Kleinlinden

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(Text: Tilmann Lochmüller)

Das Dorf Kleinlinden ist seit dem 1. April 1939 ein Stadtteil von Gießen. Als Ort hat Lindes, wie es mit seinem alten Namen bezeichnet wurde, eine lange Tradition. Die erste Erwähnung ergibt sich aus einer Wetzlarer Stiftsurkunde aus dem Jahr 1269, in der ein Conradus de Lindehe (Lindes) als Pächter eines Gutes im nahe gelegenen Selters auftaucht. Nur wenige Jahre später, 1280, wird die Gemeinde als »kleines Dorf genannt Lindes« in einer Schenkungsurkunde des hessischen Landgrafen Heinrich I. erwähnt. Zusammen mit vor- und frühgeschichtlichen Funden deutet dies darauf hin, dass es bei Lindes, am Durchgang mehrerer alter Fernstraßen gelegen, schon viel früher eine Siedlung gegeben hat. Womöglich ist Lindes als Waldsiedlung (darauf deutet der Name hin) bereits zwischen dem 9. und 12. Jh. entstanden.

Eine Burg ist in Lindes vermutlich um das Jahr 1350/60 erbaut worden, um die Herrschaft des hessischen Landgrafen zu stärken. Die Einwohnerzahl des Ortes war zu Beginn des 16. Jhs. noch verschwindend gering. Nur vierzig Personen in kaum mehr als zehn Gehöften dürften damals hier gelebt haben. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. stieg die Bevölkerungszahl rasant an: von 479 in 1854 auf 1680 in 1910. Massive Beeinträchtigungen erlebte der Ort im gleichen Zeitraum durch den Eisenbahnbau der Strecken Gießen-Frankfurt und Gießen-Wetzlar.

Mit Gießen, zu dessen Amtsbezirk Kleinlinden schon sehr lange Zeit vor seiner Eingemeindung gehörte, pflegte der Ort im Übrigen einen jahrhundertealten Grenzstreit. Die schriftliche Überlieferung berichtet 1531 von ersten Auseinandersetzungen der Gießener mit den Bewohnern von Lindes. Erst 1840, also mehr als dreihundert Jahre später, konnte der Streit durch einen Vergleich beigelegt werden.