Bepflanzen eines Balkonkastens

Die Vögel zwitschern um die Wette, es herrschen frühlingshafte Temperaturen, die ersten Krokusse beginnen zu blühen. Auch auf dem Balkon soll der Frühling einziehen, Primeln, Tulpen & Co. die Blumenkästen zieren. Und wenn man gerade dabei ist, könnte man auch gleich die Zimmerpflanzen umtopfen. Also erst einmal ins Gartencenter oder den Baumarkt und Pflänzchen und frische Blumenerde besorgt. Die Auswahl ist groß. Aber was ist drin in der Blumenerde? Die meisten "Erden" bestehen hauptsächlich aus Torf – und der kommt aus dem Moor. Muss das sein? Nein - Blumenerden ohne Torf haben sich längst bewährt.

Pflanzen brauchen für ein gesundes Wachstum einen gut belüfteten Boden mit hohem Wasserhaltevermögen. Die meisten Kulturpflanzen bevorzugen ein mäßig bis schwachsaures Milieu. In diesem Bereich sind die Nährstoffe optimal pflanzenverfügbar. Seit gerade einmal 60 Jahren vertrauen Gärtner dabei auf Torf. Das liegt insbesondere daran, dass es mit Torf besonders leicht ist, die gewünschten Nährstoffgehalte in der Blumenerde ganz genau einzustellen.

Aber warum auf Torf verzichten? Torf wächst nur extrem langsam, ungefähr 1mm pro Jahr und nur an ganz wenigen Stellen auf der Erde. Torf wird abgegraben wie Braunkohle. Dabei gehen wichtige Funktionen verloren. Intakte Moore sind ein Lebensraum für wahre Lebenskünstler. Moore filtern mit ihrem Torfkörper Wasser und tragen damit zu sauberem Trinkwasser bei. Sie speichern Wasser wie ein Schwamm und reduzieren so die Hochwassergefahr. Wird das Moor entwässert, entweichen in kürzester Zeit erhebliche Mengen an Treibhausgasen, erzeugt durch den über Jahrtausende in der wachsenden Torfschicht angereicherten Stickstoff und Kohlenstoff. Das passiert auch in der Blumenerde.

Die Pflanzen in unseren Kästen und Töpfen benötigen aber gar keinen Torf. Es gibt hochwertige Alternativen, gerade für den Hobbygartenbereich. Blumenerde ohne Torf besteht hauptsächlich aus Kompost, Rindenhumus und Holzfasern. Die kann man sich selbst anmischen. Inzwischen lassen sich fertige Universal- aber auch Spezialerden ohne Torf ganz bequem einkaufen – z.B. im Baumarkt um die Ecke. Aber Vorsicht: „Torf-reduzierte“ oder „Torf-arme“ Erde oder sogar „Bio-Erde“ kann noch bis zu 80 Prozent Torf enthalten Die Preise sind vergleichbar mit denen von Torf-haltiger Marken-Erde.

„Also, leisten Sie beim nächsten Kauf Ihren persönlichen Beitrag zum Klima- und Hochwasserschutz, ohne Verzicht auf Qualität!” so Horst Dreier, Sprecher der Gießener Lokale Agenda 21 (LA21)-Gruppe "Natur- und Umweltschutz" Die LA21-Gruppe beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Thema "Gärtnern ohne Torf".

Mit einer Wanderausstellung will sie aufklären und Alternativen aufzeigen. Erstmals wird diese auf der Gießener Landesgartenschau (LGS) am Eröffnungswochenende (26/27.4) im Gartenforum zu sehen sein. Weitere Termine im Sommer und Herbst stehen im LGSVeranstaltungsprogramm.

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Foto: Bepflanzen eines Balkonkasten (v.l.n.r.): LA21-Aktive: Dr. Jochen Schwandt, Joachim Keck, Horst Dreier (Sprecher), Dr. Hans-Joachim Grommelt