Bundesagentur für ArbeitFür das Jahr 2013 hat Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, jetzt eine Bilanz für den heimischen Arbeits-, Ausbildungs- und Stellenmarkt veröffentlicht. „Das abgelaufene Jahr konnte das niedrige Niveau von 2012 bei der Zahl der Arbeitslosen nicht ganz erreichen. Es waren in erster Linie nicht regional beeinflussbare Faktoren, die eine Fortsetzung der positiven Entwicklung der letzten Jahre verhindert haben. Dennoch ist die Bilanz unter dem Strich positiv zu bewerten.“ Die erste Jahreshälfte sei spürbar schlechter verlaufen als erwartet. Doch der Verlauf des letzten Quartals hat zu einer insgesamt zufriedenstellenden Gesamtbilanz geführt.

• Arbeitsagentur Gießen zieht Bilanz für das Arbeitsmarktjahr 2013
• Deckung des Fachkräftebedarfs, Übergang von Schule in den Beruf verbessern und Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit bleiben voraussichtlich größte Herausforderungen 2014
• Trotz guter Konjunkturprognosen starker Rückgang der Arbeitslosenzahlen unwahrscheinlich

Beim Ausblick auf 2014 ist Schäfer verhalten optimistisch: „Positive Anzeichen für die Konjunktur im nächsten Jahr beeinflussen auch die Prognosen am Arbeitsmarkt. Jedoch hat die Entwicklung der letzten Jahre gezeigt, dass sich Beschäftigungsaufbau und Rückgang der Arbeitslosigkeit stärker entkoppeln“, so Schäfer. Es werde neben den saisonüblichen Schwankungen eine nahezu gleichbleibende, eventuell leicht sinkende Arbeitslosenzahl erwartet.

2013 im Einzelnen:
Arbeitslosigkeit
2013 waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen im Jahresdurchschnitt 20343 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einem Anstieg um 786 Erwerbslose oder ein Plus von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Jahresmittelwert um 0,2 auf durchschnittlich 5,9 Prozent.

Gemeldete Arbeitsstellen
Bei den Stellenzugängen konnte ein Anstieg verzeichnet werden. Der Arbeitsagentur Gießen sowie den Jobcentern des Kreises Gießen und der Wetterau meldeten Arbeitgeber 2013 16342 neue sozialversicherungspflichtige Stellen. Dies waren 367 Arbeitsstellen oder 2,3 Prozent mehr als 2012.
Der Bestand an offenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen lag im Jahresschnitt bei 4092 Stellen. Gegenüber dem Vorjahreswert ist dies ein Rückgang um 116 Stellen oder 2,8 Prozent.

Besondere Personengruppen:

Männer und Frauen
Nach Geschlechtern betrachtet, hat sich die Arbeitslosigkeit gleichermaßen negativ entwickelt. Die Ausprägung war jedoch bei den Männern fast doppelt so stark.
Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen waren 2013 im Jahresschnitt 11115 Männer arbeitslos gemeldet, 544 mehr als im Durchschnitt von 2012. Dies entsprach einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent bei den Männern.
Im gleichen Zeitraum waren 9228 Frauen im Jahresschnitt erwerbslos gemeldet, 242 mehr als 2012. Daraus ergab sich eine durchschnittliche Erwerbslosenquote von 5,7 Prozent.

Ältere Arbeitnehmer
Die Zahl der über 50-jährigen Erwerbslosen ist 2013 durchschnittlich um 207 gestiegen. Danach waren 6597 Ältere im Jahresschnitt arbeitslos gemeldet. Dies entsprach einer Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent.

Jüngere unter 25 Jahren
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 25 Jahren wurde 2013 nicht gestoppt. Zum Jahresabschluss lag die Quote bei 5,7 Prozent, 0,3 Prozent höher als 2012. Dies entspricht einer jahresdurchschnittlichen Zahl von 2146 jungen arbeitslosen Menschen, 124 mehr als 2012.

Rechtskreise SGB III und SGB II
Die Anzahl der Arbeitslosen hat sich bei den beiden Rechtskreisen (Betreuung SGB III durch die Arbeitsagentur und SGB II durch die Jobcenter) gleichermaßen verschlechtert.
Im Jahresschnitt waren 2013 bei der Agentur für Arbeit Gießen 6857 Personen erwerbslos gemeldet, 595 mehr als im Vorjahr. Bei den Jobcentern in Gießen und der Wetterau sowie der Kommunalen-Vermittlungsagentur (KVA) waren 2013 im Durchschnitt 13486 Personen arbeitslos gemeldet, 190 mehr als 2012.

Aus den Regionen
In den mittelhessischen Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg zeigte sich eine ungleiche Verteilung der Arbeitslosigkeit. Während in der Wetterau und in Gießen die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt stieg, ist diese im Vogelsbergkreis gesunken.
Im Kreis Gießen waren 2013 durchschnittlich 9457 Arbeitslose gemeldet. Damit stieg die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt gegenüber dem Vorjahr um 182 Arbeitslose an.
Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2013 deutlich gestiegen. 8225 Personen waren durchschnittlich erwerbslos gemeldet. Dies entsprach einem Anstieg zum Vorjahr um 752 Menschen oder gut zehn Prozent.
Im Vogelsbergkreis konnte ein Rückgang der Erwerbslosen verzeichnet werden. Nach dem Abgang von 149 Arbeitslosen im Jahresschnitt gegenüber 2012 lag die Zahl derer bei 2661, gut fünf Prozent niedriger gegenüber dem Vorjahr.

Fachkräftebedarf
In Mittelhessen wird auch in den nächsten Jahren mit einem weiter steigenden Fachkräftebedarf zu rechnen sein. Für offene qualifizierten Stellen sind bereits häufig nur schwer passende Arbeitnehmer zu finden.
Den Übergang von der Schule zur Ausbildung und in den Beruf zu gestalten, wird auch zukünftig eine der größten Herausforderung bleiben. Viele Jugendliche stehen dem Ausbildungsmarkt nicht zur Verfügung, da sie einen höheren Schulabschluss anstreben oder noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben. Die demografische Entwicklung verschärft diese Situation zusätzlich.
Langfristige und abschlussorientierte Qualifizierung von Erwerbslosen, Arbeitssuchenden und Beschäftigten wird durch die Arbeitsagentur weiter vorangetrieben und unterstützt. Das Lebenslange Lernen soll zum Standard werden.

Arbeitsmarktpolitische Instrumente
Auch im Jahr 2013 hatten arbeitsmarktpolitische Instrumente nur einen geringen Anteil an der Arbeitsmarkt-Entwicklung im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen.
Auf einem vergleichsweise niedrigen Stand blieb die Unterstützung von Betrieben mit Kurzarbeitergeld im abgelaufenen Jahr.
Bei Beschäftigten war die Weiterbildungsbereitschaft 2013 auf einem mittleren Niveau und somit nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr. Mit gezielten Programmen wurden Geringqualifizierte und Ältere über 45 Jahre durch die Agentur für Arbeit Gießen gefördert. „Im vergangenen Jahr haben erneut Weiterbildungen im Bereich der Pflege den größten Teil eingenommen“, so Schäfer.
Trainingsmaßnahmen und vereinzelte Umschulungen, sowie Qualifizierungen und Förderungen der Selbständigkeit waren weitere arbeitsmarktpolitische Instrumente. Direkte Hilfen zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bildeten dabei den Schwerpunkt.


Ausbildungsmarkt
Auf dem Ausbildungsmarkt sieht die Arbeitsagentur positive Entwicklungen aber auch einige Herausforderungen. Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen, zu dem die Landkreise Wetterau, Vogelsberg und Gießen gehören, wurden von September 2012 bis Oktober 2013 insgesamt 5354 Bewerber aufgenommen und beraten. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 355 Jugendliche.
Davon haben 2572 eine Berufsausbildung begonnen, 635 sich für den weiteren Schulbesuch und 145 für ein Studium entschieden. Eine Arbeitsstelle haben 216 Jugendliche angenommen. Der übrige Teil hat sich für „gemeinnützige Dienste“ (zum Beispiel Bundesfreiwilligendienst) entschieden, ein berufsvorbereitendes Jahr oder Praktikum gestartet. Einige Jugendliche haben keine Angaben zum Verbleib gemacht.

Arbeitgeber meldeten von September 2012 bis Oktober letzten Jahres im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen insgesamt 3720 Ausbildungsstellen. Knapp zwei Drittel der Stellen wurden im Dienstleistungsbereich und knapp ein Drittel vom Handwerk gemeldet. Zum Stichtag am 30.09. waren noch 223 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Bis zum Ende des Berechnungszeitraums waren 353 junge Menschen noch unversorgt. In einer sogenannten Nachvermittlungs-Aktion haben diese Jugendlichen die Möglichkeit noch eine Ausbildung in diesem Jahr zu beginnen.
Aus unserer Perspektive könnte die Ausbildungsbereitschaft ausgeprägter sein.

 

21.01.2014 
Quelle: Agentur für Arbeit Gießen