Helfende Hände für den Paradiesgarten

Auszubildende der Theodor-Litt-Schule helfen bei der Fertigstellung des Paradiesgartens

Neben dem acht mal acht Meter großen Quadrat in der Wissenschaftsachse wird derzeit gehämmert und geschraubt. Die Mitarbeiter der Zimmerei Rinn haben bereits die Holzkonstruktion für den sechs Meter hohen Bau vorbereitet, der künftig in dem Heckenkabinett den Paradiesgarten bilden soll. Nun müssen noch die Latten für die Außenverschalung angebracht werden. Dafür kommen den Zimmerleuten die Auszubildenden der Bezirksfachklasse Mittelhessen an der nördlich der Wieseckaue gelegenen Theodor-Litt-Schule zur Hilfe. Die 15 Zimmerer-Azubis der Berufsschulklasse absolvieren gerade ihr drittes Lehrjahr und kommen aus den Kreisen Limburg-Weilburg, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf, aus dem Vogelsberg, der Wetterau und aus Gießen.

Der Paradiesgarten ist vom Haupteingang aus gesehen der fünfte von insgesamt sieben quadratischen Wissenschaftsgärten. Seine Fläche wird vollständig von den hohen Holzwänden eingefasst, sodass der entstandene Raum, der etwa die Größe eines Einfamilienhauses haben wird, durch zwei Zugänge an unterschiedlichen Seiten betreten werden kann. Er enthält kein Dach und zusätzlich zwei Fensteröffnungen. „Das fehlende Dach war für uns eine besondere Herausforderung bei der statischen Berechnung, weil so die Windkräfte auch innen wirken“, betont Christopher Rinn. Sind die sechs mal acht Meter großen Holzwände schließlich aufgestellt, werden sie am Ende noch von innen mit Tafellack beschichtet. Auf diesen Wänden können die Besucher der Landesgartenschau dann künftig mit Kreide ihre persönlichen Vorstellungen vom Paradies aufmalen oder -schreiben.

Zuvor aber müssen die Auszubildenden im Rahmen ihres Blockunterrichts die gesamten Latten der Verschalung anbringen und damit die Wände im Liegen fertigstellen. Das sei keine so leichte Aufgabe, betont Rinn. Schließlich haben die Studenten des Fachbereichs Bauwesen der THM, die die Konzeption des Gartens entwickelten, die Fassaden mit unterschiedlich breiten Latten geplant, um sie zu strukturieren. „Es ist eben kein normaler Bau. Es ist durchaus anspruchsvoll, das so umzusetzen“, sagt Rinn, der sich über die Unterstützung durch die Auszubildenden freut, und das nicht nur, weil dadurch die Kosten für das Projekt gesenkt werden konnten.

Er schätzt, dass das Fertigstellen der Wände mit Hilfe der Zimmerer-Azubis und das anschließende Aufstellen mit Hilfe eines Krans mindestens zwei Tage dauern wird. „Wir machen regelmäßig solche Projekte mit der ganzen Klasse. Dies fällt zudem unter Nachbarschaftshilfe“, begründet ihr Lehrer Rüdiger Schmid-Pfähler das Engagement. Die Schule unterstützt die Landesgartenschau in mehreren Bereichen, unter anderem stellt sie zwei der Kunstbänke für die Partnerstädte und einen hölzernen Wegweiser her. Darüber hinaus gibt es eine enge Kooperation mit der Zimmerei-Innung. „Wenn wir etwas brauchen, sind die Betriebe für uns da. Da ist es selbstverständlich, dass wir ihnen auch helfen“, betont Schmid-Pfähler.

Auch die anderen sechs Wissenschaftsgärten, in denen den Landesgartenschau-Besuchern spielerisch Informationen rund um die Lebewesen und ihre Umwelt vermittelt werden, nehmen Formen an. Mit Themen wie „Biodiversität“ oder „Kulturlandschaft“ sind die Gärten, die sich auf der Wissenschaftsachse aneinanderreihen, ganz unterschiedlich gestaltet. Ihre Planung und Konzeption stammt von Studierenden der beiden Gießener Hochschulen. Mit insgesamt 22 Arbeiten hatten teilweise hochschulübergreifende Studierendengruppen am Ideenwettbewerb für die Gestaltung teilgenommen. Fünf der erstplatzierten Konzepte, darunter der Paradiesgarten, werden jetzt in der Wissenschaftsachse der Landesgartenschau verwirklicht, dazu ein Ausstellungsgarten, der den Wettbewerb dokumentieren wird, und ein „Grünes Mathematikum“. Die Gärten sollen auch nach dem Ende der Gartenschau bestehen bleiben.


Bild
(v.l.n.r.): Jonas Kurtscheidt (THM FB Architektur), Prof. Dr. Dr. Anette Otte (JLU - AG Hochschulen-LGS), Jan Pfuhlmann (THM FB Architektur), Roman Grube (THM Architekturstudent - Ideengeber Paradiesgaten), Prof. Dr. rer.pol. Günther Grabatin (Präsident der THM), Ludwig Wiemer (GF LGS GmbH), Eugen Bishon (Fa. Rinn XI GmbH - Zimmerergeselle (Leitung Aufbauteam)), Dr. Markus Labasch (JLU – AG Hochschulen-LGS), Dipl.-Ing. Christopher Rinn (GF der Fa. Rinn XI GmbH), Rüdiger Schimd-Pfähler (Lehrer TLS), die Auszubildenden der Berufsschulklasse.

 

Landesgartenschau 2014

05.02.2014 
Quelle: Landesgartenschau Gießen 2014 GmbH