehin bekannte Dinge zu konzentrieren, die leicht in der Umsetzung sind und die Lebensqualität auf vielen Ebenen verbessern. Dazu gehören richtige Ernährung, Entspannungstechniken, Ruhezeiten oder Ausdauersport.

Die Burnout-Expertin hat die Erfahrung gemacht, dass viele Gefährdete einen hohen Gesprächsbedarf haben und sich eine Vertrauensperson wünschen. Ideal sei jemand Außenstehendes, da gegenüber dem Partner, der Familie, Freunden und erst Recht Kollegen häufig Hemmschwellen bestehen. Wer nicht alleine herauskomme aus dem Hamsterrad, könne sich entweder an den Hausarzt wenden oder versuchen, direkt einen Termin bei einem Therapeuten zu vereinbaren – die Wartezeit betrage allerdings oft mehrere Monate. Hilfe bieten auch die sogenannten Burnout-Lotsen, die den über ganz Deutschland verteilten Burnout-Helpcentern angeschlossen sind. Sie bieten Betroffenen je nach individueller Situation eine professionelle ganzheitliche Begutachtung, die Begleitung sowohl in Einzelgesprächen, als auch im Rahmen von Kursen zusammen mit anderen anonymen Teilnehmern und unterstützen bei der Wiedereingliederung. Wer Abstand zur aktuellen Situation braucht, kann an einem „Life-Camp“ teilnehmen – einer Intensivwoche abseits des Wohnortes. Eine Teil-Kostenübernahme für die Angebote der Burnout-Helpcenter kann bei der Krankenkasse beantragt werden.

Abschließend wies die Volljuristin Lins darauf hin, dass spätestens seit Beginn dieses Jahres auch Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, in die Burnout-Prävention zu investieren. Durch eine Erweiterung des Arbeitsschutzgesetz (§ 5 III Nr. 6 ArbSchG) müssen alle Unternehmen ab einem Angestellten eine sogenannte psychische Gefährdungsbegutachtung der Arbeitsplätze durchführen. Im Rahmen einer Kennzahlen-Analyse werden dann durch einen zertifizierten Gutachter kritische Bereiche erfasst und auditiert. Werden keine psychischen Gefährdungsbereiche festgestellt, besteht Kostenfreiheit gegenüber den Krankenkassen. Für die erkannten „Brennpunkte“ sind geeignete BGM-Maßnahmen zu ergreifen, da die Kassen andernfalls bei der Erkrankung von Arbeitnehmern unter bestimmten Umständen dazu berechtigt sind, finanzielle Forderungen an das jeweilige Unternehmen zu stellen.

 

25.03.2014 
Quelle: Wirtschaftsjunioren Gießen-Vogelsberg e. V.