Netzwerk Wirtschaft

Die Fragen nach Moral, Ethik und kirchlichem Einfluss in der Ökonomie standen im Mittelpunkt eines Treffens des Netzwerks Wirtschaft, zu dem der Verein Mittelhessen nach Herborn eingeladen hatte. Netzwerkleiter Klaus Rohletter von der Albert Weil AG konnte in der Unternehmenszentrale der Loh-Tochter Rittal 50 Vertreter aus der ganzen Region begrüßen. Dr. Ralf Stroh vom Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau stellte in seinem einführenden Referat fest: „Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen und da gehören natürlich auch die Unternehmer dazu“, und ergänzte: „Glaube richtet sich an alle Fragen des Lebens inklusive Arbeitsleben, Unternehmertum und Wirtschaft allgemein. Deshalb sollte sich Kirche auch einmischen!“

Kirche ist für alle da – auch für Unternehmer?

Dr. Matthias Leder, Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg, der die Podiumsdiskussion moderierte, meinte eingangs: „Eigentlich brauchen wir gar keine Diskussion über Moral und Ethik. Man muss sich nur an die zehn Gebote halten.“
Auf die Frage nach der Aktualität von Werten für junge Menschen erklärte Prof. Dr. Harald Danne, Leiter des dualen Angebots StudiumPlus der Technischen Hochschule Mittelhessen: „Bei uns müssen alle Studierende ein Ethikseminar buchen – sie  gaben danach beste Bewertungen! Die Fachkräfte von morgen sollen erkennen, dass unternehmerischer Erfolg nur mit einem ethischen Grundgerüst nachhaltig zu realisieren ist.“ Dr. Wolfgang Pax, Leiter des hessischen Kommissariats der katholischen Kirche wies auf das Konfliktpotential hin, in dem er die Kirchen sieht: „Wir treten oft als Vertreter der Schwachen auf. Zum Beispiel dient der Flughafen in Frankfurt als wirtschaftlicher Motor der Region, zugleich ist er aber auch für die Anwohner ein akustischer Umweltzerstörer. Wo positionieren wir uns?“
Friedhelm Loh, Vorstandsvorsitzender der Friedhelm Loh Group und damit größter Arbeitgeber der Region Mittelhessen, entgegnete darauf: „Auch die Leistungsträger sind ‚Kunden‘ der Kirche“. Wir Unternehmer werden vom System zu bestimmten Verhaltensweisen gezwungen. Sonst straft uns der Markt.“ Er forderte eine Neutralität der Kirche auch für die „Oberklasse“.

Unternehmen brauchen Fachkräfte und machen sich Demografie-fit

Über die neuesten Entwicklungen im Regionalmanagement informierten sich die Mitglieder im Anschluss: Thomas Merten vom Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften – berichtete darüber, wie sich acht mittelhessische Unternehmen gemeinsam „Demografie-fit“ machen. Prokurist Jens Ihle stellte dar, dass zum ersten Mal ein deutsch-tschechischer Schüleraustausch inklusive Praktika bei heimischen Unternehmen und Informationsveranstaltung aller drei mittelhessischen Hochschulen mit großer Resonanz stattgefunden habe. Das Regionalmanagement habe sich beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft als Bildungscluster beworben und bereite zudem den diesjährigen Auftritt auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real vor.
Ganz besonders im Fokus des Regionalmanagements stehen jedoch die Fachkräfte, und wie diese gewonnen und gehalten werden können. Angelika Berbuir von der Agentur für Arbeit berichtete, dass der „Arbeitskreis Willkommenskultur“ auf eigenen Wunsch zukünftig beim Regionalmanagement angesiedelt sei und dem Netzwerk Wirtschaft zuarbeiten wolle. Unter der bewährten Leitung von Christian Bernhard von der IHK Lahn-Dill wolle man weitere Ideen entwickeln, um die Region attraktiv zu machen.
Eine starke Branche der Region – die Optik, Mechanik und Elektronik – wird im Jahr 2014 noch sichtbarer werden: Jörg Brück von der FLEET Events GmbH berichtete, dass in der Wetzlarer Rittal Arena vom 19.-20. Februar 2014 die Messe „W3+ Fair“ stattfinden werde. Unterstützt vom mittelhessischen Optikcluster „Wetzlar Network“ und dem Regionalmanagement solle dieser Technologie-Treffpunkt unter anderem dazu dienen, Fachkräfte in die Region zu holen.

 

04.07.2013 
Quelle: Regionalmanagement Mittelhessen GmbH